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Spanischer Bio-Bauer

Manuel Arrebola Santana kam per Zufall zu seinem T4. Heute kann sich der 52-jährige Bio-Bauer sein Leben in Andalusien ohne Bulli nicht mehr vorstellen. Bei der Arbeit und im Privatleben ist er für ihn unverzichtbar geworden.

 ©Gerhard Mauerer

Es war ein Zufall, der Manuel Arrebola Santana und seinen Bulli zusammenführte. Vor vier Jahren, als sein alter Renault Express den Geist aufgab, fuhr der spanische Gemüsebauer zu seinem Renault-Händler in Vélez-Málaga und wollte einen neuen Wagen. Der Händler, ein Freund, sagte ihm, er habe da auch einen gebrauchten VW-Bus, einen T4, ob er sich nicht diesen Wagen vorstellen könne?

Eine Probefahrt später, ein Freundschaftspreis von 3.000 Euro für den T4, Benziner, Baujahr 1990, und schon war Manuel Bulli-Fahrer. Und wurde in kürzester Zeit zu einem großen Bulli-Fan. Nichts kann ihn heute von seinem altgedienten VW Bus trennen. "Der Bus, die 'Furgoneta', wie wir die Bullis hier in Spanien nennen, ist das beste Auto, das ich je hatte", sagt Manuel. "Was ich in ihm schon alles transportiert habe..."

 ©Gerhard Mauerer

Manuel liebt seinen Bulli. Kürzlich war er wegen einer Kleinigkeit in der Werkstatt. Dort waren ein Marokkaner und ein Schwarzafrikaner und fragten Manuel, für wieviel Geld er seinen Bulli denn verkaufen würde. "Ich sagte: 4.000 Euro. Die beiden sagten sofort: Sí, sí, okay! Dann lachte ich aber nur und sagte ihnen, das war ein Witz, ich würde dieses Auto niemals verkaufen. Aber schau, drei Jahre, nachdem ich ihn gekauft hatte, wollte mir jemand 1.000 Euro mehr dafür geben. So viel zum Thema Wertstabilität."

Manuel ist 52 Jahre alt, Bio-Bauer aus Almayate an der Costa Axarquía in Andalusien, 35 Kilometer östlich von Málaga. Er lebt mit seiner kleinen Familie in den schroffen Hügeln, die direkt hinter dem Strand aufsteigen. Ihre Gipfel sind jetzt im Januar schneebedeckt, am Meer jedoch ist es frühlingshaft warm. Steile Wege führen hinauf zu seinem Haus und seinen Feldern und Gewächshäusern.

 ©Gerhard Mauerer

Manuel trinkt einen Kaffee in einer kleinen Bar in Almayate. Gerade hat er seine Tagesernte an Tomaten zum dortigen Großmarkt gebracht. Natürlich mit dem Bulli. Den steilen Hang hinunter, durch das glucksende Wasser des Gebirgsbaches, der den ungeteerten Zufahrtsweg zu seinem Haus regelmäßig überflutet - Tau- und Regenwasser aus den Bergen.

"Seit ich die Furgoneta habe, habe ich nur Freude an ihr", erzählt Manuel. "Ein 1.500 Kilogramm-Ladung Holz habe ich in ihr schon transportiert, fast 2.000 Kilogramm Flüssig-Dünger, die Steine für meine 60 Meter lange Gartenmauer, und natürlich jeden Tag meine Tomaten, Paprika und Bohnen." Manchmal, so wie jetzt im spanischen Winter, sind es nur 400 Kilogramm, die Manuel per Hand in den Bulli einlädt, manchmal aber auch sind es 1.500 Kilogramm pro Fahrt.

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Manuels Haupt-Einnahmsquelle sind seine Tomaten. Er besitzt aktuell rund 4.000 Pflanzen, jede von ihnen gibt bei guter Ernte zehn Kilogramm Gemüse. Und die aktuelle ist eine gute Ernte. Das milde Klima Südwest-Spaniens führt dazu, dass es zwei Ernten pro Jahr gibt.

Also fährt Manuel jeden Tag - außer sonntags, da ist der Markt geschlossen - von seinem Haus in den Hügeln hinunter zum Großmarkt von Almayate, um sein Gemüse zu verkaufen. Die Kilo-Preise schwanken regelmäßig stark. Vor Weihnachten waren es mehr als 1,20 Euro, momentan sind es eher 50 oder 60 Cent, die er pro Kilogramm bekommt. Manuel verrichtet die ganze Arbeit allein, ohne Angestellte oder Hilfsarbeiter, und versorgt seine kleine Familie mit Frau, Sohn und zwei Hunden.

Die meisten Bauern in dieser Region fahren entweder Bulli oder Mercedes Vito. Manuel sagt: "Auf lange Sicht ist der Bulli für mich die eindeutig bessere Wahl, weil man einfach weniger Reparaturen hat." Zudem würden die paar Zentimeter mehr Bodenfreiheit in seiner Region oft den Unterschied ausmachen.

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In Südwestspanien sind viele Nebenstraßen nicht befestigt, allenfalls als Feldwege zu bezeichnen. Zudem ist die Region sehr bergig. Wenn es regnet, werden viele Wege für normale Pkw unpassierbar. Daher, so Manuel, steigt die Zahl der Bullis und sinkt die Zahl der Vitos und anderer Lieferwagen, je ländlicher die Gebiete werden.

Ein Freund Manuels kommt in die Bar, ein Bauer, der auch einen T4 fährt. "Und, alles klar mit deinem Wagen?", fragt Manuel. Der andere nickt: "Fährt wie ein Uhrwerk."

Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen hat Manuel keinen Transporter mit geschlossener Kabine. Bevor er morgens mit der Arbeit loslegen kann, muss er erst seinen achtjährigen Sohn Christopher zur Schule bringen. Dazu baut er mit wenigen Handgriffen die Rückbank ein. Kommt er zurück, baut er die Bank wieder aus, denn nun benötigt er die ganze Ladefläche, um sein Gemüse einladen zu können.

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"Wenn ich den Bulli mit meinem vorherigen Auto, dem Renault, vergleiche, dann fällt der Vergleich nur positiv aus", sagt Manuel. "In den Renault habe ich maximal 42 Gemüsekisten stapeln können, in den Bulli passen 84, also doppelt so viele!"

Auch sein nächster Wagen wird eine "Furgoneta" werden. Die aktuelle hat bereits über 322.000 Kilometer auf dem Tacho, mit dem ersten Motor, aber noch fährt sie wie eine eins. Der neue Bulli soll dann ein wenig mehr Luxus bieten. "Eine Klimaanlage will ich dann schon haben, und ein Diesel soll es sein", sagt Manuel. Aber dass es wieder ein Bulli werden wird, ist sicher: "Die Furgoneta ist für das Leben auf dem Land einfach das beste Auto."

Gerhard Mauerer