Zur Liste

US-Reise, Brandanschlag auf T3 und Restaurierung

Dietmar Erhard ist einer der Gewinner unseres Caravan Salon-Gewinnspiels 2017. Hier erzählt er uns seine persönliche, "brandheiße" Bulli-Geschichte.

Mit dem aktuellen Bulli auf Korsika ©Erhard

Hallo Bullifreunde!

Meine Bulligeschichte beginnt im Jahr 1980 mit einem Anruf aus Amerika. Ein ehemaliger Studienkollege, der in Boston ein Aufbaustudium absolvierte, fragte an, ob ich Lust und Zeit hätte, eine Tour dort zu unternehmen. Er könnte mir seinen in den Staaten gekauften, alten Bulli zur Verfügung stellen. Ich brauchte nicht lange zu überlegen, um diesen großzügigen Vorschlag anzunehmen. Nach Erledigung der Reiseformalitäten flog ich zusammen mit meiner Frau, meinem einjährigen Sohn und meinem 13 Jahre jüngeren Bruder- er war damals 17- nach Boston und nahm froher Erwartung den VW Bus in Empfang.

Es war ein etwas in die Jahre gekommener T2-Campingbus mit Ziehharmonika-Aufstelldach mit einer Pritsche zum Schlafen für eine Person im Dach. Im Fahrerraum konnte ebenfalls eine Pritsche für meinen kleinen Sohn eingehängt werden. So legten wir innerhalb von vier Wochen eine Strecke von über 8000 Meilen in „unserem“ zur Heimat gewordenen Zuhause zurück, die großzügigen Campgrounds in den Nationalparks genießend. Der Bus führte uns von Boston gen Nordwesten durch die Green und die White Mountains bis nach Toronto am Ontariosee.

Von dort fuhren wir über die Niagarafalls und Buffalo durch den Mittleren Westen der USA bis nach Atlanta, um dann über Savannah wieder an die Ostküste zu kommen. Nach Strand-Aufenthalt in Myrtle Beach und Sightseeing in Philadelphia, Washington und New York endete unsere Tour wieder in Boston. Als ich zuhause meinem damaligen Chef von der Tour und dem Bulli erzählte, hinterließ die Begeisterung für den Bulli bei ihm wohl einen bleibenden Eindruck und die Idee ward geboren, irgendwann einen eigenen VW Bus anzuschaffen, und zwar gemeinsam.

Grünes Idyll in Irland ©Erhard

Drei Jahre später war es soweit. Eifrig blätterten wir in den Prospekten, einigten uns über die Motorisierung, die Campingausstattung Westfalia Joker 1 mit Aufstelldach (wir wollten kein Eisverkäuferauto) und fragten bei Westfalia an, ob wir die Stoffe der Polster und Vorhänge abweichend zur Serie selbst beistellen können. Dies war jedoch aus produktionstechnischen Gründen nicht möglich. Nach endlos erscheinender Lieferfrist holte ich den Bus endlich Im Februar 1983 in Rheda Wiedenbrück bei Westfalia ab. 20 Jahre nutzten mein damaliger Chef mit seiner auf 5 Köpfe angewachsenen Familie und meine Familie (4 Köpfe) den Bus für unzählige Urlaubs-Reisen, er nach Norden, ich nach Süden.

Wir erkundeten viele europäische Länder und unser Bulli ließ uns bis auf eine kaputte Kupplung nie im Stich. Als jedoch die Kinder beider Familien, die im Bus aufgewachsen waren, selbst flügge wurden und eigene Reisen mit dem Bulli beantragten, wurde die Terminabstimmung immer schwieriger. Zumal der Bulli nur für 7 Monate im Jahr zugelassen war, um ihn in den Wintermonaten vor Schnee und Salz zu bewahren.

Vandalismus pur: Brandanschlag auf den grünen Bulli ©Erhard

Dann im Dezember 2015 der Schock: Auf einem öffentlichen Parkplatz in meiner Heimatgemeinde, wo ich den Bulli unter einer Hochstraße witterungsgeschützt abgestellt hatte, wurde er in Brand gesteckt.

Die übrigen Jahre war er immer im Winter in einer ehemaligen Tabakscheune untergestellt, diese wurde jedoch zu einem Wohnhaus umgebaut. Dieser Brandanschlag eines „Gestörten“ mit Grillanzünder und Spiritus am Hinterrad vernichtete den kompletten Motorraum, Radkasten und Karosserie der hinteren Fahrerseite sowie Teile des Unterbodens und der Heckpartie. Der Schock und die Trauer in der Familie war sehr groß,es flossen Tränen.

Doch dank des relativ schnellen Eingreifens der freiwilligen Feuerwehr meiner Heimatgemeinde war der Schaden nach meiner Ansicht noch überschaubar und ich gewillt, den Bus zu retten. Natürlich gingen die Bilder des Brandanschlags durch die Lokalpresse und viele bedauerten, dass hier automobiles Kulturgut – der Bus hatte inzwischen das H-Kennzeichen - mutwillig zerstört wurde.

Da blieb nur noch der Austausch ©Erhard

Nach halbjähriger Instandsetzung bei zwei bekannten und auf VW-Busse spezialisierten Werkstätten für Karrosserie und Motoreneinbau mit einem Budget, das einer Anschaffung eines vergleichbaren Busses nahekommt, habe ich meinen heiß geliebten Bulli wieder auf die Straße gebracht.

Einen Vorteil hatte die Sache dennoch: anstelle eine 50 PS-Diesel-Motors hat er nun einen kräftigeren 75 PS TD Motor (AAZ-Motor). Nun sind die LKW an Autobahnsteigungen kein Problem mehr und hängen uns nicht länger am hinteren Stoßfänger. Wir können mithalten, ohne die Maschine zu überfordern.

Meine Familie ist wieder happy und die Geschichte mit dem Bulli als Verbindung dreier Generationen kann weitergehen...

eba