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52 Nächte und 7666 Kilometer - Im T3 "KuriBulli" durch Skandinavien III

Im Sommer 2019 reisten Beate und Horst Kuretitsch in ihrem T3 durch Nord-Skandinavien. Sie sahen Pottwale und Elche und kamen bis zum Nordkap. Hier berichten sie von ihrer Skandinavien-Tour.

 ©Horst Kuretitsch

Wer die Teile eins und zwei noch nicht kennt, kann sie über diese Links nachlesen.

Hallo Bullifreunde!

Finnland #Vlog11:

In Karigasniemi, an der finnisch-norwegischen Grenze, haben wir auf einem urigen Campingplatz übernachtet.

Der Einkauf am nächsten Morgen in einem kleinen Tankstellensupermarkt erwies sich als skurriles Erlebnis. Die urigen Typen, Autos, präparierte Tiere und mit Rentierfleisch gefüllte Kühltheken stimmten uns auf Finnland ein.

Da sich das Wetter wieder verschlechterte, fuhren wir weiter Richtung Inari, durch weite Wälder und Seen. In Inari besuchten wir das Samizentrum mit Parlament, anschließend eine "Bärenhöhle" und übernachteten dort auf einem ruhigen Stellplatz direkt am See.

 ©Horst Kuretitsch

Weiter ging es Richtung Süden und wir machten rund 20 Kilometer vor Rovaniemi Station. Am Fluss Perunkajoki lud uns die Sonne auf einen Spaziergang ein, und wir wanderten über eine hölzerne Fußgängerbrücke in ein Naturschutzgebiet.

Als nächstes besuchten wir das Weihnachtsdorf in Rovaniemi, überquerten dort den Polarkreis und übernachteten auf einem Stellplatz in Keminmaa am Bottnischen Meerbusen.

Am nächsten Morgen passierten wir Oulu, verließen anschließend die E75 in Richtung Kajaani, um am Oulujärvi-See auf der Insel Manamansalo auf einem Campingplatz im Rokua Geopark Station zu machen. Zudem ist die Fahrt auf den kleineren Bundesstraßen deutlich entspannter und interessanter als auf den teilweise autobahnähnlichen Europastraßen.

Die wunderbare Natur mit den fast surrealen Kiefernwäldern, der Genuss einer finnischen Sauna, der anschließende Sprung in den kühlen See und der Sonnenuntergang faszinierten uns trotz der kühlen Temperaturen. Während einer Fahrradtour sammelten wir Blaubeeren, wärmten uns an einem Lagerfeuer und genossen diesen ruhigen, wunderbaren Ort.

 ©Horst Kuretitsch

Nach ein paar Tagen verließen wir mit der Fähre die Insel und erreichten einen kleinen Campingplatz in Joroinen in der Nähe von Kuopio, auf dem nur finnisch gesprochen wurde.

Nachdem uns die Besitzerin mit Handschlag begrüßt hatte, schafften wir es mit Händen und Füßen eine Übernachtung (direkt am See) zu vereinbaren und wurden direkt zum Besuch der allabendlichen Sauna (mit anschließendem Sprung in den See) eingeladen.

Wir nahmen die Einladung dankend an. Dieser Saunaabend fand in angenehmer, jedoch unter lautstarker finnischer Konversation statt, was uns eine bleibende Erinnerung bescherte.

 ©Horst Kuretitsch

Weiter ging es nach Sondby, in der Nähe von Porvoo am Finnischen Meerbusen. Dort konnten wir die ersten Schäreninseln bewundern.

Am nächsten Tag besuchten wir Finnlands Hauptstadt Helsinki. Nach der Übernachtung auf einem Stellplatz am Zoo erkundeten wir die Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten per Fahrrad. Wir mussten uns erst an die Großstadt, nach den von Stille geprägten vergangenen Wochen, gewöhnen.

Tags drauf setzten wir unsere Reise in Richtung Turku fort, vorbei am Olympiastadion und einigen architektonischen Highlights in Espoo.

 ©Horst Kuretitsch

An der Hafenpromenade in Turku fanden wir einen Stellplatz. Abends fand dort ein VW Oldtimertreffen statt, in das sich "The Bulli" hätte nahtlos einfügen können. In der Tat blieben einige Passanten stehen, um unser Auto zu bewundern und wir konnten einige interessante Gespräche (fast alle auf deutsch) führen.

