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Samba mit Porsche-Carrera-Herz

Dieser T1 Samba-Bus (Bj. 1965) sollte ursprünglich beim Film Karriere machen, aber es kam anders: Nach einem misslungenen Restaurierungsversuch wurde der Bulli schließlich von der Spezialwerkstatt "Bug Box" gerettet und grunderneuert.

 ©Walter Jelinek

Schauspieler zu werden ist der Traum vieler. Ruhm und Anerkennung sind es, die das Star-Dasein verspricht. Unser Kandidat hatte dieses Ziel. In den 80ern und 90ern wurde er für Filmprojekte gecasted. Einer davon war der Thomas-Gottschalk-Film "Keep On Running".

Natürlich handelt es sich hier nicht um einen Darsteller aus Fleisch und Blut, sondern um einen T1 des Modelljahres 1965. Seine ungewöhnliche Sonderausstattung mit zwei Schiebetüren verhinderte damals seine Karriere. Ursprünglich als Stunt-Fahrzeug vorgesehen, konnte er nicht verwendet werden, da der "Hauptdarsteller" zwar über die gleiche Lackierung verfügte, jedoch mit den profanen Flügeltüren ausgestattet war.

 ©Walter Jelinek

Nach Abschluss der Dreharbeiten standen die insgesamt drei Filmbusse zum Verkauf. Der Preis war heiß und der Münchner Thomas Hanna ließ sich das nicht zweimal sagen. Zusammen mit einem Freund erwarb er das Buskonvolut. Unser Schiebetüren-Bus verfügte noch über sein originales Lackkleid und war ungeschweißt.

Tatsachen, die für eine schnelle Wiederbelebung sprachen. Mit überprüfter Mechanik, teilüberholten Bremsen und einem frischen TÜV-Stempel auf dem Nummernschild ging es ab in den Alltagsverkehr. Der Bus sollte seinem neuen Besitzer noch einige Jahre als Alltagsfahrzeug dienen.

Sein neuer Besitzer hatte Großes vor. Wohlwissend um die Filmkarriere des Bullis wollte er den Beinahe-Star des deutschen Kinos komplett sanieren lassen. Der dafür von ihm ausgewählte Fachbetrieb war aber offensichtlich nicht vom Fach: So wurde der Lehrling beauftragt, den Bus sandzustrahlen, was er mit sehr viel Laune auch tat. Wir nehmen an, dass vor dieser Behandlung, die übrigens mit Stahlschrot durchgeführt wurde, lediglich die Fenster und Sitze ausgebaut wurden.

 ©Walter Jelinek

Bei der späteren Anlieferung in unserem Betrieb mussten wir feststellen, dass neben dem Reserverad und dem noch angebauten Dachträger auch die komplette Elektrik gestrahlt wurde. Offensichtlich wurde durch die falsche Wahl des Strahlgutes, des falschen Strahldrucks und des falschen Arbeiters die gesamte Außenhaut zerstört. Um den Pfusch zu vertuschen schnitt der Fachbetrieb daraufhin die Außenbleche komplett vom Fahrzeug.

Einige Tage vor der Einweihung unserer neuen Werkhalle im Mai 2000 erhielt ich den Anruf eines Angestellten des Busbesitzers. Er fragte mich, ob wir in der Lage wären, einen Zwei-Schiebetür-Bulli zu restaurieren.

Nicht wissend, was da kommen sollte, sagte ich kurzentschlossen ja. Als am späten Nachmittag jemand mit einer Busruine auf dem Anhänger vorfuhr, wollten wir flüchten. Frontmaske, Seitenteile, Kniestücke, Ecken und Radläufe waren herausgetrennt worden. Der verbliebene Rest war ebenso unfachmännisch mit "Fertan" angestrichen worden.

 ©Walter Jelinek

Das Schlimmste jedoch war, dass der Metallschrot, mit dem gestrahlt wurde, in den Hohlräumen gelassen wurde. Diese wurden im Laufe der Zeit feucht und das Strahlgut bzw. die Hohlräume fingen an, von innen zu rosten. Nachdem wir uns von dem ersten Schock erholt hatten, warteten wir auf den Besuch des Besitzers, der einige Tage später auch vorbeischaute.

Nach eindringlichen, erfolglosen Versuchen, ihm das Ganze auszureden, waren wir am Ende des Tages um einen Restaurationsauftrag reicher: Zurück zum perfekten Originalzustand hieß die Devise.
 
Schon im Anfangsstadium der Zerlegungsarbeiten wurde der Auftrag um eine Tieferlegung und Alufelgen erweitert. Später kam der fast obligatorische Typ4-Motor hinzu. Schön viel Leistung sollte er haben. Wir erklärten, dass Leistung immer zu Lasten der Standfestigkeit geht. Im Handumdrehen lag ein Dreizweier Sechsender mit Getriebe in unserer Halle.

