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Mit dem Bulli durch die Welt

Hingabe oder fröhliche Besessenheit? Bei den Fans des VW-Bus ist diese Frage nicht eindeutig zu beantworten. Dave und Cee Eccles, die sich 1976 ihren ersten T1-Camper kauften, um damit durch den Iran, Afghanistan und Indien zu fahren, haben ihren Bildband diesen Fans gewidmet.

 ©Verlag Delius Klasing

Zunächst wollte ich den reichhaltig illustrierten Geschichten-Bildband "Mit dem Bulli durch die Welt" von David und Cee Eccles nur kurz durchblättern. Doch schon befand ich mich mittendrin im Reisebericht "Out of Africa", unternommen ab Juni 2002 in einem 15-Fenster-Hybrid-T1-Bus aus den 60er Jahren.

Dass dem Oldie noch einmal eine so große Tour bevorstehen würde, hätte wohl niemand gedacht. Doch letztlich rollte und rumpelte das im Look klassischer Safari-Busse lackierte Vehikel durch den Schwarzen Kontinent gen Norden und wurde nach 31.000 Kilometern in Deutschland von der Polizei als "gefährliches Gerümpel" aus dem Verkehr gezogen.

Diese Geschichte fesselte mich so sehr, dass ich mir statt des "Anblätterns" gleich das ganze Buch gönnte. Die beiden Engländer waren 1976 mit ihrem ersten T1-Camper durch den Iran, Afghanistan und Indien getourt. Andere Traveller rollten mit dem Bulli bis an die Südspitze Südamerikas, durch die arabische Wüste, die australischen Outbacks und quer durch Afrika. Bei diesen Erlebnisberichten kommen die Freunde motorisierter Weltreisen voll auf ihre Kosten.

Nicht ganz so exotisch, aber dennoch überaus individuell, sind die Porträts höchst unterschiedlicher Bulli-Fantypen und ihrer Fahrzeuge. Diese Stories gehen unter anderem den Fragen nach, weshalb das "Bulli-Gen" häufig innerhalb von Familien weitergegeben wird und warum der VW-Bus als "Hochzeitskutsche" so beliebt ist.

Ein weiteres Kapitel widmet sich dem Riesenerfolg des T1 in der Hippie-Szene der 60er und 70er Jahre, deren Leitmotive wie grenzenlose Freiheitsliebe, Selbstverwirklichung und Abenteuerlust das Image des Bullis entscheidend prägten und bis heute mit dem Fahrzeug in Verbindung gebracht werden.

Liebevoll und umfassend werden außerdem zahlreiche Bullis vorstellt, deren Lackierungen und Innenausstattungen die große Kreavität ihrer Eigentümer beweisen. Präsentiert wird hier eine internationale Auswahl von VW-Bussen mit besonderer bis ausgeflippter Optik, die man selbst bei großen Bulli-Treffen nicht immer zu sehen bekommt.

Der Bulli stellt für jede Fan-Zielgruppe etwas anderes dar. Darin liegt seine Faszination und darin begründet sich auch der Reiz des mitunter etwas skurrilen Buchs, das nicht nur in die Seelen der VW-Bus-Fahrer blickt, sondern auch davon erzählt, warum die britische Bulli-Fanszene so fröhliche Urständ feiert.

David und Cee Eccles: "Mit dem Bulli durch die Welt". Verlag Delius Klasing, 176 Seiten, 315 Farbfotos, 17 S/W-Fotos, 13 Abbildungen, Format 250 x 240 mm, gebunden, ISBN: 978-3-7688-2506-1, Preis 26,00 Euro

Heiko P. Wacker