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Family BUSiness

Schreinermeister Michael S. holte sich eine Jugenderinnerung zurück. Er schaffte sich einen T2a-Bulli in der Deluxe-Version an und ließ diesen von der oberpfälzischen Spezialwerkstatt "Bug Box" restaurieren und umbauen.

Foto: Walter Jelinek

Michael S. hatte in den 70er Jahren einen T2 und unternahm damit ausgedehnte Reisen durch den Süden Europas, aber mit der Übernahme der väterlichen Schreinerei inklusive eines Bestattungsunternehmens begann schließlich auch für ihn der Ernst des Lebens.

Als die älteste Tochter des mittlerweile gestandenen Unternehmers die Jugendfotos des Vaters vor kurzem entdeckte, reifte auch in ihr der Wunsch, einen klassischen VW Bus zu fahren. Bei der Einberufung des Familienrats einigte man sich rasch, nach einem geeigneten Fahrzeug Ausschau zu halten, um dieses den eigenen Vorstellungen entsprechend restaurieren und umbauen zu lassen.

Foto: Walter Jelinek

Die Vorgabe lautete: T2a im Originallack und in der Deluxe-Version. Mit diesem Anliegen rief Michael S. bei uns an. Auf die Schnelle waren wir leider nicht in der Lage, einen passenden Bulli zur Verfügung zu stellen. Bald darauf wurde Michael S. jedoch im Internet fündig und erwarb ein US-Importauto ohne Technik. Das neue rote Familienmitglied wurde bei uns in der "Bug Box"-Werkstatt im oberpfälzischen Weiden angeliefert.

Der Bulli war schnell zerlegt und bis auf verschiedene kleinere und größere Unfallschäden fanden wir keine Überraschungen an der sehr trockenen und nahezu rostfreien Karosserie vor. Die verschiedenen Dellen an den Seiten und jeweils ein Unfallschaden vorne und hinten bedurften des Einsatzes des Spotters und wenige Gramm an Zinn.

Foto: Walter Jelinek

In die Trennwände hinter den Vordersitzen waren riesige ovale Löcher zur Aufnahme von Lautsprechern geschnitten worden. Diese Bereiche füllten wir mit Spenderblechen aus einem Schlachtbus.

Nach vielen positiven Erfahrungen von Freunden wollten wir nun auch endlich einmal die neue Art der Karosseriereinigung ausprobieren. Da der T2a sehr wenig Rostbefall aufwies, war er für eine Trockeneis-Behandlung wie geschaffen. Die wenigen mit Flug- oder Oberflächenrost befallenen Stellen wurden punktuell sandgestrahlt.

Foto: Walter Jelinek

Aufgrund des geplanten stärkeren Motors sollte das Fahrwerk den neuen Gegebenheiten angepasst werden. Dementsprechend fertigten wir eine verstellbare Vorderachse mit unseren eigenen Tieferlegungs-Achsschenkeln an und versahen diese mit einer CSP-Scheibenbremse. An der Hinterachse wurden die Federschwerter einen halben Zahn verdreht und die Straßenlage per Koni-Stoßdämpfer verbessert. Die Bremsanlage blieb im Serienzustand, erfuhr jedoch eine Komplettüberholung.

Unser Ziel war es, ein serienmäßig aussehendes Auto zu generieren, welches in punkto Fahrsicherheit und Dynamik dem Ursprungsmodell meilenweit überlegen ist. Der Fahrkomfort sollte nach Möglichkeit nicht eingeschränkt sein.

Foto: Walter Jelinek

Auf Wunsch von Michael S. bauten wir einen 1915ccm Typ1-Motor komplett aus hochwertigen Neuteilen auf. Er verfügt über zwei 40er Weber-Vergaser und ein Porsche-Gebläse, welches auch unter harter Belastung ausreichend Luft zufächelt. Dazu harmonisiert ein Getriebe aus dem 2 Liter Bus, welches sorgfältig überholt wurde.

