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Sven Ricke

Im April 2010 kaufte sich Sven Ricke aus Hamburg einen T4 California. Wie sich herausstellte, war der VW Bus bereits im November 1990 erstmals zugelassen worden, während die offizielle Serienproduktion des T4 California erst in 1991 begann. Anlass für eine Recherche bei Volkswagen.

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Ursprünglich hatte Sven Ricke lediglich einen Camper für Ausflüge und Reisen mit seinen beiden Kindern gesucht. Eine deutsche Automarke sollte es sein: qualitativ hochwertig, sicher, zuverlässig und geräumig. Was lag in diesem Fall näher als ein VW Bus? Der 43-jährige Diplom-Kaufmann aus Hamburg hatte noch nie zuvor einen Bulli besessen und ließ sich von seinem Bruder Kai, einem passionierten T2-Fahrer, beraten.

Schnell waren sich beide darüber einig, dass sich ein T4 California für die anstehenden langen Touren am besten eignen würde. Nachdem er drei Wochen lang Busse besichtigt hatte, war Sven Ricke allerdings ziemlich desillusioniert. „Alle angebotenen Fahrzeuge hatten erhebliche Rostprobleme. Ich habe viel Schrott zu überteuerten Preisen gesehen“, erklärt der Familienvater.

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Als er beinahe schon aufgeben wollte, bekam er über eine Anzeige im „Hamburger Abendblatt“ telefonischen Kontakt zu einem weiteren California-Anbieter. Dieser hatte seinen VW Bus bereits seit 16 Jahren und war darin mit seinem Sohn regelmäßig zum Surfen gefahren. Inzwischen war der Sohn nach Australien ausgewandert und der vor der Pensionierung stehende Vater wollte sich nun schweren Herzens von seinem Bulli trennen.

„Ein Familien-Camper mit vielen schönen Ausflugserinnerungen. Das passt“, dachte sich Sven Ricke und fuhr sofort hin. Diesmal hatte er Glück: Der 20 Jahre alte Bus befand sich in einem Top-Zustand und das Alter war ihm nicht anzusehen. Sein Eigentümer hatte das Fahrzeug sehr gut gepflegt, ausschließlich mit Saisonkennzeichen gefahren und im Winter in einer geheizten Garage untergebracht. Deshalb befand sich der T4 nicht nur in einem rostfreien und originalen Zustand, sondern war auch erst 128.000 Kilometer gelaufen.

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Sven Ricke war begeistert: „Fast wie neu!“ Auch der Preis stimmte und so stand einem Kauf nichts mehr im Weg. Er spendierte seinem ersten eigenen Bulli noch eine Grundreinigung sowie eine Lackpolitur und stellte das Fahrzeug dann seinen Kindern (11 und 13 Jahre alt) vor. Die Überraschung gelang vorzüglich: Den beiden gefiel der Bulli so gut, dass sie sofort darin übernachten wollten.

Und so war eigentlich „alles ganz normal“, bis schließlich auch Rickes Bruder Kai den California zu sehen bekam, einen Blick in den Fahrzeugbrief warf und stutzte: Als VW-Bus-Kenner wusste er, dass die offizielle Serienproduktion des T4 California erst in 1991 begonnen hatte. Dieser Bus war jedoch bereits im November 1990 erstmals zugelassen worden – mit Volkswagen als Erstbesitzer.

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Die Neugier der Brüder wurde geweckt: War es möglich, dass es sich bei diesem T4 California um ein Vorserienfahrzeug handelte? Dieser Frage wollten sie nachgehen und regten über die VW-Bulli.de-Redaktion eine Recherche bei Volkswagen an. Die Antwort bestätigte ihre Vermutung: Das Vorserienfahrzeug war am 17. Juli 1990 produziert und am 25. Oktober 1990 an den Fuhrpark von Volkswagen ausgeliefert worden.

Schließlich fuhren sie mit dem California, der die Westfalia-Produktionsnummer 10 trägt und zugleich der 626. gebaute T4 ist, zum VW-Bus-Treffen an den hessischen Edersee. Dort feierte das T4forum Anfang Mai 2010 passenderweise gerade das 20. Jubiläum der T4-Baureihe. Für den VW-Bus-Neuling Sven Ricke war es das erste Bulli-Treffen und es soll auch nicht das letzte bleiben. „Ich war angenehm überrascht von der Hilfsbereitschaft der Teilnehmer und habe viele gute Tipps erhalten“, sagt er.

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Nachdem Ricke den California ursprünglich nur für Freizeitzwecke nutzen wollte, ist er mittlerweile auf dem Geschmack gekommen und lässt seinen Erstwagen, einen BMW Z3, immer häufiger stehen, um den VW Bus auch als Alltagsfahrzeug einzusetzen.

Mit seinem T4 ist Ricke, der nur die nötigsten Reparaturarbeiten selbst erledigen will, nahezu wunschlos glücklich. Vor kurzem hat er aber noch eine Anhängerkupplung nachrüsten lassen. Auf seiner Einkaufsliste stehen außerdem ein neuer Innenraumteppich sowie Original-Alufelgen („Gullideckel“) und ein Fahrradträger für sein Mountainbike. In den Sommerferien wird er mit den Kindern im California-Camper nach Cornwall verreisen.

Ebenso wie der Vorbesitzer will Ricke den California im Winter nicht fahren, sondern warm und trocken unterstellen. Auf diese Weise hat der Bulli vermutlich gute Chancen, auch die nächsten 20 Jahre rostfrei zu überstehen.

Text und Fotos: meridian

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Der Fahrer

Name: Sven Ricke
VW-Bulli.de-Forenname: Methusalem
Geburtsjahr: 1967
Wohnort: Hamburg
Kinder: zwei (11 und 13 Jahre alt)
Beruf: Diplom-Kaufmann
Bulli-Fahrer seit: 2010
Warum ein Bulli? Um mit meinen Kids und auch alleine zu verreisen. Als Camper, aber auch als Alltagsfahrzeug.
Überzeugter Bullifahrer, weil… das Auto total praktikabel, vielseitig einsetzbar und kultig ist.
Wie viele Bullis bisher besessen? keinen
Urlaubsziele mit dem Bulli: Ich werde diesen Sommer mit meinen Kindern nach Cornwall fahren.
Zukunftswünsche: neuer Innenraumteppich, Original-Alufelgen ("Gullideckel")

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Das Fahrzeug

Modell: T4 California (Westfalia)
Spitzname des Fahrzeugs: Methusalem
Anschaffung: April 2010
Baujahr: 1990
total gefahrene Kilometer: 128.000
weiteste Fahrt: T4-Treffen Edersee 2010
erster Motor: Ja
Motorart: Diesel
Motorleistung: 57 kW / 78 PS
Hubraum: 2.370 ccm
Sitzplätze: 4
Schlafplätze: 4
selbst ausgebaut: nein

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