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30 wunderbare Bulli-Jahre

Vor 30 Jahren kaufte Gottfried Huemer für kleines Geld einen Westfalia-T1, Baujahr 1964. Urlaubsfahrten, Kinder und Enkel als Dachpassagiere, ein aus der Doppeltür fliegender feiernder Freund - unzählige Erinnerungen verknüpft der Österreicher mit dem Bulli. Hier erzählt er uns die Geschichte.

Liebe Bulli-Freunde,

ich schreibe, da unser Familienliebling nun bald 50 Jahre alt wird und uns schon seit 30 Jahren liebevoll begleitet. Als ich den Bus vor 30 Jahren entdeckt habe, war ich gerade junger Autoverkäufer (ich bin 1960 geboren) bei VW in Gmunden im Salzkammergut.

Der Bus stand bereits seit einigen Jahre einsam in einer Garageneinfahrt und beim regelmäßigen Vorbeifahren merkte ich, dass ich zunehmend neugierig wurde.

Bereits seit meinem 19. Lebensjahr bin ich mit meiner damals noch jungen Geliebten Gertrude mit alten Bussen auf Campingtour gewesen. Dies deshalb, weil wir uns einfach keinen anderen Urlaub leisten konnten, aber auch zunehmend die Freude an der Freiheit des Campens zu genießen lernten.

Alle diese Busse waren aber nur notdürftig eingerichtet und geschlafen haben wir eigentlich meistens in einem Zelt.

Da ich neugierig geworden war und auch sah, dass dieser Bus fürs Campen eingerichtet war, beschloss ich den Besitzer zu fragen. Der alte Herr war sehr freundlich und sichtlich erleichtert, dass die "alte Rostlaube" tatsächlich noch jemand kaufen wollte. Auf seine Frage, was er mir wert sei, bot ich ihm dann damals fünfhundert Schilling (heute rund 350 Euro). Er war ganz erfreut und der Handel war perfekt.

Was ich damals für einen "Schatz" gekauft habe, weiß ich erst seit einigen Jahren. Als ich in der Zeitung vor fünf Jahren gelesen habe, dass ein ähnlicher original Westfalia T1 in Amerika bei Ebay für 99.000 Dollar versteigert worden ist, da bekam ich schon große Augen.

Natürlich ist meiner nur einen Bruchteil wert, da er in den letzten 30 Jahren seine Schrammen abekommen hat. Der Wagen war ja auch schon "Spiel- und Abenteuerwiese" für meine jetzt erwachsenen Kinder mit ihren Freunden und wird von meinen mittlerweile vier Enkeln genauso mit Begeisterung in Beschlag genommen. Dass da mal ein Schalter bricht und ein Kratzer passiert, versteht sich ja von selbst.

Ich hatte damals nach dem Kauf vor 30 Jahren das Glück, den Wagen in der VW-Werkstatt, in der ich Verkäufer war, in meiner Freizeit mit einem Arbeitskollegen renovieren zu können. Wie es damals modern war, haben wir natürlich nicht die "langweilige" weiß-rot Farbe gewählt, sondern ein "edles" Rot-Silbermetallic.

Heute tut mir das zwar leid, aber fast jeder hat zu der damaligen Zeit bei Restaurationen eine edle Metalliclackierung gewählt. Heute weiß ich, dass ich in acht Jahren, nach meiner Pensionierung, den Originalzustand wieder herstellen werde und die Vorfreude darauf ist jetzt schon groß.

Gut erinnern kann ich mich noch an die erste Ausfahrt mit unseren Kleinkindern Astrid (3 Jahre) und Beatrice (1 Jahr) im Jahr 1985 nach der Wiederanmeldung. Wir fuhren zu einem herrlichen Bergsee und campten dort zwei Tage direkt neben dem Wasser. Bei Lagerfeuer und selbst gefangenen Fischen genossen wir die Abgeschiedenheit und Ruhe.

Es war auch ganz erstaunlich, wie gut wir alle Platz hatten, obwohl der Bulli kein Aufstelldach mit einem eigenen Schlafplatz hat. Da man aber die vordere Sitzbank umdrehen kann, gewinnt man doch viel Platz und die Kleinen hatten bequem hinten zwischen den beiden Aufbewahrungskästen oberhalb des Motors Platz.

Ein Junggeselle fliegt aus der Tür

Auch zum "Poltern" wurde der Bus gern verwendet. Poltern nennt man in Österreich die Nacht, in der ein Junggeselle die letzte Feier mit seinen Freunden verbringt, und da wird auch jede Menge Alkohol konsumiert.

