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Michaels T3 begleitet ihn schon den größten Teil seines Lebens

Die nun 33 Jahre währende T3-Geschichte von Michael Thoss begann im Jahr 1988 mit dem Verkauf seines geliebten T2. Er bestellte einen nagelneuen T3, den er dann aus- und umbaute. Was Michael und sein Bulli seither erlebten, erzählt er hier.

Der T2 im Jahr 1988.

 ©Michael Thoss

Hallo Bullifreunde!

Diese T3-Geschichte begann "eigentlich" mit einem T2 und – aus heutiger Sicht – meinem vermutlich größten Fehler.

Um mir nämlich meinen nagelneuen T3 zu kaufen, und zum Wohnmobil ausbauen zu lassen, brauchte ich alles Geld – vom Bankkredit über das Ersparte bis zum Flüssigzumachenden – was ich zusammenkratzen konnte.

Aber so ist das nun einmal mit Träumen: Um sie sich zu erfüllen müssen manchmal Opfer gebracht werden. Was einfach ist, wenn man es erstmal nicht für ein Opfer hält. So beginnt meine T3-Geschichte also mit dem Verkauf eines, aus heutiger Sicht, absolut super T2-Wohnmobil mit einer seltenen und eher ausgefallenen Westfalia-Innenausstattung mit zwei Dachschlafplätzen, einer Sitzecke im Heck, einem Waschschrank hinter dem Fahrersitz und einem Küchenblock an der Tür. Ein Auto, das mich durch die Beneluxstaaten, Frankreich, das ehemalige Jugoslawien und andere Länder gebracht hatte.

Der einzige Trost für mich besteht heute darin, dass das Fahrzeug nach einem Umweg in gute Hände in Bad Segeberg gelangte. Vielleicht lebt er sogar noch. Zu wünschen wäre es.

Der "Rohling" aus Wolfsburg.

 ©Michael Thoss

1988 bestellte ich meinen nagelneuen T3 bei Volkswagen als nackten Transporter "ohne alles" im Innenbereich (ohne Trennwand, ohne Dämmung), aber technisch für die Zeit fast vollständig ausgestattet sowie mit einigen "Spezialeffekten", die dem seinerzeitigen VW-Konfigurator alles abverlangten, zum Beispiel die Beplankung der GL-Serie, die man mit den 0815-Kastenwagen "eigentlich" nicht kombinieren konnte. Dazu kamen GL-Sitze für das Fahrerhaus, die eckigen Scheinwerfer aus dem Schlechtwetterpaket mit den hässlichen (subjektiv) Stoßstangen-Nebelscheinwerfern, elektrisch beheizbare und verstellbare Außenspiegel, eine 205er-Bereifung, der 70 PS Turbodiesel, ABS und Servolenkung. Alles gegen Aufpreis. Seinerzeit selbst der Diesel-Motor und die Digitaluhr im Cockpit.

Im Februar 1989 erfolgte die Auslieferung ab Werk in Wolfsburg und so fuhr ich mit einem Freund, der in Berlin eine kleine Firma zum Wohnmobilbau betreibt (auch heute noch erfolgreich für Spezialausbauten), von Berlin nach Wolfsburg, um zwei Fahrzeuge (meinen und ein anderes Kundenfahrzeug) abzuholen und die ersten Kilometer mit dem ersten Neuwagen meines Lebens persönlich nach Berlin zu fahren. Damals noch durch die DDR im Transit. In Berlin bestand meine nächste Tat darin, das Auto drei Monate für den Ausbau in der Firma meines Freundes abzustellen.

Nach dem Umbau zum Wohnmobil.

 ©Michael Thoss

Im Mai 1989 erfolgte die Zulassung als Sonderkraftfahrzeug Wohnmobil (WoMo) nach drei Monaten Umbau beziehungsweise Ausbau nach meinen persönlichen Vorstellungen und Wünschen.

In dieser Zeit erhielt der Bulli ein tiefergelegtes Projekt2-Fahrwerk und Projekt2-Frontnebelscheinwerfer, einen kompletten Campinginnenausbau von Carthago (Schränke, Küche, Spüle, Not-WC usw.), ein Zwitterdach von SCA, einen Heckträger (Paulchen) für Fahrräder oder Staukiste und weitere Kleinigkeiten zum Beispiel zwei Unterflurtanks für Frisch- und Abwasser.

