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Gerissene Lösung

Dummerweise passiert es häufig auf einer Urlaubsfahrt. Ganz sicher aber häufig auf langen Strecken mit viel Verkehr. Schäden an der Windschutzscheibe lassen sich kaum vermeiden, in der Stadt sind sie relativ selten.

Schaden zu groß - neue Scheibe nötig ©TÜV Süd

Dem dumpfen „Klack“ folgt meist ein kristallheller Punkt oder ein zackiger weißer Strich vor den Augen des Fahrers. Schäden an der Windschutzscheibe lassen sich nicht verhindern. Egal oder Frau oder Mann am Steuer: Wer einen solchen Steinschlag vor die Nase bekommt, darf sich ruhig erschrecken, denn meist ist dieses Ereignis mit einem lauten Knall verbunden. Was ist passiert?

Unsere Autos haben Scheiben aus thermisch vorgespanntem Glas. Das sorgt für die notwendige Härte. Doch wenn ein schnell fahrendes Auto mit einem Stein – wo auch immer dieser herkommen mag – kollidiert, ist der Aufprall beider Massen so stark, dass die Scheibenoberfläche zerstört werden kann. Das mehrschichtige Glas wird zwar nicht in Krümel zerplatzen, aber in etlichen Fällen können auch so viele Risse entstehen, dass die Scheibe aussieht, wie mit einem Spinnennetz überzogen.

Der Normalfall verläuft glimpflicher. Meist bleibt nur ein Einschlag-Krater zu sehen. Der allerdings kann so groß sein wie ein Daumennagel. Schwieriger wird es, wenn von diesem Krater aus bereits ein Riss entsprungen ist. Glasbruch wird in den Akten der Autoversicherer als häufigster Kaskoschaden klassifiziert.

Von daher haben die Autoversicherer ein reges Interesse, dass aus dem ersten Einschlag keine Folgeschäden entstehen. Denn solche Krater können von ausgewiesenen Experten in der Regel repariert werden. Der TÜV Süd sagt, die dafür entwickelten Reparaturverfahren stünden heute auf sehr hohem Niveau und seien sicher. Solche Ausbesserungen kosten normalerweise nicht mehr als 100 Euro; Kosten, die von den meisten Versicherungen unter Verzicht auf die Selbstbeteiligung übernommen werden. Wenn die Reparatur klappt, ist der Austausch der gesamten Scheibe nicht nötig.

Wer unterwegs von einem Steinschlag überrascht wird, kann die Folgen mindern. Denn nun kommt es darauf an, die „Wunde“ sauber zu halten. Die Experten der spezialisierten Glasreparaturbetriebe haben einige Kriterien aufgestellt.

Der Einschlag darf nicht größer sein als ein Daumennagel und nicht zu tief. Noch wichtiger ist die Frage, wo der Stein auftraf. Stört der Schaden die Sicht, heißt es Komplettaustausch. Der Bereich, in dem repariert werden darf, ist festgelegt. Der Sichtbereich des Fahrers ist ein Tabu. Oben und unten setzt das Wischerfeld die Begrenzungen. Auch zu nahe am Rand darf nicht ausgebessert werden. Zwar sind die mit einem Spezialharz geflickten Stellen kaum zu erkennen, sie können aber bei Nachtfahrten Streulicht erzeugen.

Voraussetzung für den Reparaturerfolg ist, dass die Schadenstelle sauber und trocken ist. Damit dies so bleibt, darf kein Schmutz in die feinen Sprünge und Ritzen eindringen. Deshalb sofort reparieren lassen oder kleine Schäden sofort abkleben, damit keine Feuchtigkeit eintritt. Dafür gibt es spezielle „Scheibenpflaster“ bei Autoglasdiensten oder Versicherungen, die ins Handschuhfach gehören. Ersatzweise funktioniert auch ein gut angedrückter Streifen Tesafilm.

Der TÜV Süd warnt eindeutig: Die Reparatur von Scheiben ist sicherheitsrelevant und deshalb nichts für Schrauber. Das gilt auch für die Verwendung spezieller Reparatur-Kits, die im Handel erhältlich sind. Eine einwandfreie Arbeit braucht Spezialwerkzeug und eine besondere Ausbildung. Die Schadenstelle muss beispielsweise unter eine Art Glocke gelegt werden. Unter hohem Druck gelangt dann das Reparaturharz in jede Ritze. Der TÜV: „Fachgerecht reparierte Scheiben bestehen problemlos die nächste Hauptuntersuchung.“

eba mit Material vom TÜV Süd