Da war es natürlich praktisch, wenn der "Gefeierte" dann in Ruhe vor dem Gasthaus seinen "Rausch" im Bulli ausschlafen konnte.

Gott Sei Dank hatten wir da auch einmal riesiges Glück und 1000 Schutzengel: Als ich bei so einer Feier mit dem Ehejubilar im hinteren Bereich des Busses von einem Gasthaus ins nächste fuhr, hatte ich vergessen, die Doppeltür zu verriegeln. In der ersten Kurve kugelte der Freund aus dem Bett und fiel gegen die Tür. Diese gab natürlich nach und er fiel auf die Straße. Mir fiel das Herz in die Hose, aber scheinbar haben "Rauschige" wirklich Glück - es war ihm absolut nichts passiert.

Nach dieser Schrecksekunde konnten wir weiterfeiern, aber mir war die Feierlaune gründlich vergangen und heute noch kontrolliere ich vor jeder Fahrt mit den Enkelkindern zweimal, ob die Tür auch gut verriegelt ist.

Besonders in Erinnerung ist mir die Heimfahrt vor 25 Jahren vom damaligen Jugoslawien, da schon in Zadar das Getriebe krachte und grummelte, als wenn es jeden Moment platzen würde. Mit vielen "Vater unser" unserer Frauen haben wir es aber mit dem 2. und 4. Gang nach Hause geschafft. Natürlich mussten wir ihn dann "operieren", doch seitdem hatte ich keine einzige Panne mehr.

Freudig erinnern sich mein Bruder und meine Schwägerin noch an ihre Hochzeitsreise nach Kroatien. Mitte unter blühenden Blumen genossen die beiden ihre ersten "offiziellen" Liebesnächte unter freiem Himmel in herrlicher Natur.

Meine Tochter Beatrice ist von dem Liebling so begeistert, dass sie ihn sogar als "Hochzeitskutsche" verwendet hat. Natürlich war ich auch schon bei vielen Bullitreffen und anderen Oldtimerausfahrten dabei.

Ein T2 als Zweit-Bulli

Nebenbei hatten und haben wir noch einen zweiten Bulli, einen T2. Der silberne Bus mit dem seitlichem Ausstelldach war neben unserem alten Bulli einige Jahre unsere "Luxusvariante", als die  Kinder schon größer waren.

Er hat uns bis nach Griechenland, Bulgarien und Rumänien begleitet. Dann haben wir ihn verkauft und nach 15 Jahren ist er im letzten Jahr wieder zu mir zurückgekommen, indem ich ihn der Dame wieder abkaufte, die ihn damals von mir erworben hatte. Er stand übrigens jetzt zehn Jahre in der Scheune dieser alten Frau.

Heute fahre ich nur noch ganz kurze Strecken mit dem T1, aber den Enkelkindern ist es sowieso egal, ob wir 2 Kilometer von Zuhause weg sind oder 500 - Hauptsache sie dürfen beim Fahren alle vier vorne neben dem Opa sitzen.

Erst gestern sagte der kleine Valentino mit seinen zwei Jahren zu mir: "Opa Bus fahren und Dach sitzen".

Am meisten Spaß haben sie nämlich, wenn sie auf Feldwegen beim Fahren auf dem Dach sitzen dürfen, die Dachluke ist dafür ja sehr geeignet. Natürlich ist dann meine Frau als "Sicherheitsvertrauensperson" zum Festhalten mit dabei.

Auch lustige Ausfahrten mit den Enkelkindern - wo natürlich alle vorne sitzen - sind sehr gefragt. Es haben ja auf der vorderen Bank auch ganz leicht alle vier Platz und manche Polizisten haben schon schmunzelnd alle Augen zugedrückt, wenn wir auf ruhigen Nebenstraßen langsame Spazierfahrten machten und sie uns sahen.

Angebote von mittlerweile bis zu 30.000 Euro werden natürlich von uns allen entrüstet zurückgewiesen. Man verkauft doch kein Familienmitglied!!!!!!! Unser Schatz bleibt auf jeden Fall in der Familie. Meine Tochter Beatrice hat sich schon angeboten, ihn zu hüten und schützen und mein Enkel Fabrizzio (4 Jahre) hat seinen Anspruch auch schon geltend gemacht.

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Gottfried Huemer/ Gerhard Mauerer