Heckdusche für Strand und heiße Tage.

 ©Michael Thoss

Etwas, was man seit dem T4 ja leider nicht mehr so platzsparend gelöst bekommt. Inklusive zweier innen verbauter Wasserkanister kann ich damit über 80 Liter Frischwasser bunkern und habe 45 Liter Abwasservolumen in einem geschlossenen System.

Damit lässt sich zum Beispiel die "Open-Air-Dusche" im Heck bei offener Heckklappe häufig nutzen. Was unter anderem bei Strandaufenthalten einen gewissen Charme hat, aber auch wenn es einfach nur heiß ist.

Für diejenigen denen Zwitterdächer nicht mehr geläufig sind: Man kann bei geschlossenem Dach im Fahrzeug aufrecht stehen (wenn man nicht deutlich über 1,85 m ist) und das Dach lässt sich zudem aufstellen wie ein normales Hubdach. Damit kann man den Bulli in der Übergangszeit und selbst im Winter bei geschlossenem Dach gut heizen und bei hohen Temperaturen sehr gut durchlüften. Zudem bietet das Dach wahlweise zwei zusätzliche Schlafplätze oder jede Menge Stauraum während der Fahrt, da sich auch über dem Fahrerhaus ein großer Staukasten befindet.

Nachrüstung mit dem Frontrammschutz.

 ©Michael Thoss

Die ersten Reisen nach Frankreich und Schweden dienten der Erprobung der "Konfiguration" und führten zu kleineren Nachrüstungen, zum Beispiel eine große Dachluke im Aufstell-Zwitterdach, die für eine bessere Entlüftung und Kühlung des Innenraums im Fahrbetrieb sorgt.

1992 erhielt das Fahrzeug zusätzlich einen massiven Frontrammschutz aus 60 Kilo Edelstahl (heute Bestandsschutz und neu "unzulassbar"). Der Frontrammschutz war primär optische Spielerei, diente aber auch zur Abschreckung auf schmalen Straßen (wirkt auf Limousinen-Fahrer), als Fahrradständer und als Pferde-Anbinder. Mit dem Nachteil, dass die Pferde gelegentlich an den Scheibenwischern zupften.

In Norwegen.

 ©Michael Thoss

Von 1989 bis 2012 war der T3 unser Urlaubsfahrzeug.

Er wurde von mir aber auch im Alltag regelmäßig gefahren sowie im Rahmen der Familienhobbys.

Der Bulli trug uns außerdem durch fast ganz Westeuropa.

Wenn wir auch einige Strecken ausließen, weil uns der Zeitaufwand zum Beispiel nach Portugal oder Griechenland nur bedingt reizvoll erschien.

Denn nur fahren wollten wir in keinem Urlaub.

In Cornwall.

 ©Michael Thoss

T3 hin oder her.

Eher war der Weg das Ziel.

Und am Ziel sollte Zeit zum Verweilen sein.

Norwegen und Skandinavien, Irland, Schottland, Wales, Frankreich, Italien und andere Ziele in gemütlichem Tempo erreichen...

...Und dort entspannt umherreisen. Das war meistens unser Urlaubsfokus.

Ausgefallene Gäste.

 ©Michael Thoss

Dabei legen wir alle unseren Routen so an, dass uns die erste Etappe hinter die deutsche Grenze bringt.

Ab dort heißt es dann "frei Schnauze" Sightseeing und Fortbewegung in Richtung auf ein Ziel ohne zeitliche Fixierung.

Unterwegs gucken wir uns alles an, worüber wir stolpern.

Zwischendurch bleiben wir auch schon mal mehrere Tage an einem Ort (vorzugsweise, wenn ein schöner Strand fußläufig zu erreichen ist).

Stellplatz nach unserer kürzesten Etappe in Norwegen.

 ©Michael Thoss

Der Kilometerfortschritt pro Tag bestimmt sich so durch die Ablenkungen an der Strecke, die Reisegeschwindigkeit und unsere Lust am Fahren.