Die Fähre nach Mariehamn / Aland erwartete uns bereits am nächsten Morgen im Hafen und wir konnten als erste einchecken, sodass wir direkt an der Ausfahrrampe standen. Somit konnten wir nach der fünfstündigen Fährfahrt diese als erste verlassen und fuhren durch Mariehamn nach Kattnäss. Dort haben wir einen wunderbaren, einsamen, ruhigen und sonnenreichen Campingplatz gefunden, wo wir eine knappe Woche gefaulenzt haben.

 ©Horst Kuretitsch

Åland Stockholm Västervik Vissefjärda #Vlog12:

In der letzten Nacht in Kattnäss auf Åland überraschte uns ein heftiges Gewitter, das in der Einsamkeit am Wasser äußerst beeindruckend auf uns wirkte und uns mulmig stimmte. Donner und Blitz waren gleichzeitig und der Boden bebte.

Bevor wir zur Fähre nach Stockholm fuhren besuchten wir noch die ehemalige russische Post-/ Grenzstation in Eckerö, die jetzt Kunstausstellungen beherbergt. Åland war über 100 Jahre lang ein Knotenpunkt für den Posttransport zwischen Russland und Schweden/ Europa.

Ein kurzer Besuch in Käringssund war interessant (ehemaliger Drehort der TV-Serie "Ferien auf Saltkrokan"), wenn auch touristisch geprägt.

Begleitet von echten "OldOldtimern" fuhren wir in Mariehamn auf die Fähre und weiter durch die Schären nach Stockholm.

 ©Horst Kuretitsch

Auf dem ruhigen Campingplatz in Klubbensborg fanden wir eine Bleibe, sodass wir am nächsten Tag einen Stadtspaziergang durch Stockholm unternehmen konnten.

Die königlich geprägte Hauptstadt Schwedens strotzt vor majestätischen Bauten und die Altstadt Gamla Stan beeindruckt mit ihren gemütlichen Restaurants und Geschäften in ihren kleinen Gassen.

Ein Besuch des Vasamuseums, sowie ein Bummel durch die Geschäftsstraßen, mit Abendessen, ließen uns dann, nachdem wir mit der Metro wieder am Campingplatz angekommen waren, todmüde in den Bulli kriechen.

 ©Horst Kuretitsch

Auf der Suche nach Ruhe und Entspannung reichte uns ein Tag in der Großstadt, sodass wir beschlossen, weiter entlang der Westküste Schwedens zu reisen.

So landeten wir nach der Fahrt auf der E22 auf einem Stellplatz an einer alten Fabrik in der Nähe von Helgenäs, 15 Kilometer vor Gamleby. Nach der ruhigen Nacht entschlossen wir uns, wieder kleine Landstraßen zu fahren, damit die "Troika" wieder mehr Spaß hat, und kamen nach einer wunderschönen Landschaftsfahrt nach Västervik.

Die fast holländisch wirkende Stadt lud uns zu einem riesigen Eisbecher ein und wir genossen die Sonne auf der Hafenmole.

Da es noch früh am Tag war, setzten wir unsere Reise in Richtung Öland fort. Das Wetter auf Öland war jedoch stürmisch und kalt und somit beschlossen wir wieder auf das Festland zu fahren und fanden über "ParkforNight" einen kleinen Stellplatz direkt am See in dem gemütlichen und gepflegtem Dorf Vissefjärda.

 ©Horst Kuretitsch

Die Kirche mit dem separaten Glockenturm inmitten eines Parks, gemütliche Cafes und einer tollen Atmosphäre auf dem Stellplatz ließen uns vier Tage dort verweilen.

Wir lernten eine nette Familie aus Mülheim a.d. Ruhr kennen, die im nächsten Jahr nach Schweden auswandern will und durch ihre jahrelangen Schwedenerfahrungen uns viele Eigentümlichkeiten und Information mitteilen konnte.

Es stellte sich wieder einmal heraus, dass die Welt gar nicht so groß ist, denn Horst traf kurz nach der Ankunft, auf dem Stellplatz, einen Arbeitskollegen mit Familie, die ebenfalls eine Rundreise durch Schweden unternimmt.

