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Suche nach einem Stück Wirklichkeit

Heidi Mitterhuemer und Horst Eder aus Oberösterreich waren acht Monate lang und 30.000 Kilometer weit im T3 unterwegs durch den Nahen Osten bis Iran. Der Reiz der Reise lag auch an den krassen Unterschieden zwischen den verschiedenen Ländern.

 ©Eder

Ihr bunter VW Bus hatte zuvor schon zwei Jahrzehnte lang viel Staub geschluckt – und das Haupt-Reiseziel: der Iran. Ein Land, von dem man viel hört, aber wenig weiß. Der „gewisse Reiz“ war da. Ihm sind die beiden erlegen.

Auch das Wissen, acht Monate unterwegs sein zu wollen und zu können, verstärkte diese reizvolle Vorstellung. Türkei, Iran, Vereinte Arabische Emirate, Oman, Saudi-Arabien, Jordanien, Israel – einige Länder standen auf dem Routenplaner, viele Reisepunkte haben sie erreicht. Doch die bleibendsten Ereignisse waren jene im Iran. „Wir waren zwei Monate im Land, haben 8000 Kilometer zurückgelegt und dabei Menschen erlebt, die einen herzlich willkommen heißen und Hilfe in einer Art anbieten, wie wir das nicht gewohnt sind“, sagt Eder. Sie hätten sich nur mit der Frage vieler Iraner beschäftigen müssen, warum sie hierher kommen, wo doch „die Leute sagen, dass wir Terroristen sind“.

Natürlich müsse man sich an die Spielregeln halten, und natürlich spüre man auch die Spannungen. Vor allem Teheran gleiche einem Pulverfass. „Die Leute in der riesigen Stadt sind zwar freundlich, aber es knistert ein wenig. Es ist so, als würde stets darauf gewartet, dass wieder etwas passiert“, erinnert sich Eder. In anderen Städten würde man diese Stimmung aber nicht erleben.

Dafür – und das war mit auch eine Herausforderung, der sich der Oberösterreicher mit seiner Lebenspartnerin stellen wollte – ist man hinsichtlich der Stellung der Frau im Iran von Fortschritt weit entfernt. „Das Land hat ein religiöses Korsett, in dem das Leben für Frauen schwer ist. Das haben wir vor allem in Gesprächen mit jungen Frauen immer wieder gehört. Wenn man allerdings im Wissen um diese andere Beziehung zwischen Frau und Mann in der Gesellschaft hinfährt, dann kann man damit auch umgehen“, so Eder.

Der Reiz ihrer Reise lag auch am Wechsel der Welten. Vom Iran kamen die Oberösterreicher nach Abu Dhabi und erlebten eine Art Kulturschock. Denn innerhalb kurzer Zeit fanden sie sich in einer Welt des Überflusses wieder.

Die ausgedehnte Reise, in der natürlich Begegnungen so prägend waren wie atemberaubende Landschaften und faszinierende Städte, hat Eder und Mitterhuemer aber auch vieles über sich gelehrt. Zeit und Geduld wurde ihnen anerzogen, weil man viele Wartezeiten vor allem an den Grenzübergängen über sich ergehen lassen muss. Mitteleuropäer, die mit einem Bus unterwegs sind, findet man hier eher selten. Dazu kam eine neue Erfahrung der Partnerschaft, weil man eben auf engstem Raum lebt – und das in ihrem Fall noch mit Hund.

Das Ankommen zu Hause sei ihnen relativ leicht gefallen, sagt Mitterhuemer, wenngleich die Rückkehr aus der Welt, in die sie monatelang eingetaucht waren, etwas zu schnell ging. Wenn sich die beiden die Bilder ihrer Reise anschauen, dann könnten sie sofort wieder wegfahren. Aber Österreich sei ein schönes Land und dessen sind sie sich bewusster geworden. Und: „Wir sind kritischer geworden, was unser eigenes Leben betrifft. Man kommt mit viel weniger aus und lebt dennoch gut“, sagt Eder.

Zu Person und Fahrzeug

Horst Eder, in Alkoven lebender Endvierziger, beschreibt sich selbst als einen reiselustigen Menschen. Der Sozialpädagoge ist gerne in der Natur unterwegs, am liebsten zieht es ihn in fremde Länder. Unterwegs ist er dann mit seinem „bunten Bus“, einem VW-T3. Mehr als 330.000 Kilometer ist Eder mit dem Bus bereits durch die Welt gefahren. Die 70 PS leisten dabei genügend Antrieb, um in aller Ruhe zu reisen, denn schließlich ist der Zeitfaktor insofern entscheidend, als nur das bedächtige Reisen das wahre Erleben möglich macht. Dem Bus hat der Oberösterreicher einen Namen gegeben. „Fidel“ heißt er, weil er, so Eder, „ein alter Kämpfer“ ist. Der Name fiel ihm bei einer Radtour in Kuba ein.

Das Fotografieren, seit langem Hobby, ist Eder mittlerweile genauso wichtig geworden wie das Unterwegssein. „In meinen Bildern versuche ich immer, für mich prägende Momente festzuhalten und Details zu zeigen.“

Mit freundlicher Genehmigung der "OÖNachrichten"

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