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Das alte Mädchen "Otje" der Familie Blansjaar

Seit 2011 besitzt die Familie Blansjaar aus den Niederlanden ihren T2b-Camper namens "Otje". Die Familie war zu viert mit Otje in vielen Ländern Europas unterwegs. Und mittlerweile hat Otje einen großen Bruder namens Ferdinand.

Familie Blansjaar mit ihrem Bulli.

 ©Louis Blansjaar

Hallo Bulli-Freunde!

mein Name ist Louis Blansjaar (44) aus den Niederlanden. Gemeinsam mit meiner Frau Wendy (40) und unseren beiden Töchtern Joëlle (13) und Elianne (10) besitze ich einen VW T2b Westfalia aus dem Jahr 1979. Unser T2 wurde ursprünglich als Neunsitzer ausgeliefert, nach Westfalen. Irgendwann in seinem Bulli-Leben wurde der Bus in einen Westfalia Camper mit dem großen Dach ausgebaut, 2007 kam der Bulli in die Niederlande.

Im Jahr 2011 suchten wir nach einen T2-Camper, nachdem mein Vater gestorben war. Diese Dinge führen manchmal dazu, dass einem klar wird, dass das Leben zu kurz ist, um nur zu träumen, und dass man, wenn man es kann, nicht warten sollte, sondern seine Träume wahr werden lassen sollte.

Wir hatten schon länger alte Autos gehabt, zum Beispiel haben wir auch noch einen Honda Civic, Baujahr 1979. Nun wollten wir einen Oldtimer, an dem die ganze Familie Freude haben würde, und an dem es etwas zu Restaurieren gab. Es sollte ein T2-Camper sein, in dem wir alle vier schlafen konnten. Denn wir wollten mit dem neuen Familienmitglied herumreisen.

T2b Otje.

 ©Louis Blansjaar

Wir sahen uns eine ganze Menge Bullis an, bis wir schließlich unseren T2 fanden. Er entsprach voll unseren Erwartungen und Ansprüchen, er war so weit in Schuss, dass man mit ihm sofort auf Reisen gehen konnte, wenn er auch einiges an Liebe und Pflege brauchen würde.

Der Verkäufer, ein Musiker, hatte eine Menge Interessenten für seinen Bulli, aber alle beschwerten sich, dass der Bus nicht in perfektem Zustand war, obwohl der Preis sehr angemessen war. Der Verkäufer wollte etwas weniger als 10.000 Euro, auf dem Tacho standen damals 285.000 Kilometer, jetzt steht er bei 310.000 Kilometern. Wir wissen aber nicht, ob das alles stimmt, denn der Motor ist nicht mehr der originale 1600er, sondern der mit zwei Litern Hubraum.

T2 auf dem CD-Cover.

 ©Louis Blansjaar

Als ich mir den Bus anschaute, sah ich einen Bullli, der fahrbereit und in einem ordentlichen Zustand war, der aber auch seine negativen Seiten hatte. Der Verkäufer und ich verstanden uns gut und am Ende wollte er, dass ich den Bus kaufte. Er gab mir dann sogar noch eine CD seiner Band mit dem T2b auf dem Cover..

Das erste, was nun zu tun war: Dem Bulli einen passenden Namen zu geben. Wir entschieden uns für "Otje". Dabei handelt es sich um einen altmodischen niederländischen Mädchen-Vornamen. "Otje" ist auch der Name einer bekannten Geschichte eines Kindebruchautors. In der Geschichte geht es um ein kleines Mädchen namens Otje und ihren Vater, die in einem alten Van leben und herumreisen. Der Vater, ein Koch, hat Schwierigkeiten, seinen Job zu behalten und wird jedes Mal gefeuert. Also: Otje soll der Name unseres Bullis sein!

 ©Louis Blansjaar

In den Jahren 2011 bis 2017 machten wir verschiedene Reisen mit Otje.

Die erste Reise machten wir in den Niederlanden, in den darauffolgenden Sommerferien fuhren wir nach Dänemark, Deutschland, die Tschechische Republik, Österreich und Großbritannien.

Als wir durch Deutschland und Richtung Tschechien fuhren, war unser erster Stopp die Autostadt in Wolfsburg.

Als wir nach einem Parkplatz suchten, winkte uns der Mann am Parkplatz zu sich und öffnete das Tor für uns, sodass wir umsonst direkt an der Tür zur Autostadt parken konnten!