 ©Horst Kuretitsch

Vissefjärda Tingsryd Ystad Trelleborg Rostock #VlogTheEnd:

Auf dem Weg nach Ystad haben wir noch einen Stopp in einem typisch schwedischen Loppis und auf dem Autofriedhof in Kyrkö Mosse in Ryd eingelegt. Echt skurril, diese Orte. Der Loppis, dessen Trödel nach Gebäuden sortiert war, platzte aus allen Nähten und wir konnten in dem gemütlichen Cafe einen selbstgebackenen Blaubeer/- Rhabarberkuchen genießen.

Die Besichtigung des Autofriedhofs Kyrkö Mosse bei Ryd, einem ehemaligen Schrottplatz dessen Besitzer bereits verstorben ist, war ein besonderes Erlebnis. Etwa 150 Autowracks in verschiedenen Stadien des Verfalls, teilweise mit Moos bewachsen, stehen auf und in dem sumpfigen Waldboden herum. Die Feuchtigkeit des Sumpfgebietes, das schwüle Wetter und die Verrottung der Autos erzeugten bei uns eine melancholische Stimmung. Wir hatten das Gefühl, dass sich die Natur die von Menschenhand erschaffenen Materialien zurückerobert und zersetzt. Die Verantwortlichen der schwedischen Behörden gehen davon aus, dass bis 2050 alles auf natürlichem Wege zerfallen sein wird.

Die Weiterfahrt über Nebenstraßen war wunderbar und entspannt. Kristianstad umfuhren wir auf Schnellstraßen, sodass wir am Abend bei strömendem Regen in Ystad ankamen. Direkt an der Ostsee stehend, auf einem Stellplatz in Ystad/ Svarte, ließen wir den Abend mit einem gemütlichen Essen ausklingen, um am nächsten Tag auf Kommissar Wallanders Spuren zu wandeln.

In Fridolfs Konditorei (Kurt Wallanders Lieblingscafe) wollten wir mit einem 100 Kronenschein bezahlen. Der Verkäufer teilte uns mit, dass dies ein alter nicht mehr gültiger Schein sei, und nahm diesen nicht an. Anschließend suchten wir die Touristeninformation in Ystad auf, um mehr über die Schauplätze der Wallander-Krimis zu erfahren. Wir nutzen die Gelegenheit, die nette Dame an der Rezeption über den 100 Kronenschein zu befragen und sie teilte uns mit, dass es sehr umständlich sei diesen Schein einzutauschen, ähnlich wie in Deutschland mit der D-Mark. Es tat ihr sehr leid das uns dies in Schweden passiert ist. Auf unser Interesse an der Henning-Mankell-Broschüre für 50 Kronen sagte: "Ich schenke ihnen diese, dann haben sie die Hälfte wieder raus." Wir waren zum wiederholten Male geflasht von der schwedischen Gastfreundschaft.

Bei der anschließenden Stadtbesichtigung, bei gutem Wetter, konnten wir einige Drehorte von den Wallander-Krimis besuchen und die Gemütlichkeit von Ystad auf uns wirken lassen.

Die letzte Nacht (50. Übernachtung im Bulli) in Skandinavien verbrachten wir dann in der Nähe von Trelleborg auf einem Stellplatz, wiederum direkt an der Ostsee, bevor wir dann am nächsten Morgen auf die Fähre nach Rostock fuhren.

 ©Horst Kuretitsch

Nach der Ankunft in Rostock war es schnell vorbei mit der skandinavischen Gelassenheit beim Autofahren… :-(

Ein Bummel durch die Rostocker Altstadt, ein gemütliches Essen in einem ruhigen Restaurant-Innenhof, stimmten uns wieder auf Deutschland ein.

Nach Stopps bei Freunden in Schlagbrügge/Ratzeburg und in Oelde kamen wir dann nach 52 Übernachtungen im Bulli wieder wohlbehalten zuhause an.

7666 Kilometer, acht Fährfahrten, zig Tunnel, jede Menge Rentiere, vier Elche und Pottwale, Füchse, Adler, tolle Kontakte und fantastische Eindrücke liegen jetzt hinter uns.

7 1/2 Wochen sind wie im Fluge vergangen, und es gibt noch so viel zu sehen.

Die Gelassenheit und Ruhe der vergangenen Wochen haben nachhaltige Wirkung auf uns.

Fazit: Dies war nicht unsere letzte Skandinavien-Tour!!!

von Gerhard Mauerer