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T1-Abenteuer mit Käfer-Motor

Als junger Mann kaufte sich Jürgen Mai aus Werther Ende der 70er-Jahre einen T1, Baujahr 64. Mit seinen Kumpels baute er den Bulli zum Camper um, und es ging auf dem Landweg nach Griechenland. Die Rückreise vom zweiten Urlaub dort brachte einen Motorschaden - ein Käfer-Motor vom Schrottplatz und ein hilfsbereiter Grieche waren die Rettung.

 ©Jürgen Mai

Alles fing an mit einem kleinen Büchlein "Afrikaführer für Individualisten, im VW-Kombi 27.000 Kilometer durch Afrika". Das war 1976, ich war noch Schüler, hatte auch noch keinen Führerschein, aber schon damals Reisesehnsucht – und der Bulli war das Werkzeug dazu. Das Buch habe ich verschlungen, aber der Bulli musste noch warten, erst einmal war die Lehre angesagt, danach kam die Bundeswehr und als erstes Auto diente ein Käfer.

Just beim Bund, hatte unser Sanitäter einen T1, Baujahr 64, aus Katastrophenschutzbeständen zu verkaufen. Da wurde nicht lange gefackelt, der Käfer an den Bruder veräußert, der Bulli gekauft und mit dem Kumpel Rudi (gut, dass der die Lehre in einer VW-Werkstatt gemacht hatte) der Wagen auf Vordermann gebracht.

So, jetzt mussten dann auch exotische Ziele her. Gesagt, getan: Lasst uns doch mal nach Griechenland fahren, über den Landweg natürlich, die Fähre wäre zu teuer. Solche Entscheidungen wurden damals von jetzt auf gleich abgestimmt; Zelt, Surfbretter, Campingutensilien waren vorhanden. Was fehlte, war eine Campingausstattung für den Bulli.

Die wiederum wurde bei Kinse, einem anderen Kumpel, an einem Tag ins Auto eingebaut: Zu viert wurde gesägt, gehämmert und geschraubt, bis eine klappbare Schlafbank und eine Küchenzeile aus wasserfester Sperrholzplatte eingebaut war. Gardinen nähte mir dann Kinses damalige Freundin und jetzige Ehefrau Doris.

Und dann konnte man es gar nicht mehr abwarten bis zum Abfahrttermin. Über den Autoput durch Jugoslawien bis nach Athen, dann weiter bis auf den Peleponnes ging die Reise – und als wir dann endlich ankamen, stand die Suche nach einem vernünftigen Campingplatz an. Der wurde auch gefunden, und es standen uns zwei wunderbare Wochen bevor, mit Baden und Surfen, so wunderbar, dass wir beschlossen, dieselbe Reise im folgenden Jahr nochmals zu machen.

Dabei hatten wir dann aber nicht mehr das Glück einer pannenfreien Rückfahrt. Noch in Griechenland ereilte uns ein kapitaler Motorschaden. Ein zufällig vorbeikommender Bulli aus Berlin schleppte uns zu einer Reifenwerkstatt abseits der Autobahn, und da es schon später Abend war, hatte die natürlich nicht mehr geöffnet. Zu dritt haben wir auf der Schlafbank im Bulli die Nacht verbringen müssen.

Am nächsten Morgen baten wir den ebenso verdutzten wie auch freundlichen Chef der Werkstatt, den Bulli in Eigenregie reparieren zu dürfen. Werkzeug hatten wir ja unser eigenes mitgenommen, aber großen Wagenheber und Werkbank durften wir von ihm benutzen. Was war geschehen? Das Auslassventil vom dritten Zylinder hatte sich verabschiedet und war in den Motor gefallen – jetzt musste ein anderer Motor her, und zwar schnell, wir mussten spätestens Sonntag zu Hause sein, und es war schon Donnerstag! Aber erst einmal war Mittag angesagt, eine Werkbank wurde geräumt und griechische Hausmannskost wurde aufgetafelt, da kannte der Chef keine Gnade, und danach fuhr er uns mit seinem Pickup in die nächste Stadt zu einem Schrotthändler, wo wir dann einen Käfer-Motor erstanden – ja, damals war das noch kompatibel, Käfer und Bulli.

Eingebaut war der Motor sehr schnell und dann ab nach Haus; leider mussten wir die Einladung des Chefs der Werkstatt in sein Haus zur Übernachtung absagen, weil wir ja noch einen immensen Rückweg vor uns hatten. Da ich keinen Knoblauch zum Mittag gegessen hatte, musste ich nun leiden, die Kumpels schwitzten aber auch aus jeder Pore den Geruch aus.Tausend Tode bin ich damals gestorben. Die übrige Rückfahrt verlief reibungslos.

Legendär, auch heute, mehr als 25 Jahre später immer wieder gern erzählt, ist die Gastfreundschaft des griechischen Werkstattbesitzers: Wir konnten kein Wort Griechisch, und er konnte kein Wort Englisch, geschweige denn Deutsch, aber es war eine wunderbare zweifelsfreie Kommunikation untereinander mit Händen und Füßen.

Und heute: Nach einem T3 Joker, fahren wir einen T4 California Exclusiv. Beruflich habe ich daran gearbeitet, die Welt zu sehen, und der T1 ist nach etlichen Jahren nach Holland verkauft worden. Aber Afrika habe ich noch nicht gesehen. Wer weiß: Vielleicht mit meinen Kumpels, wenn wir alle in Ehren ergraut und in Rente gegangen sind. Träume sind ja schließlich an kein Alter gebunden.

Mit freundlicher Genehmigung der "Neuen Westfälischen", Bielefeld

Jürgen Mai