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Mini-Radar aus der kleinsten Lücke

Die Verkehrspolizei rüstet auf. Nicht nur für die bundesweiten „Blitz-Marathon-Tage“ wurden in den letzten Monaten Hunderte neuer Radargeräte angeschafft. Weil moderne Anlagen kleiner, diskreter und vor allem einfacher sind, werden sie gegen die alten „Starenkästen“ ausgetauscht. Denn sie bringen mehr Erfolg.

Nicht zu entdecken: Mini-Radar verdeckt durch einen Baum ©eba

Wo die Radargeräte auf ihren Masten stehen, wissen in aller Regel die Einheimischen. Sie bremsen kurz davor und fahren danach wieder weiter. Deshalb sind solche Messgeräte nicht sonderlich effektiv – sie fotografieren meist Ortsfremde und die sprechen dann gerne von Radarfallen.

Die fortschreitende Digitalisierung hat jetzt auch den wenigen europäischen Firmen, die Anlagen zur Messung des fließenden Verkehrs herstellen oder vertreiben, neue Perspektiven eröffnet. Vor allem die mobilen Messgeräte werden kleiner und leichter.  So hat jetzt die Stadt Ludwigsburg für rund 70 000 Euro eine Anlage angeschafft, die sich in zwei Koffern, kaum größer als ein Bordcase, verpacken und in jedem Pkw transportieren lässt. Konnten gewiefte Autofahrer bislang in Transportern oder Vans installierte Radarblitzer ausmachen, weil sie praktisch das halbe Heckfenster belegten, hat es der Kontrolleur in Ludwigsburg wesentlich einfacher.

Aus einem Hartschalenkoffer entnimmt er das Messgerät und stellt es auf ein extrem niedriges Stativ. Den Strom holt er aus einem ebenfalls gut verpackten Akku. Ein dünnes Kabel verbindet das Instrument mit dem Laptop und seiner speziellen Mess-Software. Über einen zweiten Bildschirm und eine Funk-Fernbedienung kann der zur Messung eingeteilte Bedienstete des städtischen Ordnungsdienstes in Zivilkleidung nun den Verkehr beobachten. Er muss nicht mehr stundenlang auf dem Rücksitz ausharren, sondern er kann auch neben dem Auto stehen oder einfach herumspazieren.

Der Hersteller wirbt mit dem Slogan „Einfach besser messen“ und preist folgende Vorteile an: „Schnell einsatzfähig. Auspacken, einschalten, messen ohne langwieriges Ausrichten. Kein aufmerksamer Messbetrieb erforderlich, keine Einschränkung. Genutzt und dokumentiert wird ein Live-Bild der Strassenszene“. Das Gerät misst auch in Kurven und kann in kleinsten Parklücken oder hinter einem Sichthindernis aufgestellt werden. Der Einsatz „ist auch an schwer zugänglichen Stellen möglich, wo andere Geräte nicht eingesetzt werden können.“

Zur großen Überraschung vieler ertappter Verkehrssünder gehört auch ein weiterer Effekt dieses Systems: „Tagsüber blitzen wir nicht – wir messen lieber“. Bleibt noch festzuhalten, was uns der Experte mit auf den Weg gab: „Wenn sich jeder an das Limit halten würde, wäre ich heute nicht hier. Aber weil wir damit mehr Geschwindigkeitsübertretungen feststellen, gibt es immer mehr zu tun. Ich könnte jeden Tag rausfahren und von morgens bis abends messen…“

Diesen Bereich kann das System erfassen ©Zeichnung Livetec

von Gerhard Mauerer