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Korsika im T3: Überschwemmung, Schnee, und ein kleiner schwarzer Schalter

Im Jahr 2015 reisten Stefan Heider und seine Frau im T3 nach Korsika. Dort erfuhren sie neben Überschwemmungen und allerlei schönen Erlebnissen auch, was für eine große Wirkung ein kleiner, unbekannter Schalter haben kann.

 ©Stefan Heider

Hallo Bullifreunde,

dies ist die Fortsetzung der Geschichte des besonderen Boten-Bullis, die Ihr hier nachlesen könnt.

Anfang September 2015 wurde der Bulli aus dem Botenbetrieb rausgenommen und meine Frau und ich sind mit ihm nach Korsika aufgebrochen. Diesen Trip hatten wir uns als Revival-Tour unseres ersten Korsika-Urlaubs im Jahr 1992, auch mit einem T3 (siehe Bild), vorgenommen.

Wir fuhren ohne große technische Vorbereitung - schließlich lief der Bulli ja seit drei Jahren zuverlässig- nach Genua, um von dort die Nachtfähre nach Bastia zu nehmen.

 ©Stefan Heider

Es sind von uns bis Genua ziemlich genau 1000 Kilometer, wir planten zehn Stunden plus zwei Reserve ein und kamen genau eine Viertelstunde vor dem Ablegen an.

Auf der Fähre gab es ein ausgiebiges Drei-Gänge-Menü und eine Außenkabine, die allerdings schon etwas runtergekommen war. Nichtsdestotrotz war das allemal besser, als irgendwo auf dem Schiff zu kampieren.

Morgens um 8 Uhr kamen wir in Bastia an - und es regnete. Die schlimmsten Schauer waren aber wohl schon in der Nacht im Osten von Korsika heruntergekommen.

Wir fuhren zu dem Campingplatz (Arinella Bianca), den wir vor 23 Jahren schon einmal genutzt hatten und suchen uns ein Plätzchen zwischen den Seen, die sich durch den Regen gebildet hatten.

 ©Stefan Heider

Es wurden dort drei sehr schöne Tage, die gegen Ende leider mit immer mehr Mücken gespickt waren, da es inzwischen wieder schön warm war und das Wasser noch fast auf dem ganzen Platz stand.

So fuhren wir dann weiter Richtung Süden. Zwischen Ghisonaccia und Porto Vecchio bogen wir links in die Berge ab.

Nach etwa 20 Kilometern fanden wir einen herrlichen Campingplatz an einem der berühmten Badegumpen (die heißen dort so), mit einem Standplatz direkt am Fluss, sogar mit einer kleinen Terrasse und Blick auf den Fluss.

 ©Stefan Heider

Hier und auch später machten wir immer wieder Bekanntschaften mit Bullis aller Baujahre und Modellreihen, wobei die T1-T3 Fahrer sich grundsätzlich grüßten.

Aber auch mit allen anderen und auch den neueren T4- und T5-Campern ließ es sich wunderbar fachsimpeln. Im Zweifel schaut meistens selbst der neueste und luxuriöseste T5- oder T6-Besitzer immer ein bisschen wehmütig auf den T3. Zumal der innen auch den meisten Platz bietet.

Nach herrlichen zwei Tagen brachen wir erneut auf, um zur südlichsten Stadt Korsikas, Bonifacio, zu fahren. Die Stadt ist auf vielen Postkarten verewigt und wer einmal außerhalb der Hauptreisezeit dort verweilen kann, dem sei dies sehr zu empfehlen.

Der Hafen von Bonifacio mit dem Kalksteinplateau im Süden und der darauf angesiedelten Altstadt ist wohl einer der eindrucksvollsten im Mittelmeerraum. Das Plateau ist an seinem Fuß auf der Seeseite stark ausgewaschen, sodass die Häuser darauf fast wie auf einem Balkon stehen.

 ©Stefan Heider

Leider gab es dort nur einen staubigen Stadtcampingplatz und so beschlossen wir, uns ein Hotel zu gönnen.

