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Heiß, heißer, Berlin

Die Temperaturen sollten wahrlich nicht die einzigen Höhepunkte des 8. VWBus-Festival-Berlin darstellen, gab es doch in diesem Jahr mit dem 30. Geburtstag des Syncro reichlich Grund zu feiern. So waren es dann insgesamt beeindruckende 800 Fahrzeuge und deren Besitzer, die sich vom 14. bis zum 16. August auf dem Flugplatz „Altes Lager“ in Niedergörsdorf südlich von Berlin trafen, schwitzten und feierten. VW-Bulli.de war dabei und hat die klasse Stimmung eingefangen.

Der Wettergott meinte es in diesem Jahr sehr gut mit dem Team um Karsten Scheffler, den alle nur „Kashi“ nennen, sieht man einmal vom Aufräumen am Sonntag, nachdem alle Gäste das Gelände verlassen hatten, ab. Denn bis zu dem dann einsetzenden Wolkenbruch konnte man meinen, das Treffen fände Syncro-gerecht in der Wüste statt. Die Sonne brannte! Besonders am Samstag stieg das Thermometer bedrohlich in Richtung 40 Grad. Doch beginnen wir von vorne.

Das 8. Berliner Bus Festival hat bereits Tradition. Alljährlich treffen sich Busbegeisterte auf dem riesigen Flugplatzgelände „Altes Lager“ südlich von Berlin. Eigener Syncro-Trial, eine ehemalige Landebahn für das Achtel-Meile-Rennen, eine Bühne, eine Kartbahn und vor allem viel viel Platz - ein Gelände, das nicht besser für ein Bustreffen geeignet sein kann.

Ausverkauft gibt es hier nicht, denn so weit das Auge reicht, könnten sich Busse auf dem Wiesengelände verteilen. So ist auch die Voranmeldung eher verhalten und die Planung für das Orga-Team entsprechend schwierig. Jeder weiß, dass es Platz genug gibt und niemand vor verschlossener Schranke steht. 150 Voranmeldungen waren es in diesem Jahr und das sicher nicht zuletzt auch aufgrund des Mottos: 30 Jahre Syncro. 1985 erblickte der Allradantrieb im T3 das Licht der Welt und das sollte gebührend gefeiert werden.

Das Team von VW-Bulli.de schlug bereits am Donnerstag das Lager auf. Das Gelände war wieder bestens präpariert. Zusätzlich zu den festen Toiletten und Duschen im Hauptgebäude sorgte das Team mit zusätzlichen Dixies und Duschcontainern für ausreichend sanitäre Einrichtungen. Der Flugplatz ist natürlich kein Campingplatz und trotzdem gibt es ein Maximum an Komfort inklusive Stromversorgung und Brötchenservice. Dass man sich mit der einen oder anderen Kabeltrommel oder Verteilersteckdose hilft, sollte auf einem Bustreffen nichts Außergewöhnliches sein.

Das Programm war in diesem Jahr vollgestopft mit Highlights. Bereits am Freitag gab es diverse Workshops zum Thema Syncro, etwa den „Bergeworkshop“. Volkswagen Nutzfahrzeuge Oldtimer präsentierte einige Schätzchen, unter anderem den bekannten Allrad-T2 aus der frühen Syncro-Entwicklung. Henning Duckstein, treibende Kraft dieser Entwicklung bei Volkswagen, durfte da mit seinem Wissen und Geschichten zum Thema natürlich auch nicht fehlen. Eine Reihe von ehemaligen Ralley-Dakar-Begleitfahrzeugen wurden zudem ausgiebig auf der hauseigenen Geländestrecke vorgeführt und ausprobiert, aber auch werbewirksam aktuelle Geländemodelle wie der Rockton oder der T5 Extreme vorgestellt.

Die „Hauptstraße“ des Treffens war auch in diesem Jahr generell gut von diversen Händlern in Beschlag genommen worden. Neben den üblichen VW-Ersatzteilen gab es auch wieder einiges abseits der Busse zu entdecken, wobei die Luft nach oben noch ausreichend vorhanden ist. Die Händlermeile darf gerne wachsen!

Auch der ADAC war vor Ort und bot den Teilnehmern die Möglichkeit, ihre Busse technisch durchchecken zu lassen und für Speis und Trank war sowieso wie immer bestens gesorgt. Ob Bulli-Frühstück, Currywurst oder Cocktail. Wessen Kühlbox gegen die Wüstenhitze nicht mehr ankam, konnte sich auf dem Gelände trotzdem kühlende Getränke besorgen.

