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Salzburger Dreierlei

Mit seinem ersten, unprofessionell restaurierten Bulli hatte Klaus nichts als Ärger. Foto: www.bug-box.de

So unterschiedlich die Geschmäcker und Vorlieben der Menschen im Allgemeinen sind, so verschieden sind auch ihre Traumautos. Klaus ist Grafik-Designer und arbeitet als Freiberufler für ein Designbüro im österreichischen Salzburg, das sich hauptsächlich mit der Gestaltung von Motorrädern für eine inländische Moped-Manufaktur beschäftigt. Geschmack hat der junge Österreicher, was er mit seinen Dekor-Entwürfen eindrucksvoll unter Beweis stellt.

So außergewöhnlich wie sein Beruf sollte auch sein Fahrzeug sein. Ein alter Bulli mit geteilter Frontscheibe war schon immer Bestandteil seiner Träumereien. "Da hat man Platz zum Transportieren, ein Oldie ist es dazu und die Technik kann man den Gegebenheiten der heutigen Zeit anpassen, um nicht als rollendes Verkehrshindernis zu gelten", sagte sich Klaus.

Nach dem Erwerb des zweiten Bullis stellte sich heraus, dass dieser mehr oder weniger "tot" war. Foto: www.bug-box.de

In seiner Heimatstadt Salzburg fand Klaus bald einen angeblich renommierten Alt-VW-Restaurator, der ihm versprach, den Bulli seiner Vorstellung Realität werden zu lassen. Zweifarbig grau-silber mit 356er-Chromfelgen und einem leicht modifizierten Triebwerk, so wünschte Klaus sich den klassischen Look des Busses. Die Farbgebung sollte auf etwas Hightech unter der alten Hülle schließen lassen. Farblich abgestimmt mit Applikationen aus verchromtem und poliertem Metall sollte das Interieur der Außenseite in nichts nachstehen. Akzente im Inneren sollten ein neuwertiges 4-Speichen-Lenkrad und ein teurer, aber hochwertiger Berg-Shifter setzen. Gesagt, getan. Der angebliche Fachmann erhielt den Auftrag zum Umbau des von Klaus angeschafften 66er Fensterbusses.
 
Weiter ging es wie so oft im Leben: Der Auftraggeber zahlte und es passierte nicht viel. Nach einer sehr langen Wartezeit mit vielen Abschlagszahlungen und noch mehr Aufforderungen an den Restaurator, den Bus endlich zu fertig zu stellen, war es schließlich so weit. Der betagte Bulli stand da wie die sprichwörtliche Eins - so jedenfalls glaubte Klaus. Lack und die Chromfelgen glänzten um die Wette. Vergessen waren die vielen Monate des Wartens und auch die vielen "Alpendollars" (zu jener Zeit gab es noch keinen Euro), die den Besitzer wechselten. Genauso hatte sich der junge Grafiker sein Fahrzeug vorgestellt.

Dieser Feuerwehr-Bulli war ein Geschenk des Nachbarn. Foto: www.bug-box.de

In der Folge benutzte Klaus den Bus auch wie vorgesehen, stellte jedoch nach und nach Gebrechen fest, die ein frisch restauriertes Auto eigentlich nicht haben sollte. Die Lenkung hatte Spiel, die Vorgelegelager sangen "das Lied vom Tod" und anlässlich einer Überprüfung der Mechanik auf der Hebebühne eines Autohauses folgte die endgültige Ernüchterung: "Geschweißt war da nichts! Den Rahmen haben die mit Glasfaserspachtel zusammengeklebt, wie auch den Rest des Fahrzeugs. Das kannst Du vergessen, einen TÜV bekommst Du damit nicht mehr." Soweit der gnadenlose Kommentar des Werkstattmeisters.

Was unserem Busfahrer in diesem Moment durch den Kopf ging, war alles andere als jugendfrei. Nach einer erfolglosen Unterredung mit dem Restaurator und angeblichen VW-Kenner, der in Wirklichkeit lediglich Sattler war (die Innenausstattung war demzufolge gelungen und wurde weiterverwendet), beschloss Klaus, sich nun von einem wirklichen Fachbetrieb einen Samba-Bus restaurieren zu lassen. Auf eBay Österreich wurde er fündig und kaufte unbesehen für eine erkleckliche Summe einen 66er Samba-Bus, der von Kindern mit Wandfarbe auf "lustig" getrimmt worden war. Nach dem Transport ins heimische Salzburg und der anschließenden Entfernung der "frischen" Lackierung folgte abermals ein Desaster: Es stellte sich heraus, dass der Samba-Bus mehr oder weniger "tot" und eine Restauration nicht im finanzierbaren Bereich war.

