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Im Bulli durch Australiens Westen und Zentrum

Australien fasziniert. Australien ist Freiheit. Australien ist Sehnsucht. Australien ist Reisen. Hier ist der Weg das Ziel. Und das Ziel ist da, wo man stehenbleibt. Eine Metropole – oder ein einsamer Flecken im Outback. Mit dem Bulli kein Problem. Jörg Reisinger nimmt uns mit auf die Reise.

Auf dem North West Coastal Highway No. 1. ©Jörg Reisinger

Ein Traum war es für uns, hier wochenlang ungebunden und ohne Termine herumzureisen.

Irgendwann haben wir ihn wahr gemacht. Die Reise durch „das andere, das schönere Australien“ war nicht unser erster Trip Down Under, aber unser erster hier im Bulli.

Zuhause verbringen wir die Urlaube schon viele Jahre mit einem T4 Campingbus, einem Carthago Malibu. Da war die Idee schon in unseren Köpfen, auch bei den Aussies mal mit einem Bulli zu reisen.

Die Reiseroute. ©Jörg Reisinger

Fahren Sie 481 km“, sagt die Dame im Navi. 481 km! Dann erst kommt der nächste nennenswerte Abzweig. Im Westen Australiens nicht ungewöhnlich. Für uns fast unvorstellbar, aber es ist real.

Und der Bulli trägt uns sicher durch das schier endlos erscheinende rote Land. Hier und da ein Hügel, ja ein kleiner Berg, Buschland, Gegenden mit unzähligen Termitenhügeln.

Zwei Monate haben wir dieses Mal zur Verfügung. Zum Kaufen eines Vans vor Ort oder gar zum Verschiffen des eigenen Bullis zu kurz. Die teils attraktiven Angebote zur Langzeitmiete der verschiedenen Reisemobilvermieter kommen da gerade recht. Ein T5 mit langem Radstand, Aufstelldach und Campingausstattung ist unser mobiles Zuhause für diese Tour. Beim Start in Perth hat er knapp 90.000 km auf der Uhr.

Bei den Pinnacles. ©Jörg Reisinger

Perth ist die abgelegene, schillernde Metropole an Australiens Westküste. Die einsamste Millionenstadt der Welt.

4-spurig ist der Highway nach Norden aus der Stadt raus, dann nur noch zwei Spuren, am Ende bleibt eine Landstraße. Nach einer halben Stunde Fahrt sind wir umgeben von roter Erde. In der Ferne ragen die wenigen Hochhäuser des Zentrums in den blauen Himmel.

Es geht die Westküste entlang, immer nach Norden. Zu den orange leuchtenden Pinnacles, den teils meterhohen Kalksäulen in einer über 170 km² großen Sandwüste.

Kängurus und Emus, die die Straße kreuzen, begleiten uns täglich. Aber auch freilaufende Rinder, Schafe und Pferde.

Und sie mahnen zur Vorsicht. Eine Kollision kann schnell das Ende der Reise bedeuten. Und aus dem hüpfenden Känguru wird ein trauriger „Road-Kill“, wie sie zigfach neben den Highways liegen und den Adlern und anderem Getier als bequemes Futter dienen.

Campen mit Emu. ©Jörg Reisinger

Orte mit ein paar Tausend Einwohnern sind hier „Großstädte“.

Aber viel schöner sind natürlich die kleinen, die ruhigen Orte. Kalbarri zum Beispiel, an der schroffen Felsenküste des Indischen Ozeans. Der nahe Nationalpark lädt zum Wandern ein.

In Monkey Mia an der Shark Bay spazieren die Emus über den Campingplatz. Und Delfine kommen bis an den Strand geschwommen. Die Rückenflosse durchschneidet das Wasser und ihr einzigartiges Zwitschern ist zu hören. Pelikane betteln bei den Anglern nach Fisch.

Über bunten Korallenbänken schnorcheln wir am Ningaloo Reef. Im Cape Range National Park, gleich hinter Exmouth, liegt die traumhafte Turquoise Bay. Weißer Sand, klares Wasser. Schon wenige Meter vom Strand entfernt tauchen wir ein in die wunderbare Unterwasserlandschaft. Dazwischen Meeresschildkröten, Rochen mit blauen Punkten, zahllose Fische und gelegentlich ein kleiner Riffhai.

