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Mit dem Bulli durch Portugal

Unsere Bulli-Reise soll diesmal nach Portugal gehen. Das Wetter macht uns keine Hoffnungen. Mehr als bedeckter Himmel ohne Regen ist nicht drin. Frankreich: Die Schlucht des Tarn mit grandiosen Ausblicken aus großer Höhe von der Straße auf den sich unten windenden Fluss.

 ©Hermann Hülder

Es mutet so urzeitlich gewaltig an: Dörfer aus grauweißem Naturstein im Tal mit sich über den Fluss spannenden Brücken. Manchmal sind wir mit unserem Bulli über viele Kilometer ganz allein mit der steilen Felswand zur Rechten und dem Fluss zur Linken.

Hinter Pau kommen uns die ersten Autos mit einer Schneehaube entgegen. Das finden wir noch lustig, denn schließlich regnet es ja gerade nicht zu knapp. Die Straße steigt nun an, jetzt sind wir drin im Gebirge. Ganz allmählich wird aus Schneeregen Schnee. Nun ist klar, woher die Autos da unten trotz Regen Schneehauben trugen! Es hilft ja nichts: Es muss weiter gehen – immer nach oben.

Es wird kurvig. Ein LKW hat sich aus dem Rutschen an einer Felswand gerettet, wo er nun, die Beulen in Kauf nehmend, sicher ruht. Ein weiterer LKW: Der Fahrer läuft in eine dicke Decke gehüllt um seinen Truck. Hat er etwa schon den Diesel verbraucht, läuft keine Heizung mehr?

Keep going, kann's nur für uns heißen. Bloß nicht anhalten. Die Fahrstufe 1 der Automatik ist eingelegt und alles wird umkurvt in langsamster Fahrt. Zum Glück ist nie ein Auto im Weg. Immer weiter dem Gipfel entgegen, in unseren Sinnen lockt uns ganz sicher nach dieser Gefahr die Sonne Spaniens. Der Pass, die Grenze, von nun an geht's wieder bergab. Confranc Estaciòn. Riesige Schneeberge an den Straßenrändern.

Als erstes in Spanien sitzen wir nach dem Abenteuer nun nicht auf einer Terrasse beim Cafe con Leche, sondern genießen die Wärme vor dem offenen Feuer einer Kneipe. Wir freuen uns, dass alles gut gegangen ist. Nun kann's ja nur besser werden. Wir nehmen den direkten Weg über die spanischen Schnellstraßen mitten durch's Land über Madrid – zwölf Grad, sehr windig - Badajoz, portugiesische Grenze, neun Grad, windig, kühler Sonnenschein. Estremadura heißt diese Provinz, weil die Hitze und die Trockenheit das Leben dort so hart machen!

Wir setzen unsere Hoffnung auf die portugiesische Algarve. Wir sehen uns die Stadt Merida mit prunkvollen Häusern und Palmen an den Straßen an. Um Evora treten wir ein ins Land der Korkeichen. Im Ort ein römischer Tempel aus dem 1. Jahrhundert mitten in der Innenstadt. Weiter durch die Landschaft Alentejo. Seit der letzten Kurve fährt ein T2-Bulli wie unserer nur in Grün hinter uns her. Wir können nirgends anhalten. Die Straße ist ganz schmal, manchmal wie ein Hohlweg. Nach gefühlten Stunden öffnet sich die Straße.

Wir halten an: Antonio Manuel Quareama mit seiner Freundin ist auf dem Rückweg von einem Luftgekühlten-Treffen in Spanien. Sie leben unten an der Algarve. Wir fahren bis nach Monte Gordo zusammen. Das schlechte Wetter kommt uns nach. Wir können nur im Bulli sitzen, die Campingmöbel bleiben auf dem Dach. Auf Afrika mit gutem Wetter auszuweichen wird wegen der Kürze des Urlaubs verworfen. Manuel sucht uns im Ort und hat uns den P-Aufkleber seines Heimatlandes für unsere Scheibe mitgebracht.

An der Algarve fahren wir bis zur Südwestspitze. Olhao, Faro, Albufeira , einige der schönen Städte. Natürlich eine Fahrt mit dem Boot an den Klippen bei der Ponte da Piedade. An der Westküste entlang über Lagos, Sagres nach Lissabon. Hier bleibt der Bulli auf dem Campingplatz, währen wir mit dem Linienbus in die Hauptstadt fahren. Die alten Aufzüge und Straßenbahnen, der Altstadtteil Alfama mit den Fado-Kneipen.

Man kann den ganzen Tag durch diese schöne Stadt laufen, auf Plätzen und an Treppen den Galao-Kaffee zu sich nehmen und schauen. Über Figueira da Foz mit breitem Sandstrand und Aveira mit seinen buntbemalten Booten bis zur Straße, die uns wieder nach Osten: Spanien, Frankreich, Deutschland bringen sollte. Nun ist aus Jacken- dann doch Sweatshirt- und schließlich T-Shirt-Wetter geworden.

Dieser und die nachfolgenden Artikel von Hermann Hülder sind in 2010 zuerst in der Wattenscheider Lokalausgabe der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" erschienen und wurden mit freundlicher Genehmigung der Redaktion und des Autors bei VW-Bulli.de veröffentlicht.

Hermann Hülder