Erst gegen Abend verschaffte die untergehende Sonne den Teilnehmern etwas angenehmere Temperaturen. Genau richtig, um die Trommelshow der Gruppe „Schlag-Kraft“ und die anschließende Feuershow auf und vor der Hauptbühne genießen zu können. Mit DJ-Begleitung schwitzen wir uns in den ersten wohlverdienten Schlaf unter dem Aufstelldach.

Temperaturtechnisch konnte der Samstag locker noch einen draufsetzen, das Festivalprogramm jedoch ebenfalls. Der Syncrotrail durfte natürlich nicht fehlen auf dem 30. Geburtstag und die passenden Fahrzeuge dazu ebenfalls nicht.

Stellenweise hatte man das Gefühl, dass wohl in der übrigen Welt kaum noch Syncros in den Garagen stehen dürften, denn eigentlich müssten sie alle gerade auf dem Festival sein. Aus aller Herren Länder – u.a. England, Estland, Tschechien, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Spanien und natürlich Deutschland waren Dokas, Pritschen, Kombis und Kastenwagen auf das Gelände gefahren. Bei den einfahrenden gut 60 Bussen aus Frankreich blieb sogar Organisator Kashi der Mund offen stehen.

Absolute Highlights waren jedoch eine Tristar-Doka und ein weißer Kombi, die von ihren Besitzern extra aus Australien per Container eingeschifft worden waren. Der 77-jährige Hartmut Kiehn aus Australien hat es sich nicht nehmen lassen, den seltenen Tristar zum 30. Geburtstag wieder zurück nach Deutschland zu bringen. Nach der anschließenden Rundtour durch Deutschland sowie dem Busfest im englischen Malvern geht es per Container im September wieder zurück nach "Down under". Eine Geschichte, die sich hier nicht einfach in einem Nebensatz erzählen lässt. Mussten wir vor Ort schon ungläubig die Luft anhalten, werden wir uns diese Erzählungen für eine Extra-Story aufheben. Wer bis dahin nicht warten kann, kann die Reise unter http://vwtristar.blogspot.de/ verfolgen.

Aber auch Dave und Penny Finney sollten nicht unerwähnt bleiben, erhielten sie doch schließlich den ersten Preis für die weiteste Anreise. Beinahe lächerlich kamen uns unsere im Anmeldungsbogen eingetragenen 450 Kilometer vor, die von Dave und Penny um genau 29550 Kilometer übertroffen wurden, denn die beiden waren extra aus Neuseeland angereist – ohne Worte!

Da wurde es fast zur Nebensache, dass wir auf dem Gelände eine weiße Pritsche entdeckten, die ein originales Kennzeichen aus Utah, USA trug – noch eine unglaubliche Containeranreise? Nein, aber dennoch unglaublich. Der Besitzer kam aus den USA, flog in die Niederlande, kaufte sich dort den Bus, schraubte seine mitgebrachten USA-Kennzeichen an und fuhr direkt zum Treffen nach Berlin.

Das Busfestival bot dieses Jahr enorm viel Potential für das Prädikat „Unglaublich“. Nicht schmälern wollen wir deswegen in diesem Zusammenhang die Leistungen aller Anderen, die zu diesem tollen Treffen beigetragen haben: Dem Bulli-Stammtisch aus Hamburg, der wieder eifrig den kleinsten Bullifans in der Bullifahrschule das Busfahren beigebracht hat, den Teilnehmern des Achtel-Meile Rennens, die uns teilweise mit offenem Mund haben staunen lassen, allen Gewinnern und Teilnehmern der diversen Wettbewerbe wie Show & Shine oder der Rallye durch die landschaftlich sehenswerte Umgebung, der Liveband „Right Now“, die am Samstagabend dem Busvolk ordentlich eingeheizt hat, Simon Holloway und seinem Team aus England, die wieder beste Werbung für das große anstehende Busfest im englischen Malvern machen konnten und zu guter letzt natürlich dem Organisationsteam des Bus-Festivals, das jedes Jahr aufs neue ein geniales Treffen auf die Beine stellt, das nicht nur für uns Busverrückte selbst viel bietet, sondern auch für die Familie, insbesondere die Kleinsten, viele Dinge parat hält.

Dass das Abschlussfeuerwerk eigentlich für eine Veranstaltung auf der benachbarten Kartbahn gedacht war, konnte den tollen Eindrücken am Ende kein Bein brechen. Es war ein verdienter Abschluss für ein außergewöhnliches, mit Highlights gespickten, Bustreffen.

Wir freuen uns auf das Wochenende vom 19.08 – 21.08.2016, wenn im Alten Lager wieder der Bulli regiert!

von Patrick Kühl