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Kfz-Mechaniker in Thailand

Kfz-Mechaniker Khun Piek verwandelt in der thailändischen Touristenhochburg Pattaya alte Bullis und Käfer zurück in fahrtüchtige Schmuckstücke. Ein Engagement, das Einheimische und Ausländer gleichermaßen begeistert.

 ©Volker Klinkmüller

Wer über die Sukhumvit- Road aus Richtung Bangkok nach Pattaya hineinfährt und fast die Abzweigung der North-Pattaya-Road erreicht hat, mag seinen Augen nicht trauen: Auf der kleinen Fläche einer halboffenen Werkstatt drängeln sich etliche Legenden erfolgreicher deutscher Automobil-Geschichte.

"Ich habe mich schon als Jugendlicher in die Marke Volkswagen verliebt", schmunzelt Sumet Chinatas, der von seinen Freunden und Kunden den Spitznamen Khun Piek erhalten hat. "In die Formen der Karosserie, den Klang der Motoren und überhaupt alles an diesen Fahrzeugen". Wer das nicht glaubt, kann sich bei einem kurzen Rundgang über das Betriebsgelände selbst davon überzeugen: Da finden sich in leuchtendem Farben lackierte Bullis und Käfer, aber auch einige Buggies und ein 1600er. "Meine Liebe begann mit einem Käfer von 1962, den ich einst mit einem kaputten Motor gekauft hatte", erinnert sich der 34jährige VW-Fan.

 ©Volker Klinkmüller

Erstaunlich gutes Ersatzteilangebot

Das augenscheinlich perfekte Blechkleid der Fahrzeuge mag allerdings darüber hinwegtäuschen, wie spartanisch es zuweilen im Innenraum - und besonders im Bereich des "Cockpits" aussieht. Zum einen ist das auf den damaligen Stand der Technik zurückzuführen, zum anderen aber auch darauf, dass die Beschaffung der Original-Armaturen zu einem schwierigen Unterfangen ausarten kann. "Auch die Lenkgetriebe sind oft nicht einfach zu bekommen", sagt Khun Piek. "Doch sonst ist der Markt an Original-Ersatzteilen erstaunlich gut bestückt." Fündig wird er meist in Bangkok oder Chonburi.

Dass sich den alten Fahrzeugen relativ unkompliziert neues Leben einhauchen lässt, ist nicht zuletzt dem Improvisationstalent der Thais zu verdanken. Sie vermögen durchaus so manches benötigte Ersatzteil nachzubauen oder aus einem der japanischen Modelle anzupassen, die in Thailand den Automarkt beherrschen. Zudem gibt es etliche Werkstätten, die sich mit Passion auf das Reparieren von Autositzen und Innenverkleidungen aus Metallen, Plastik oder Textilien spezialisiert haben.

 ©Volker Klinkmüller

Zu den teuersten Arbeitsschritten hingegen zählt die Lackierung, die bei Khun Piek noch vergleichsweise günstig zu haben ist: Schon für 15.000 bis 20.000 Baht (300 bis 400 Euro) gibt es bei ihm eine Neuwagen-Lackierung. "Ich investiere jedoch meist sogar um die 30.000 Baht (600 Euro) dafür, da mir an einer erstklassigen Qualität gelegen ist", betont er.

Bei der Bezeichnung gibt es Unterschiede. Haben sich daheim längst die englischen Begriffe Oldtimer und Youngtimer etabliert, ist in Thailand vorwiegend der Terminus "Vintage" gebräuchlich. Wer die Stichworte VW und Vintage im Zusammenhang mit Thailand in eine Online-Suchmaschine eingibt, wird nicht viel finden. Immerhin aber das Internet-Portal www.thaivwclub.com, das aber nur mit thailändischer Schrift aufwarten kann. 

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VW-Fahrer-Club mit 100 Mitgliedern

"Erstaunlicherweise lässt sich ein VW Bus in Thailand erheblich preiswerter erwerben als ein Käfer", weiß Khun Piek. Denn die Bullis würden je nach Zustand lediglich mit 60.000 bis 250.000 Baht (1.200 bis 5.000 Euro) gehandelt, während Käfer sogar bis zu 400.000 Baht (8.100 Euro) erzielen können.

Was die Suche nach Vintage-VWs betrifft, so läuft sie bei Khun Piek vor allem über Mundpropaganda. Manchmal wird auch einfach nur getauscht - wie einmal jährlich in Bangkok, wo es ein großes VW-Fahrer-Treffen mit rund 600 Teilnehmern gibt.

Um die Volkswagen-Fans an der Ostküste Thailands - als wichtigstem Standort der thailändischen Automobil-Industrie - zu mobilisieren, hat der Khun Piek vor zwei Jahren den "Herbie Club" ins Leben gerufen. Der hat inzwischen schon um die 100 Mitglieder, davon mehr als ein Drittel Ausländer.

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Auch der Nachschub an Rostlauben, die wieder in ansehnliche Fahrzeuge zurückverwandelt werden, scheint nicht auszugehen. Vielleicht ist das ja der Grund dafür, warum sich Khun Piek mit geringem Schmerz wieder von seinen langwierig und liebevoll restaurierten Fahrzeugen trennt.

"Wir werden sie schon noch alle aufspüren, um sie wieder zu dem zu machen, was sie einst gewesen sind", bekräftigt er. "Das Problem ist bloß, dass die Leute den Wert dieser Autos immer mehr erkennen und dadurch sogar die Preise für arg verstümmelte VW-Wracks anziehen."

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Ein Bilderbuch-Bulli

Ein herrliches Stück Automobil-Geschichte - und das sogar in rot-weißer Original-Lackierung und mit den legendären Weißwand-Reifen aus den guten alten Flower-Power-Zeiten: Dieser T1-Bulli stammt aus dem Jahr 1964, wurde in mehr als viermonatiger Arbeit restauriert und wird Thailand alsbald in Richtung Großbritannien verlassen. Ein 36-jähriger Waliser, der vor fast 20 Jahren seinen ersten Käfer erworben hatte und seitdem der Marke Volkswagen verfallen ist, hatte das Schmuckstück aus dem Fenster erspäht - als er vom Suvarnabhumi-Airport mit dem Bus über die Sukhumvit-Road nach Pattaya einfuhr. 285.000 Baht (5.800 Euro) hat er für die Oldtimer-Trophäe berappt. Der Schiffstransport in die Heimat kostet ihn noch einmal rund 110.000 Baht (2.200 Euro) und der Zoll etwa 40.000 Baht (810 Euro). Bei einem möglichen Wiederverkauf in Europa dennoch ein gutes Geschäft, zumal das legendäre Fahrzeug dort sogar den doppelten bis dreifachen Preis erzielen kann.

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Bulli als Bar

Zu was sich ein restaurierter VW Bus so alles einsetzen lässt, zeigt zum Beispiel diese originelle mobile Bar beim Royal Garden Plaza an der Beach-Road von Pattaya. Das moderne Bistro-Mobiliar ist im gleichen Hellblau lackiert wie der betagte T2-Bulli aus den 70er Jahren. Stilecht dazu sollte man sich hier einen leckeren "Blue Lagoon"-Cocktail munden lassen.


Dieser Artikel ist in einer längeren Version zuerst im Online-Magazin Der Farang, einer Zeitung für Urlauber und Residenten in Thailand, erschienen und wurde mit freundlicher Genehmigung des Verfassers hier veröffentlicht.

Volker Klinkmüller