Der Bulli parkt nur ein paar Meter hinter uns. Und vor dem Campingplatz hüpfen abends wieder die Kängurus auf und ab, vor dem Bulli patrouilliert ein Guanna vorbei, eine Art Waran. Natur pur.

Im Karijini-Nationalpark. ©Jörg Reisinger

Wir steuern den Bulli für ein paar hundert Kilometer weg von der Küste. Kaum ein Auto begegnet uns, und wenn, dann wird gegrüßt.

Bei einer kurzen Rast am Straßenrand fährt einer vorbei, hält an, und fragt, ob wir eine Panne haben. Das macht man hier so! Hier funktioniert kein Handy, hier funktioniert nur echte Hilfe.

Der abgelegene Karijini National Park ist das Ziel. Denn Nächte im Outback sind unvergesslich. Nur das Heulen der Dingos ist manchmal zu hören. Die Sterne am Himmel zeichnen unser Hotel aus: es sind Millionen. Tagsüber beeindrucken die Blicke in tiefe Schluchten und wir klettern zum Baden in einen der „Pools“, die da unten sind.

"Staircase to the Moon" in Broome. ©Jörg Reisinger

Je weiter die Reise nach Norden geht, desto einsamer wird es. Und plötzlich, kurz vor der Küste, wird es wieder lebhafter auf den Straßen: die Hafenstadt Port Hedland ist nicht mehr weit.

Uns zieht es zum über 400 km langen „80 Mile Beach“ und weiter nach Broome, das kleine Städtchen mit tropischem Flair und klassischen Wellblechhäuschen.

Weiße Sandstrände – wir möchten gleich ins Wasser springen! Doch lieber nicht: Warnung vor giftigen Quallen, den Irukandis. Lebensgefahr!

Vollkommen ungefährlich ist dafür die „Staircase to the Moon“. Die erscheint nur in den australischen Wintermonaten, wenn sich der aufgehende Mond bei Ebbe in den Wasserpfützen spiegelt.

Beim Nanutarra Roadhouse. ©Jörg Reisinger

Auf dem Campingplatz komme ich mit einem der „Grey Nomads“ ins Gespräch, den „Grauen Nomaden“. Rentner, die monatelang ihr Land bereisen.

Er fährt einen T4 Camper und ist mit seiner Frau natürlich auf der „Flucht“ vor dem Winter im Süden.

Hier im Westen sieht man nur wenige Bullis, sind wir uns einig. Viel häufiger fahren sie an der Ostküste über die Highways.

Alle Bulli-Generationen vom T1 bis zum T5 haben wir dort schon oft gesehen.

Echidna Chasm im Purnululu NP. ©Jörg Reisinger

Südlich umfahren wir dann die riesige Bergregion der Kimberlys.

Alle paar hundert Kilometer eine Siedlung oder ein Roadhouse. Allenfalls mal ein kleiner Ort.

Direkt durch die Kimberleys durchfahren – über die Gibb River Road – können wir nicht: dafür braucht es zumindest 4WD. Den hat unser Bulli nicht.

Über den Highway kommen wir aber an den Bungle Bungles vorbei, oder auch Purnululu National Park genannt.

Hier müssen wir den Bulli zwar auch „draußen“ lassen, da die Wege nur mit 4WD-Fahrzeugen befahren werden können.

Eine organisierte Tour in kleiner Runde bringt uns zur Echidna Chasm und zu den Beehive Domes.

Ein paar der schönste Orte, die wir bislang gesehen haben.

Nach ein paar Tagen am riesigen Lake Argyle, Australiens größtem Stausee, verlassen wir Western Australia und reisen ins Northern Territory ein.

Bei den "Devil's Marbles". ©Jörg Reisinger

Katherine und Umgebung fesseln uns für ein paar Tage. Wir gehen in die Schule: in die „School of the Air“, von wo aus Kinder im Outback früher per Funk, heute per satellitengestütztem Internet unterrichtet werden.

Zu schnell geht es für uns weiter. Ins „Top-End“ nach Darwin und in den Kakadu National Park, wo wir auf einem Ausflug ins Arnhem Land mehr vom Leben der Aboriginals, den Ureinwohnern des Landes, erfahren.

