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Mit dem Bulli in Italien

Nach einer Zwischenstation im Glottertal, einer recht zügigen Fahrt über den Gotthard und das nördliche Italien sind wir in Rivergaro am Rande der Toskana angekommen. Wir wollen weit nach Süden, nach Sizilien, deshalb die anfängliche Eile.

 ©Hermann Hülder

Nach einer Zwischenstation im Glottertal, einer recht zügigen Fahrt über den Gotthard und das nördliche Italien sind wir in Rivergaro am Rande der Toskana angekommen. Wir wollen weit nach Süden, nach Sizilien, deshalb die anfängliche Eile.

Es ist die letzte Nacht dieser Camping-Saison, dabei schreiben wir erst den 11. September. Doch die Ferien gehen in Italien zu Ende, so erwartet man wohl keinen Reisenden mehr. Das gibt uns zu denken für den Rest der Tour. In dem Moment, in dem wir ankommen, ist auch schon alles eingerichtet. Tisch und Stühle sind in zwei Minuten vom Dach. Wir schlendern bei einsetzender Dunkelheit durch die Stadt, essen Pizza, deren Preis nach Gewicht berechnet wird, und später Eis vom Allerbesten.

Am nächsten Tag kreuzen wir die Toskana, erfreuen uns an der schönen Landschaft, durch die diese Straße führt. Die Zypressenalleen, die sanften Dörfer tragenden Hügel. An der sorentinischen Halbinsel hat uns dann endlich der Süden. Quirlige Innenstädte mit Plätzen, die zum Verweilen auf einen Kaffee einladen, Schatten spendende Bäume über den Terrassen.

Die Sonne kitzelt das fröhliche Gelb aus dem Ocker der Häuser. Bänke in den Hofeingängen erzählen vom friedvollen Nach-Hause-Kommen. Wir fahren an der amalfitanischen Küste entlang, oft auf Straßen weit über dem Meer, das azzuro von unten grüßt. Wilde Klippen, Parkbuchten mit Geländern am atemberaubend abbrechendem Land.

Zuweilen halten Händler ihre farbenprächtige Ware feil. Es locken aufgefädelte gelbe und rote Peperoni, Limoncelo-Zitronenlikör, Obst und Käse zum Kauf. Immer wieder die Ausblicke auf die an der Steilküste klebenden Städtchen. Man möchte sie alle besuchen. Doch nehmen sie nicht die vielen Autos auf. In den Gassen parken die Bewohner ihre Fahrzeuge, die kleinen Plätze sind schnell gefüllt, oben an der Straße ist Parkverbot.

So reist man etwas getrieben durch ein wunderschönes, doch auch so volles Land. Endlich senkt das befahrene Land sich wieder dem Meere zu und lädt uns zum Verweilen ins kleine Hafenstädtchen Minori. Der Bulli ist unsere Umkleide. Im sauberen Wasser des Hafenbeckens kühlen wir uns ab. Dort kann man herrlich schwimmen.

Ein Bummel durch den Ort, wieder mal ein Quätschchen beim Eis-Essen, und dann geht’s weiter nach Süden. In Paestum lockt uns die alte Griechen-Stadt. Vor dem Besuch der Ruinen fahren wir auf den Campingplatz. Auch hier wird am nächsten Tag geschlossen.

Es sieht auch sehr herbstlich aus, da rundum alle Bäume viele Blätter verlieren. Jedoch scheint am nächsten Tage die Sonne. Die ganze alte Stadt ist nie wieder bebaut worden. Von allen Gebäuden sind zumindest die Grundmauern noch da. Im riesigen Theater meint man noch die Worte der letzten Tragödie zu hören. Den Aufklärungs-Tafeln entnehmen wir, dass die Gebäude keineswegs weiß waren, wie wir’s heute mit den Griechen verbinden, auch nicht die heutige Farbe der Ruinen hatten, sondern dass alles bunt bemalt war.

Auf der anderen Straßenseite sehen wir schwarze Büffel unter den Schattenbäumen liegen. Hierher kommt der Mozzarella aus Büffelmilch.

Vor der Überfahrt nach Sizilien wollen wir noch einmal auf einen Campingplatz. Wir fragen Menschen vor ihren Häusern danach. Sie weisen immer in die eine Richtung. In der Nähe des Fähranlegers sei einer mit Namen Gallico oder so ähnlich. Mehrmals fahren wir am Anleger vorbei. Es ist dunkel geworden. In einer Firmeneinfahrt wollen wir eigentlich nur wenden, bleiben dann aber für die Nacht auf diesem Parkplatz.

Dieser und die nachfolgenden Artikel von Hermann Hülder sind in 2010 zuerst in der Wattenscheider Lokalausgabe der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" erschienen und wurden mit freundlicher Genehmigung der Redaktion und des Autors bei VW-Bulli.de veröffentlicht.

Hermann Hülder