Unsere kürzeste Tagesetappe entstand in Norwegen, dort schafften wir gerade einmal knappe 25 Kilometer nach Abfahrt auf einem Campingplatz.

Denn ein Stückchen weiter fand sich ein wunderschöner Stellplatz auf einem Plateau direkt am Fjord, so dass wir die Seitentür zum Fjord ausrichten konnten.

Ein Ort mit Panorama, den man zum Chillen einfach "mitnehmen" musste.

Bulli-Brüder.

 ©Michael Thoss

Aber genau das macht das Reisen mit dem kompakten WoMo so schön: Ist der Ziel-Ort nicht wie man ihn sich vorgestellt hat, sucht man sich eben einen anderen Standplatz.

Stolpert man über einen schönen Ort, verweilt man dort. Außerdem finden sich bei solchen Gelegenheiten manchmal ausgesprochen ausgefallene Gäste zum Essen ein (siehe oben).

2012 kam ein hoch motorisiertes T5-WoMo (gebraucht) zum Fuhrpark dazu.

Das nervt.

 ©Michael Thoss

Der T3 wurde zum reinen "Cruising-Camper" für die Spaß- und Langstreckenurlaube und durfte ansonsten trocken untergestellt pausieren.

Das hatte auch den Grund, dass in Berlin und bundesweit zunehmend Teile- und Komplett-Diebstähle vorkamen.

Von den Außenspiegeln, über die Frontscheinwerfer der GL-Serie bis zum Kühlergrill wurden mir bereits Teile meines T3 auf der Straße demontiert.

Mittlerweile bevorrate ich trotzdem einige Teile für den Fall der Fälle.

Hobby-Fahrzeug.

 ©Michael Thoss

Der T5 wurde zu meinem Alltags-Fahrzeug.

Er dient außerdem als Kurzzeit-Camper, war er doch in erster Linie als komfortables Zugfahrzeug für den Pferdesport meiner Frau und zur "Entlastung" des T3 von Alltagsfahrten oder eben hohen Zug- und Bremslasten gedacht.

Außerdem ist er ein komfortabler "Sprinter" für längere Strecken in kurzer Zeit.

Über Stock und Stein.

 ©Michael Thoss

Ohne WoMo kann ich allerdings generell nicht mehr.

Nach wie vor ist der T3 unser bevorzugtes Reisefahrzeug.

Er entschleunigt, bietet deutlich mehr Platz im Innenraum wegen des Zwitterdaches (vs. Ultraflachdach auf dem T5) und des längeren Innenraums.

Aber das mit dem Innenraum wissen die gestandenen Bulli-Fahrer ohnehin.

Mit "Sleepy Eyes" am Strand.

 ©Michael Thoss

Eigentlich sollte der T3 bereits 2014 zum echten Oldtimer werden.

Allerdings änderte der Gesetzgeber leider zuvor die entsprechenden Alters-Fristen für die Zulassung von 25 auf 30 Jahre. Was wohl einem Zugeständnis an die Oldtimer-Lobby entsprach, da man dort die Youngtimer ausgrenzen wollte, um den elitären Charakter der historischen Fahrzeuge zu stärken.

So verschob ich meine Pläne um fünf Jahre und 2019 wurde endlich mein Bulli dann zum historischen Fahrzeug. Zum "echten" historischen Fahrzeug, was den Grundgedanken des Erhalts und der Nutzung angeht. Nicht nur zum Fahren in der Umweltzone.

Strandabend.

 ©Michael Thoss

Seit 2019 ist der Bulli nun mit einem Saisonkennzeichen und einer adäquaten Oldtimer-Versicherung versehen und steht außerhalb der Nutzung in einer bewachten Unterbringung. Nebenher wird er etappenweise restauriert, denn 32 Jahre haben natürlich Spuren hinterlassen. Jedoch niemals einen ernsthaften Unfallschaden.

Damit ist die Geschichte meines T3 – der nie einen Namen erhielt und immer "Der Bulli" blieb, weil mir nichts passend erschien - erzählt, quasi von der Wiege bis zur Bahre (auch wenn letzteres hoffentlich noch möglichst lange zu verhindern ist).

Ich hoffe es hat Spaß gemacht sie zu lesen.

Michael Thoss

Michael Thoss