Beim Sunset Cruise auf den Yellow Waters von Cooinda und in den Billabongs drumherum schwimmen große Salties, Leistenkrokodile. Mit denen ist nicht zu Spaßen. Heute hat meine Frau einen ganz gefährlichen Satz gesagt: „Im Moment könnte ich ewig so weiterreisen …“

Alice Springs grüßt. ©Jörg Reisinger

Doch es hilft nichts. Ab jetzt führt der Weg nach Süden.

Der Blick fällt auf das silberne Zeichen auf dem Lenkrad: „VW“. So vertraut wie zuhause.

Trotz Rechtssteuerung fühlen wir uns auch so. Alles sitzt an gewohnter Stelle. Ein VW eben, ein Bulli. Die 130 PS schieben beim Überholen der gewaltigen Road-Trains gut vorwärts.

Automatik braucht es auf dem schnurgeraden Stuart Highway zwar nicht, aber bequem ist’s trotzdem.

Gerade im Stadtverkehr von Alice Springs, wo wir seit Tagen wieder mal Ampeln sehen. Viel Verkehr in „Alice“.

Sonnenuntergang beim Uluru. ©Jörg Reisinger

Drum jagen wir den Bulli weiter, erst zum Kings Canyon, dann vorbei am Mt. Conner, den so manche schon für den Ayers Rock gehalten haben. Aber der kommt erst ein paar hundert Kilometer später.

Der Ayers Rock – oder auch Uluru in der Sprache der Aboriginals – ist sowas wie der „spirituelle Höhepunkt“ einer jeden Australienreise. Der Ort ist vom Tourismus geprägt. Touristen, das sind wir auch. Aber ein Minimum an Respekt kann jeder zeigen – und so ist es für uns selbstverständlich, auch dieses Mal auf die Besteigung dieser heiligen Stätte der Ureinwohner zu verzichten. Er beeindruckt so schon genug: jede Minute des Sonnenuntergangs hüllt den Felsen in ein anderes Rot. Wir sitzen entspannt vor unserm Bulli, und sind abermals sprachlos vor Staunen.

 ©Jörg Reisinger

Unweigerlich geht der Roadtrip seinem Ende entgegen. Wir besuchen noch Coober Pedy, das Opalgräber-Örtchen im Outback, wo auch heute noch einige „Opal-Digger“ in „Dugouts“, den ehemaligen Stollen, wohnen. Denn da braucht es keine Klimaanlage, wenn im Sommer das Thermometer bei 48° draußen überkocht.

Auf der Weiterfahrt ändert sich das Land, das Rot weicht. Innerhalb weniger Kilometer wird es plötzlich grün links und rechts des Highways. In Port Augusta erreichen wir die Südküste.

Jetzt hat der Bulli uns einmal um halb Australien und quer durch gebracht. Wir fahren weiter, viel Verkehr hat es hier. Relativ gesehen. Quer durch Adelaide, eine Millionenstadt. Das Navi hat richtig zu tun.

Aber schnell wieder raus hier, nach Kangaroo Island, ein paar Kilometer vor der Südküste. Hier sehen wir Wale, Seelöwen, richtig große Kängurus, kleine Wallabys und Wombats. Im Eukalyptusbaum neben unserm Bus schläft ein satt gefressener Koala. Die bunten, schreienden Kakadus und Großsittiche stören ihn nicht.

 ©Jörg Reisinger

Die Endstation ist Adelaide, die „City of Churches“, wo wir „unsern“ Bulli nach 11.400 problemlosen Kilometern wieder abgeben müssen.

Die Endstation heißt aber auch „Sehnsucht“ – nach einem Land, das für das Reisen steht wie kaum ein anderes. Ein Land, wo es immer was zu entdecken gibt. Auch das Leben – und ein bisschen was von sich selbst.

Wir haben viel entdeckt. Doch die Sehnsucht bleibt, und irgendwann kommen wir wieder. Vielleicht für länger, vielleicht mit dem eigenen Bulli im Gepäck. Einmal rundherum, monatelang. Das ist das Ziel.

Für Interessierte gibt es noch mehr Bilder unter diesem Link.

Jörg Reisinger