Den Spruch, dass "uns das der Bulli übel nimmt", hätten wir vielleicht nicht machen sollen, denn am nächsten Morgen wollten wir gutgelaunt und ausgeschlafen wieder zurück Richtung Bastia fahren, doch der Bulli sprang nach bis dahin zuverlässigen 1300 Kilometern nicht mehr an...

Dank des kurz vorher noch abgeschlossenen ADAC-Schutzbriefs riefen wir den Abschleppdienst. Dieser fand nichts und schleppte uns in eine VW-Vertragswerkstatt nach Porto Vecchio.

 ©Stefan Heider

In Porto Vecchio angekommen versprach man uns, im Laufe des Tages nach dem Fehler - es kam hinten kein Strom an der Benzinpumpe und der Vorglühanlage an, weswegen, war nicht klar-  zu suchen.

Es tat sich dann jedoch bis abends NICHTS, und als wir den Wertstattleiter darauf ansprachen, hieß es nur, dass auch noch andere Kunden warten würden. Kurz vor Feierabend war klar, dass der Fehler nicht so leicht zu finden ist und die Werkstatt am nächsten Tag weitermachen würde.

Während der Warterei lernten wir zwei eingefleischte T4-Camper kennen, die auf ihren Bus schon sieben Tage warteten...

Nach einem weiteren Tag im Hotel erklärte uns der Werkstattleiter, dass der Fehler nicht zu finden sei und nun das Wochenende komme, sprich Samstag und Sonntag keiner mehr arbeitet!

Also abreisen und den Bulli dalassen (wäre dann mit dem ADAC-Rückholservice gebracht worden) oder Urlaub verlängern und warten.

Da wir einen Mietwagen bekommen hatten und das Hotel und die Stadt Porto Vecchio auch sehr nett waren, entschlossen wir uns zu warten.

 ©Stefan Heider

Am Montagabend sollte laut Werkstattleiter endlich eine Lösung in Form eines provisorischen Kabels quer durch den Wagen gefunden werden, zu mehr sah sich der Reparateur nicht in der Lage. Das Kabel wurde dann auch kurz vor Feierabend eingebaut, wobei sich der Motor dann nicht mehr ausstellen ließ. Das ging nur noch klassisch über Motorabwürgen im fünften Gang.

Starten konnten wir nur, indem hinten ein an beiden Enden abisoliertes Kabel an Batterie und eine bestimmte Schelle gehalten werden mussten, um damit den Motor zu starten.

Besonders lustig ist das morgens um halb acht auf dem Lkw-Deck der Fähre mit 20 dahinter wartenden Brummifahrern, die es eilig haben.

So fuhren wir dann nach Hause, wieder mit der Nachtfähre ab Bastia. In Genua angekommen, hatten wir wieder die 1000 Kilometer vor uns. Hinter dem St. Bernardino Tunnel lag auf knapp 2000 Meter Höhe sogar Schnee, und das mit Sommerreifen. Letztendlich kamen wir nach zwölf Stunden Fahrt im Renn-Bulli aber wohlbehalten in Dransfeld an.

Einige Tage später brachte ich den Bus dann zur Werkstatt meines Vertrauens gebracht und Uwe brauchte gefühlte drei Minuten, um den Fehler zu finden:
Es war im Bus eine Wegfahrsperre installiert, deren Funktion leider unbekannt blieb. Nachdem er diese allerdings umgangen hatte, war alles wieder in Ordnung.

Ich schrieb dann dem ehemaligen Besitzer (Arndt, siehe ersten Bericht ganz am Anfang) eine E-Mail an die vier Jahre alte Adresse und er antwortete tatsächlich. Es wäre ein Schalter irgendwo im Bulli und der schaltet diese Wegfahrsperre an oder aus.

Nach einer Stunde suchen hatte ich diesen gefunden und tatsächlich kann man mit diesem kleinen Schalter (schwarz auf schwarzem Untergrund) den Bulli quasi aktivieren oder deaktivieren.

Kleiner Schalter, große Wirkung, und am Ende war wieder alles gut. Wir planten nach dieser Erfahrung gleich den nächsten Korsika-Urlaub für 2016 geplant und freuten und schon sehr drauf. Dann sollte es die noch schönere Westküste werden und in jedem Fall auch wieder mit ADAC-Schutzbrief...

von Gerhard Mauerer