Für kernigen Sound und großen Abgasdurchsatz sorgt ein A1-Sidewinder Auspuff mit 1,5 Zoll Durchmesser, der mit Wärmetauschern kombiniert wurde, um die serienmäßige Heizung beizubehalten. Beim Aufbau des Motors wurde das Augenmerk auf Standfestigkeit und Drehmoment gelegt.

Die Technik des Motors: Empi Aluminium Motorgehäuse, Bohrung 90,5 mm mit Full-Flow-Anschluss und Passbuchsen, Empi Gegengewichtskurbelwelle geschmiedet 69 mm Hub, Schwungrad erleichtert und gewuchtet, Empi Chromoly Pleuel, Engle W-110 Nockenwelle mit Scat-Stößeln, Zylinderköpfe 041 E 39 /A 35 , Verdichtung: 8,5:1, geschätzte Leistung: 90-95 PS.

Foto: Walter Jelinek

Durch die Karosserieform eines Bullis erübrigt es sich, auf eine hohe Endgeschwindigkeit abzuzielen. Wir vertreten den Standpunkt, dass eine Höchstgeschwindigkeit zwischen 160 und 180 km/h völlig ausreicht. Eine Reisegeschwindigkeit von 120 bis 150 km/h je nach Modell und Antrieb sollte jederzeit problemlos und materialschonend möglich sein.
Ursprünglich war nur eine Teillackierung vorgesehen, um eine gewisse Patina zu bewahren. Als der Besitzer jedoch den guten Gesamtzustand der Karosserie nach Beendigung der Blecharbeiten sah, beauftragte er uns, die Karosse zu Mirko Haderlein zu bringen und dort eine Gesamtlackierung im Zweischichtverfahren durchführen zu lassen. "Magic" Haderlein ließ sich nicht lumpen und zauberte ein perfektes Glanzbild.

Foto: Walter Jelinek

Wie gewohnt lieferte die Autosattlerei Mühlbauer in Regensburg eine makellose Arbeit. Das Familienunternehmen polsterte und bezog die bereits gestrahlten und pulverbeschichteten Sitzgestelle mit schwarzem Original-Vinyl. Die Vordersitze wurden wegen nicht vorhandener Kopfstützen gegen Exemplare aus einem 74er Bus ersetzt.

Während die Gummimatten lediglich einer Grundreinigung bedurften, wurde der Himmel komplett neu aus perforiertem, weißem Vinyl eingezogen. Die Türverkleidungen wurden von uns aus den USA importiert und nach einer ordentlichen Hohlraumversiegelung eingebaut.

Die von uns in Auftrag gegebenen Instrumente wurden im Design der Serieninstrumente angepasst. Der Tacho wurde auf 180 km/h erweitert und die Übersetzung den 185/55/15er Vorderreifen angeglichen. Der Drehzahlmesser wurde eigens angefertigt.

Foto: Walter Jelinek

Mit frisch lackiertem Body und verzinkten, lackierten oder pulverbeschichteten Teilen ging der Zusammenbau flott von der Hand. Alle Gummiteile wurden erneuert und die meisten Anbauteile wie Lichter, Wischer, Griffe usw. durch NOS-Teile ersetzt.
Wir waren überzeugt von unserer sorgfältigen Arbeit und vereinbarten den TÜV-Termin. Ohne Beanstandung erhielt unser roter Flitzer die begehrte Plakette. Der lang erwartete Tag der Wagenübergabe nahte und die Vorfreude der Besitzer war schon am Telefon hörbar. Vater und Tochter reisten mit dem Zug an und absolvierten den 350 Kilometer langen Heimweg mit dem neuen Bulli ohne Zwischenfälle. Gerne hätten wir noch gesehen, wie das freudige Lächeln der beiden während der gesamten Fahrt anhielt.

Weitere anschaulich beschriebene und illustrierte Dokumentationen von
VW-Bus-Restaurierungsprojekten der "Bug Box"-Werkstatt finden Sie direkt auf der Webseite www.bug-box.de

Walter Jelinek