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Mehr Schäden in Metropolen

Meist Anfang September erfahren die Autobesitzer, mit welchen Versicherungsprämien sie nächstes Jahr rechnen müssen. Denn dann veröffentlichen die Versicherer, wie sich die Statistik der Unfälle in den Regionalklassen auswirkt – also ob ihre Prämien steigen oder sinken.

Interaktive Karte Regionalklassen ©GDV

Die Regionalklasse zeigt die Schaden- und Unfallbilanz einer Region. Sie ist aber nur eines von mehreren Tarifmerkmalen, das die Versicherer zur Berechnung des Versicherungsbeitrages anwenden. Wichtiger Unterschied: In derKfz-Haftpflichtversicherung wird sie vom Fahrverhalten aller Autofahrer in einem Zulassungsbezirk beeinflusst. Dagegen fließen in der Kaskoversicherung örtliche Besonderheiten wie Diebstahlhäufigkeit, Sturm- und Hagelschäden und die Anzahl der Wildunfälle mit ein. In beiden Versicherungsarten wirkt sich also ein vom Versicherungsnehmer verursachter Schaden nicht individuell, sondern nur über die Gesamtgruppe aus. Die so errechneten Beträge, um die die Tarife sinken oder steigen, sind nicht gravierend. Hingegen wirkt sich die Schadenhäufigkeit (eines Versicherungsnehmers) häufig stärker aus, weil sich der sogenannte Schadenfreiheitsrabatt (SFR in Prozenten, gestuft nach schadenfreien Jahren) gleich um mehrere Stufen reduziert.

Nach den aktuellen Trends sollen knapp 6,3 Millionen Autofahrer in Deutschland zukünftig von besseren Regionalklassen in der Kfz-Haftpflichtversicherung profitieren. Dem gegenüber werden rund 4,8 Millionen werden heraufgestuft und müssen mehr bezahlen. Das ist das Ergebnis der aktuellen Regionalstatistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Für weitere 28,5 Millionen Kfz-Haftpflichtversicherte bleiben die Regionalklassen des Vorjahres erhalten.

Für jeden Landkreis ersichtlich: Rauf und Runter ©GDV

Besonders niedrige Einstufungen ergeben sich weiterhin für Autofahrer in Brandenburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Die bundesweit beste Schadenbilanz in der Kfz-Haftpflichtversicherung errechneten die Statistiker für den Zulassungsbezirk Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Hohe Regionalklassen gelten vor allem in Großstädten sowie in Teilen Bayerns. Die schlechteste Schadenbilanz ergab sich für Offenbach am Main.

Für die Kasko-Versicherungen ändert sich durch die aktuelle Regionalstatistik nur wenig: Von den über 33 Millionen Voll- oder Teilkaskoversicherten rutschen knapp zwei Millionen in niedrigere, knapp 2,4 Millionen in höhere Regionalklassen; für die anderen Versicherten bleibt alles gleich. Die beste Schadenbilanz in der Vollkasko-Versicherung erreicht die Wesermarsch in Niedersachsen, in der Teilkasko-Versicherung der bayerische Zulassungsbezirk Bamberg. Die schlechteste Schadenbilanz in der Voll- und Teilkasko-Versicherung weist wie im Vorjahr der Landkreis Ostallgäu in Bayern auf. In der Datenbank der Autoversicherer kann man seine Regionalklassen-Entwicklung abfragen: http://www.gdv.de/regionalklassen-abfrage

Regionaltypisch: Baumunfälle in Landkreisen ©DVR

Diese Veränderungen der Prämien spüren die Autobesitzer erst im kommenden Jahr. Schon jetzt lässt sich aber voraussagen, dass nach diesen Prämienänderungen auch 2018 mit höheren Prämien zu rechnen sein wird. Grund: Die schweren Unwetter Ende Mai und Anfang Juni haben versicherte Schäden von rund 1,2 Milliarden Euro verursacht. Davon entfallen zwar rund 1 Milliarde Euro auf versicherte Häuser, Hausrat, Gewerbe- sowie Industriebetriebe aber 200 Millionen Euro auf die Kfz-Versicherer. Das zeigt eine vorläufige Schätzung der deutschen Versicherer. Sie umfasst nur die Schäden, die durch zahlreiche Unwetter – vor allem die Sturmtiefs „Elvira“ und „Friederike“ – vom 27. Mai bis 9. Juni 2016 verursacht wurden.

„Noch nie haben Unwetter mit heftigen Regenfällen innerhalb so kurzer Zeit so hohe Schäden verursacht“, sagte der Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Alexander Erdland, bei der Vorlage der Zahlen in Berlin. Unwetter haben viele Orte in Deutschland getroffen, vor allem aber im Süden und Westen. Überschwemmungen nach massiven Regenfällen richteten hier schwere Schäden an, etwa in Braunsbach in Baden-Württemberg, im bayerischen Simbach am Inn und im rheinland-pfälzischen Altenahr.

 

 

von Gerhard Mauerer