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Kiter lieben Sport, Spots und ihre Bullis

Schnee hatten wir von Oktober bis in den April hinein. Aber Corona hat nicht nur den Liftbetreibern die Saison verdorben. Auch die Snowkiter, über die wir eine Reportage geplant hatten, mussten am Boden bleiben. Wir haben erkundet, was sie jetzt den Sommer über machen: Bulli fahren, Bulli schrauben und noch viel mehr.

 ©Christoph Volk

Wir treffen Christoph Volk, gerade 40 geworden. Bei Mercedes im Schulungszentrum Lämmerbuckel hat er auf der Albhochfläche eine Ausbildung zum Kameramann absolviert und zuvor noch Veranstaltungstechnik gelernt. Später, als Student an der Hochschule für Medien in Stuttgart (HDM) vertiefte er sich in die Audio-Visuellen Medien und wurde zum Ingenieur.

Während seiner ersten Ausbildung war er öfters am Gardasee und hatte er sich in die Windsurfer verguckt. Damals 24 Jahre jung fragte er seine Mutter: „Ich brauche mal 2500 Euro, kannst du mir das leihen?“.

Davon kaufte er sich seinen ersten Schirm samt Zubehör und gesellte sich im Winter zu den Snowkitern auf der Schwäbischen Alb bei Westerheim. Schon nach kurzer Zeit zog es ihn auf den über 1400 Meter hohen Feldberg. Er heuerte bei der bekannten Skischule Thoma an und machte sich schnell selbstständig, gründete seine eigene Schule „Skywalker“, ließ sich die Marke schützen und engagierte eine Crew von freien Mitarbeitern, die alle eines verbindet: Das Spiel mit dem Wind an langen Seilen, mal auf dem eiskalten Boden, mal am sonnigen Strand.

Das Internetportal „Schneehöhen.de“ definiert diesen Kick so: „Ob Cruisen im Pulverschnee oder Freestyle mit akrobatischen Sprüngen, das vielseitige Snowkiten mischt als Trendsportart seit vielen Jahren die Wintersport-Szene auf und tritt nun berechtigterweise seinen verdienten Siegeszug als wohl aufregendste und dynamischste Wintersportart an. Einmal mit Trick 17 die Physik außer Kraft setzen. Beim Snowkiten springt man höher und weiter, als man es sich je hätte träumen lassen, und landet dennoch sanft wieder auf der Piste. Rasant fegt man über unberührten Pulverschnee – ja sogar bergauf zieht einen das Kite…“

Die Kiter sind ein eigenes Völkchen, überwiegend Individualisten und in den allermeistern Fällen auch mit einem stabilen finanziellen Fundament abgesichert.

Christoph präsentiert sich als „gelernter Ingenieur der Audiovisuellen Medien, gelernter Veranstaltungstechniker und gelernter Mediengestalter Bild & Ton“. Er plant und realisiert heute mit seiner Firma „Mediacom-Stuttgart.de“ Glasfasernetzwerke, nutzt sein Ingenieurbüro FTTH für die Planung regionaler und überregionaler Städtischer Netzwerke und arbeitet an Werbefilmen, Dokumentationen und bei diversen Events – wobei auch dieses Standbein bis vor kurzem coronabedingt quasi amputiert wurde.

 

Das Skywalker-Team hofft auf eine gute Saison 2021/22

 ©Volk

Für seine „www.kiteschule-skywalker.de“ hofft er, zusammen mit seinem Team, dass es in der nächsten Saison wieder möglich ist, an einem, zwei oder mehreren Tagen diverse Kurse zu absolvieren. Schon jetzt kann man sich auf der Webseite orientieren und sich über die Standorte und das Team informieren.

Dazu gehört seine Frau Zoia, die als Hobby Sport, Zeichnen, Klettern, Laufen und Reisen benennt Flysurfer und North als Ausrüstung die Sie mit sich führt. Sie und er lieben ihren T6 dank seiner 210 PS und des Allradantriebs. Mit ihm waren sie schon auf vielen Reisen, aber seit sie ihr erstes Kind haben, bleiben sie erst mal lieber im Ländle – und hier vor allem Sommers in der Nähe von Lahr in Baden (wo er einen weiteren Firmensitz hat).

Dort genießen sie vom eigenen Grundstück die Abende im oder am Bulli, am Grill oder Lagerfeuer und oft mit Blick auf die Vogesen und den Schwarzwald.

Auch Christian (34), Elektroniker für Geräte und Systeme, hat einen Flysurfer, sagt Kiten mache ihm riesigen Spaß, ebenso sein Moped, Windsurfen und Bullis schrauben - aktuell an seinem T2.

Ganz jung im Team und noch ohne Bully ist Tim (26) mit seinem Flysurfer. Aber auch er träumt davon, einmal einen Bulli zu besitzen. Sein Vater Stefan (35) ist Ingenieur, betreut das Team bei Wettkämpfen und ist mit Flysurfer und North unterwegs. Als Kitesurfinstructor schult Matthias (24, Flysurfer, North) und studiert Lehramt mit Informatik.

Alle Kiter müssen mobil sein, denn es gibt in Deutschland, Österreich und in der Schweiz geradezu ideale Destinationen – und die kann man am besten erreichen und nutzen, wenn man möglichst nahe bis an den Schnee fahren und dort auch parken und übernachten kann: Dann erst wird dieser trendige Wintersport so richtig „bullig“…

von Ernst Bauer