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Samba-Modell im Eigenbau

Wir haben einen kleinen Rekord zu vermelden: Nach gut einem Jahr "Bauzeit" ist in diesen Tagen unser roter Samba-Bus fertig geworden. Statt Schraubern haben wir Kleber werkeln lassen…

Schwarze Plattform, graue Sitze - und vorne Handbremse und Schalthebel

 ©eba

Modellbau kann ein wunderbares Hobby sein. Wenn man feine Finger, ein scharfes Auge, gute Nerven, viel Platz und vor allem eine Unmenge Geduld hat. Aus lauter Freude am Thema Bulli haben wir uns an ein gut gemeintes Geschenk gemacht – mit dem Ergebnis, dass der Autor sich es heute noch zutrauen würde, einen luftgekühlten VW-Motor zu zerlegen und wieder zu montieren. Doch mit dem Plastik-Fuzzel-Kleinkram der bunten Packung aus dem riesigen Revell-Sortiment hatte er nichts am Hut.

Die Konsequenz: Beobachten muss genügen, auch beim Zuschauen kann man lernen. So kam es, dass unser Freund Jürgen H. viele Stunden lang am Esszimmer-Tisch den Bauplan studierte und nach und nach die durchnummerierten Teile, eines grauer als das andere, abknipste, herausbrach und zur Seite legte – quasi auf eine Art Montagelinie. Doch mit Fließbandarbeit war da nichts zu machen - denn, wie der Name schon sagt, ein Esstisch ist nicht nur zum Basteln da…

Später sichtbares "Blech" muss in Samba-Rot lackiert werden - erst dann wird montiert.

 ©eba

Schnell hat der ehemalige Diplom-Ingenieur, der sich mit Fahrzeugen aller Art auskennt, die in Fabriken oder Kliniken fremdgesteuert und von alleine fahrend, Materialien von einem Ort zum anderen bugsierten, die Übersicht gewonnen. Wichtigste Erkenntnis: Man muss in Baugruppen arbeiten – und, noch wichtiger, ehe man die nächste beginnt, sollte die vorherige ganz fertig sein. Und das hieß vor allem: In den richtigen Farben bemalt.

So wurde die Bodengruppe grau und schwarz, der Boxermotor und das winzige Würfelchen, das den Akku im Motorraum darstellen soll, ebenfalls rabenschwarz. Die Karosserie wurde zweifarbig – nämlich weiß und rot, wie im Original. Da durften natürlich die Spiegel und Scheibenwischer, Teile, die man nur mit der Pinzette anfassen sollte, nicht einfach grau bleiben, sondern in Silber erstrahlen.

Viel Kleines ergibt was Großes: Dach und Fensterfront werden lose aufgesetzt

 ©eba

Was die Feinarbeit angeht, muss hier festgehalten werden, dass man sie am stehenden Modell leider nicht sehen und deshalb auch nicht richtig würdigen kann: Modellgetreue Radführungen, ein Lenkungsdämpfer, Räder mit Reifen und Radkappen und, wo immer es geht, sogar Fenster zum Einsetzen, Hauben zum Öffnen, Türen zum Klappen. Leider ist ein Scharnier abgebrochen, weshalb eine Tür nun mit einem Klecks Sekundenkleber fixiert werden musste.

Das Ende der Geschichte: Ein Lego-Bulli ist leichter zu bauen, aber er kann dem Vergleich mit diesem Modell, das uns an unsere Grenzen gebracht hat, nicht standhalten. Jetzt steht der Samba im Regal - und bei jedem Abstauben fassen wir ihn mit Ehrfurcht an. Und ein wenig Angst, dass ein Außenspiegel abbrechen könnte oder sich sonst etwas löst - ach, du kriegst die Tür nicht zu…

von Gerhard Mauerer