 ©Walter Jelinek

Wird schon gehen, dachten wir und nach unzähligen Tricks, Kniffen und Spezialanfertigungen hing der 231 PS Carrera-Motor im 65er Bus, der zwischenzeitlich über eine komplett aus originalen Blechteilen bestehende Karosserie verfügte. Mittels eines Schlachtobjekts war er sogar zum Zwei-Schiebetüren-Samba mutiert. Seltener, schneller und besser geht’s kaum.

Um die ganze Fuhre stoppen zu können, entwickelten wir eine innenbelüftete 4-Kolben-Bremsanlage für die Vorderachse. Den Hinterrädern wurde mit einer Kerscher-Scheibe Einhalt geboten. Da die originale Drehstabfederung der Hinterachse dem Getriebe weichen musste, entwickelten wir unter Mithilfe von MBT und KAW ein Gewindefahrwerk, das der Urkraft des Triebwerks standhalten soll.

 ©Walter Jelinek

Auch die Antriebswellen mussten den Gegebenheiten entsprechend speziell angefertigt werden. Nach einigen Vorversuchen erwiesen sich serienmäßige Porsche-Wellen als nicht geeignet. Der Erbauer dieser Spezialwellen gab uns eine "Garantie auf Lebenszeit", was auch immer das bedeuten soll.

Wer nun schon einmal einen schnellen T1 gefahren hat, der weiß, dass man mit der vorhandenen Lenkung nicht wirklich sicher unterwegs ist. Für ein Fahrzeug, das irgendwann über 200 gehen soll, bietet dieses Ruder keinerlei Potenzial. Mit diesem Wissen entwickelten wir eine Zahnstangenlenkung, von der wir uns eine direkte und leichtgängige Arbeitsweise versprechen.

 ©Walter Jelinek

Technik und Karosserie waren nun auf Vordermann. Der Lackierer konnte kommen. Der Rolling-Body wurde zu einem VW-Händler unseres Misstrauens gebracht, der auch prompt unsere Erwartungen erfüllte. Auch nach der dritten Nachbesserung entspricht das derzeitige Lackbild weder unseren Erwartungen noch unseren Vorarbeiten.

Der Besitzer entschied sich mittlerweile für Zusammenbau, um endlich fahren zu können. Vielleicht findet sich ja eines Tages jemand, der weiß, wie viel Blut, Schweiß und Tränen im Projekt "Carramba" stecken und erfüllt uns den Wunsch auf ein makelloses Finish. Ein Finish, wie es zum Beispiel die Regensburger Autosattlerei Mühlbauer im Innenraum geschaffen hat.

Als Krönung erhielt der Bus Safari-Fenster vorne und hinten und jeweils drei Ausstellfenster mit polierten Aluminiumrahmen links und rechts! Die Verglasung wurde passend zu den Oberlichtern in Grün gehalten.

 ©Walter Jelinek

Als "Finishing Touch" steckt ein neues, schwarzes Flat4-Lenkrad im Seriendesign des normalen Busses auf der Lenksäule.

Normal deshalb, weil der Samba eigentlich im Gegensatz zu allen anderen Bussen ein elfenbeinfarbenes Lenkrad hätte, das wiederum nicht mit den Innenraumfarben harmonisieren würde. Lediglich der Einsatz des Hupenknopfs ist vom Top-Modell der Bullis geblieben.

Wir bedanken uns bei allen, die uns bei der Realisierung dieses Projekts zur Seite gestanden haben. Carramba!

Technsiche Details:

Basisfahrzeug: T1 Kombi Typ 22 mit zwei Schiebetüren
Modelljahr: 1965
Erstzulassung: 1965
Motor: 3,2 Liter 6-Zylinder Porsche Carrera von 1989
Leistung: 231 PS
Hubraum: 3.200 ccm
Motor-Extras: gecleant, K&N-Luftfilter
Auspuffanlage: Edelstahl, Eigenbau
Getriebe: Fünfgang-Getriebe G50 aus 89er Carrera
Lenkung: Bug-Box / Zahnstangenlenkung für T1
Fahrwerk: Bug-Box / Schräglenker-Hinterachse mit Federbeinen und Uniball-Aufhängungen, Vorderachse mit Rasterplatten und Achsabstützungen
Stoßdämpfer: Koni
Bremsanlage: Bug-Box / innenbelüftete 4-Kolben-Scheibenbremse gelocht mit Bremskraftverstärker, gelochte Kerscher-Scheibenbremsanlage.
Felgen: polierte Fuchsfelgen 6+7x16“
Reifen: 195/45-15 und 205/55-15
Karosserie: kompletter Neuaufbau aus originalen Neuteilen zum Samba
Lackierung: Saharabeige und Anthrazit
Innenraum: anthrazitfarbenes Leder und Alcantara, Veloursteppich in Mercedes-Qualität, von der Autosattlerei Mühlbauer in Regensburg ausgeführt

Walter Jelinek