 ©Louis Blansjaar

Wenn wir unterwegs sind, haben wir eine klare Aufgabenteilung: Wendy kümmert sich, wenn wir wo ankommen, darum, den Bulli und Tisch und Stühle aufzubauen etc., sodass ich gleich damit anfangen kann, mich mit Leuten zu unterhalten :-) . Es ist einfach unglaublich: Wo auch immer man hinkommt, egal in welchem Land, sofort kommen Leute, um zu grüßen und zu reden, oft schon, bevor man überhaupt richtig am Campingplatz geparkt hat. Jeder will wissen, wie es so ist, mit einem alten Bulli zu reisen.

Ich erinnere mich an eine Begebenheit in Dänemark. Dort sagt eine Frau, sie woll unbedingt einen Bulli wie unseren - bis sie einen Blick ins Innere warf. Sie war einen sechs Meter langen Wohnwagen gewohnt und sie fragte mich, ob das wirklich der ganze Platz sei, den wir haben. Ich antwortete ihr, dass wir oben noch Schlafgelegenheiten hatten, aber ich denke, sie merkte dann, dass Reisen im T2 jede Menge Spaß bringt, dass man aber, gerade was Platz anbelangt, auch ein paar Opfer erbringen muss.

Im Innenraum.

 ©Louis Blansjaar

Außer für unsere Sommerurlaube nutzen wir Otje auch für Wochenend-Campingtrips, Partys für die Kleinen und schäne Ausfahrten mit anderen Klassikern.

In all den Jahren, die wir Otje nun haben, hat sie uns kein einziges Mal im Stich gelassen. 2500 bis 3000 Kilometer pro Reise waren normal und sie schaffte das ohne Probleme.

Wir machten die notwendigen Wartungsarbeiten, haben ein paar Änderungen und Verbesserungen vorgenommen, und hatten nie Probleme. Bis auf ein Mal...

 ©Louis Blansjaar

Im Urlaub 2017 fuhren wir nach Großbritannien. Und als wir dort an der Südküste unterwegs waren, hörten wir ein merkwürdiges kreischendes Geräusch aus dem Motorraum. Als das Geräusch immer schlimmer urde, entschieden wir uns, eine Werkstatt aufzusuchen. Es schien so, als seien die Lager der Lichtmachine kaputt. Tatsächlich musste die Lichtmaschine getauscht werden. Zum Glück ist Großbritannien ein Mekka für alte Bullis. Dort gibt es jede Menge Bulli-Fans und wohl daher auch jede menge Teilehändler, die Bulli-Ersatzteile vertreiben. Es war also nicht schwer, eine Lichtmaschine zu dieser Werkstatt zu bekommen, und ein paar Tage später war das neue Teil eingebaut und es konnte weiter gehen.

Als unsere Töchter heranwuchsen und gleichzeitig der Wunsch aufkam, weiter entfernte Ziele zu bereisen wie Lappland, die Lofoten, Irland und Schottland, merkten wir, dass Otje für diese Vorhaben nicht die richtige Begleiterin war. Schließlich ging das alte Mädchen selbst auch schon auuf die 40 zu und sie benötigte einiges an Arbeit an der Karosserie. Andererseits wollten wir auchweiterhin in einem handlichen Van reisen, und so suchten wir nach einem neueren VW Camper.

Ferdinand, Louis und Otje.

 ©Louis Blansjaar

Ende 2017 kauften wir "Ferdinand", einen T5 California, Baujahr 2005. Wir tauften ihn auf den Namen Ferdinand, weil das ein wenig "posh" klingt, und im Vergleich zu einem T2 Campert ist ein T5 sicherlich die "posh"-Variante.

Seitdem fuhren wir mit Ferdinand auf eine fünfwöchige Reise auf die Lofoten und durch Skandinavien, 2019 machten wir eine Reise durch England, Wales, Nordirland udn Schottland. Otje muss aber nicht traurig sein. Wir nutzen sie immer noch für Wochenendtrips und andere Ausflüge, sie genießt also eine art aktiven Vorruhestand. Der Plan ist, sie in den kommenden Jahrten schön zu restaurieren, damit sie wieder aussieht wie neu.

 ©Louis Blansjaar

Wir sind uns sicher, dass wir sie noch sehr lange behalten werden. Unsere Töchter können auch kaum warten, selbst mit ihr auf Campingtrips zu gehen. Bis dahin hoffen wir, dass sie uns auf unseren Reisen begleiten. Der Urlaub 2021 ist schon geplant: Wir wollen mit Ferdinand nach Island!

Viele Grüße!

Louis und Familie

von Gerhard Mauerer