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T-Time - die sechste

Nach 65 Baujahren und zwölf Millionen verkauften Bullis zeigte Volkswagen am Mittwochabend in Amsterdam der Weltpresse die sechste Generation der vor 13 Jahren so getauften T-Baureihe. Wir waren dabei und informieren die Bulli-Community mit ersten Eindrücken.

 ©Volkswagen Nutzfahrzeuge

Das Wichtigste zuerst: Die T-Baureihe hat ein komplett neues Gesicht. Nicht nur ein billiges Make up. Künftig zeichnen klare Linien die gesamte Frontpartie mit ihrer weit nach unten gezogenen Bugschürze. Dominierend prägt eine waagerechte Sicke die Heckpartie mit ihrem breiten Fenster und den großen Leuchten. Auffallend auch die tiefer angesetzten Außenspiegel mit seitlichen Blinkern. Und geradezu charakteristisch und markant dominieren die neuen Scheinwerfer, die unterschiedlich gestalteten Kühlergrills und sogar die Stoßfänger die neuen Autos aus Hannover.

Den Traditionsbegriff Bulli muss man auch in der sechsten T-Generation in drei Kategorien aufteilen: Volkswagen Nutzfahrzeuge, das sagt schon der Name, macht den größten Umsatz natürlich mit den Nutzfahrzeugen, also mit Kastenwagen, Pritsche, Doppelkabine und Kombi. Die zweite Gruppe kombiniert Job und Freude, also Beruf und Freizeit mit Caravelle und Multivan. Der dritte Zweig gehört den Freizeitmobilen California.

Von einer Baureihe darf man auch weiterhin sprechen, denn zwei Radstände (3000 m und 3400 mm) und drei Dachhöhen gibt es auch weiterhin. Das Standard-Fahrwerk erlaubt 1970 mm Höhe, der Multivan ist zwei Zentimeter tiefer gelegt. Das Mittelhochdach misst 2176 mm und das Hochdach 2476 mm (1940 mm Stehhöhe). Viele Versionen sind allradtauglich.

„So kommen wir mit einer Vielzahl von Aggregat-Kombinationen auf über 500 Varianten“ sagt ein VW-Sprecher und lobt die möglichen Laderäume zwischen 3,5 (Doka Plus) und 9,3 Kubikmetern (im Hochdachkasten). Dieses breite Angebot orientiert sich exakt an der Kundschaft.

Mehr Sicherheit und mehr Komfort

Wer seine Arbeitszeit ganz oder teilweise am Lenkrad ableistet, hat Anspruch auf einen menschengerechten Arbeitsplatz. Hier hat die sechste Generation deutlich zugelegt, auch wenn es weiterhin Unterschiede gibt zwischen den edleren und den handfesten Versionen, also zwischen den Blaumann-Autos und der Business-Version.

Wichtig im Tagesgeschäft ist ein handlicher Wendekreis: Bei drei Meter Radstand beträgt er weniger als zwölf Meter mit 3,3 Lenkradumdrehungen. Ob Baustelle oder Campingplatz – da dürfte Rangieren einfach sein. Dazu passen Bausteine aus dem Comfort-Angebot wie elektrisch verstellbare Sitze mit Speicherfunktion auf der Fahrerseite, Parkpilot-Sensoren vorn und hinten oder Easy-Entry-Sitze bei den Pkw-Versionen, bei denen man leichter nach hinten ein- und durchsteigen kann. Oder eine elektrische Heckklappe.

Lobenswert: Im Transporter gegen Aufpreis, im Multivan Business serienmäßig erkennt der radarbasierte „Front Assist“ den Abstand zum Vorderfahrzeug, warnt bei Gefahr optisch und piepsend sowie mit leichtem Bremsen.

Die City-Notbremsfunktion arbeitet unterhalb von 30 km/h und bremst, notfalls knallhart, wenn ein Hindernis übersehen wird. Damit reduziert es die Aufprallgeschwindigkeit. Serienmäßig haben die Transporter nun die Multikollisionsbremse, die dann automatisch bremst, wenn – nach einer Kollision – der Fahrer nicht mehr selbst bremsen kann. So werden Folgezusammenstöße verhindert.

Die automatische Distanzregelung erleichtert, vor allem im Verbund mit dem Direktschaltgetriebe, das sichere Fahren in Kolonnen und bei Stautendenz, notfalls wird das Auto bis zum Stillstand abgebremst – und dann fährt es von alleine wieder an.

 ©Volkswagen Nutzfahrzeuge

Schalttafel und Cockpit

Fast verwirrend ist die Zahl offener Ablagen und geschlossener Fächer. Maßgebend ist die Zahl der Sitzplätze hinter der Frontscheibe. Im Nutzfahrzeug ist die Mittelkonsole schmal, bei den Pkw-Varianten ist sie breit, hat Cupholder und einen (an die Klimatisierung gekoppelten) Flaschenhalter, sowie ein Multimediafach mit Handyschnittstelle. Gut vorstellbar, dass hier auch ein Tablet- oder Laptopanschluss, mit oder ohne Tischchen Platz findet, in dem der Handwerker nach getaner Arbeit sich bürokratischen Pflichten zuwenden kann.

Sparsamere Motoren

Mit Leichtbau und vielfältig feinerer Abstimmung ist es offenbar gelungen, bei allen sechs Motoren den Verbrauch im Durchschnitt um einen Liter zu verringern. Die vier TDI und die beiden TSI-Benziner lassen sich, leistungsabhängig, mit einem 5- oder 6-Gang-Schaltgetriebe oder mit einem 7-Gang-Direktschaltgetriebe kombinieren. Unabhängig davon kann der Allradantrieb 4Motion angeflanscht werden. Das Start-Stopp-System, Bestandteil der Spritsparstrategie, ist serienmäßig in allen Autos an Bord.

Die TDI-Diesel haben 1968 cm³ Hubraum und leisten 62 kW, 75 kW oder 110kW. Die Zweiliter-Vierzylinder-Benziner leisten 110 kW oder 150 kW.

Sondermodell zum Start

Der beliebte Multivan, dessen Ausstattungsvariante Comfortline viele Freunde hat, erscheint mit dem Label „Generation SIX“ als „Launchversion“ zum Serienanlauf. Seine LED-Frontscheinwerfer und –Rückleuchten, die Privacy-Verglasung, Nebelscheinwerfer mit Abbiegelicht und, optional, vier Zweifarbenlackierungen, die sich in Dekorelementen an der Schalttafel und auf 18-Zoll-Leichtmetallrädern wiederholen, dürften ihn, mit Blick auf die Zukunft, zu einem selten schönen Anlaufmodell werden lassen.

So können die Ersten, die ihn kaufen, auch einen der (vorläufig) Schönsten erwerben.

Ernst Bauer