Zur Liste

1968 im T1 zum Nordkap

Vier Freunde aus dem Raum Remscheid kauften sich im Jahr 1968 für 300 Mark einen T1 und fuhren gemeinsam mit ihrem Bulli zum Nordkap. Hier gibt es die lesenswerte Geschichte dazu.

Die Reisenden im Jahr 1968 vor ihrem Bulli - "Peace"... ©Goudefroy

Ihr erstes Auto, einen VW-Bus T1 für 300 Mark, hatten sich die vier Freunde gemeinsam gekauft: „Leo Schönhals aus Vieringhausen, Ludwig Mantelars, der in Bliedinghausen wohnte, Heinz Werner, dessen Vater eine Schreinerei an der Parkstraße hatte, und ich“, erzählt Arnold Goudefroy, der die gleich darauffolgende Reise zum Nordkap noch in bester Erinnerung hat. Nicht zuletzt, weil die vier auch heute noch, knapp 50 Jahre nach ihrer gemeinsamen Tour, Freunde sind und sich in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen treffen.

Am 2. Juli 1968 ging die Reise mit dem Ziel Nordkap los. Und weil Goudefroy ein Jahr zuvor schon mit einer Jugendgruppe des Kirchenkreises in Schweden gewesen und dort einen Freund gefunden hatte, wollte Lennart Svensson in seinem Heimatort als Fünfter zusteigen. Auch 1968 fuhr wieder eine Jugendgruppe nach Schweden auf die Insel Öland. „Wir wussten ja, dass der schwedische Zoll sehr streng war. Deshalb haben wir unsere Konserven und vor allem die beiden Flaschen Schnaps vorsichtshalber in den großen Reisebus gepackt, um sie in Öland wieder abzuholen. Und tatsächlich haben die Zöllner in Helsingborg unseren Bulli so richtig auseinandergenommen. Aber sie fanden natürlich nichts“, erinnert sich Goudefroy, den seine Freunde Anno nennen, lachend.

Als sie schließlich auf Öland zusteuerten, habe die Kupplung Probleme gemacht. Zufällig gehörte auch der Automechaniker-Lehrling Uwe Schlessmann vom Rath zu der Jugendgruppe des Kirchenkreises. „Er wuchtete mit Hilfe von Baumstämmen den Motor hoch und baute die neue Kupplungsscheibe ein, so dass wir weiterfahren konnten nach Atvidaberg, wo mein schwedischer Freund zustieg.“ Es dauerte nicht lange, da rissen die Heizungszüge, es wurde kalt im Bulli. „Leo hat die Heizungsklappen dann so verkeilt, dass sie gar nicht mehr aufhörten zu heizen. Aber das war in diesem kühlen Sommer nicht von Nachteil.“ In den fast taghellen Nächten seien sie ohnehin meist nachts unterwegs gewesen. Und haben sich die Route oft spontan überlegt.

Später seien dann noch zwei Hagener Studenten zugestiegen, die sich „Blubb“ und „Bär“ nannten und schon seit einigen Tagen auf eine Mitfahrgelegenheit gewartet hatten. Aus dem Gepäckraum wurden kurzerhand zwei Klappstühle zwischen dem übrigen Gepäck für die beiden aufgestellt – Anschnallgurte und Kopfstützen gab es damals noch nicht. „Mit Blubb und Bär hatten wir vereinbart, dass sie sich an den Benzinkosten beteiligen mussten. Das bedeutete bei einem Benzinpreis von 49 Pfennigen pro Liter eine Beteiligung von einer Mark pro 100 Kilometern.“

Es war eine Zeit, in der man überall kampieren konnte. An einem See in Finnland hielten sie an und bauten ihr Zelt auf, um dann ins Stadtzentrum zu fahren. „Im Volkspark wurde getanzt. Auf der einen Seite standen die Mädchen, auf der anderen die Jungen. Sobald die Musik anging, stürzten die Jungs zur gegenüberliegenden Seite und forderten die Mädchen zum Tanz auf. Wir hatten das Prinzip schnell begriffen. Und beeilten uns.“

Bei der Weiterfahrt zerschlug ein Stein die linke Frontscheibe. Da das Geld knapp war, fuhr die Truppe ohne Scheibe mehr als 100 Kilometer weiter bis nach Schweden, wo der schwedische Freund Geld für das neue Glas von seinem Konto abhob und vorstreckte.

Nach der Reise, zwei Monate später, verkauften die vier ihr Gefährt für 400 Mark. Aber für Arnold Goudefroy blieb es das Traumauto. Seit 1990 fährt er einen T 3.

VW-Bulli.de bedankt sich beim Remscheider General-Anzeiger, wo der Artikel zuerst erschienen ist, freundlich für das Nutzungsrecht an Bild und Text.

Sabine Naber