Das "Bug Box"-Team restaurierte den Feuerwehr-Bulli. Foto: www.bug-box.de

 Nach so viel Pech sollte ein Mann auch mal wieder Glück haben. Das dachte sich wahrscheinlich eine himmlische Macht und schickte Klaus einen älteren Nachbarn vorbei. Dieser sagte: "Ich hätte da noch einen alten Bulli hinter dem Haus stehen. Möchten Sie den haben? Ich brauche Platz." Nach einer kurzen Besichtigung war alles klar. Der ebenfalls 1966 erbaute Ex-Feuerwehrbus war ungeschweißt und im Erstlack erhalten geblieben. Der Rostbefall hielt sich in Grenzen und obwohl der Besitzer kein Geld für den Bulli wollte, gab ihm Klaus eine kleine "Trennungs-Entschädigung". Dies war der bislang beste Deal im luftgekühlten Albtraum von Klaus.  

Aus den drei Fahrzeugen ein gescheites machen, war nun sein Wunsch und über seinen Job kam er bald in Kontakt mit einem Fahrzeugrestaurator, der einen neuen Betrieb aufbauen wollte und dafür Werbematerialien benötigte. Klaus wurde als Gegenleistung für seine grafischen Arbeiten die Restauration seines Feuerwehrbusses angeboten. Das Geschäft kam zustande und beide Seiten fingen mit viel Elan an, aber nur der junge Grafiker erledigte seinen Auftrag vollständig. In dem mittlerweile renommierten Fachbetrieb für Oldtimer aller Art standen die Arbeiten am roten Feuerwehrbus still. Auf Nachfrage antwortete man Klaus mit einem Kostenvoranschlag zur Fertigstellung, der sich gewaschen hatte. So viel Geld wollte Klaus nicht ausgeben und außerdem waren die bislang erledigten Arbeiten nicht unbedingt zu seiner Zufriedenheit ausgeführt worden.

Der fertig restaurierte Bulli - optisch und technisch ein Prachtexemplar. Foto: www.bug-box.de

Über einige Zeitungsartikel und die Internetseite www.bug-box.de fand Klaus schließlich den Weg zu unserer Werkstatt. Wir fuhren nach Salzburg, um uns ein Bild von der Misere zu machen. Der Feuerwehrbus war wie vermutet der beste und die Scheibenbremse, die Felgen sowie die Innenausstattung des Erstlingswerks sollten übernommen werden. Eventuell etwas tiefer mit Tieferlegungsachsschenkeln, verstellbarer Vorderachse und einer zeitgemäßen Schräglenkerumrüstung an der Hinterachse, so lautete unsere Absprache. Natürlich sollte die Karosserie in einen "besser als neu"-Zustand gebracht werden. Bereits zwei Wochen später holten wir den roten 66er zur "Kur" in die nördliche Oberpfalz ab.

Die langwierigsten Arbeiten waren im Anschluss die Entfernung der Schweißkünste des Fachrestaurators in Salzburg, der unter anderem zwei nagelneue, originale Kniestücke vernichtet und im Spritzwasserbereich der Vorderräder einfach großflächig Bleche über den Rost gebraten hatte. Die Krönung dieser Demonstration von "fachlich einwandfreier" Arbeit war jedoch die Tötung der Frontmaske.

Nach diesen Entdeckungen fragten wir uns, wie gut die vielen "restaurierten" High-Price-Oldies auf den Straßen wirklich sind. Die Gedanken sind frei! Wir jedenfalls waren erst einmal beschäftigt...(siehe Bildergalerie)

Weitere anschaulich beschriebene und illustrierte Dokumentationen von VW-Bus-Restaurationsprojekten der "Bug Box"-Werkstatt finden Sie direkt auf der Webseite www.bug-box.de

Walter Jelinek