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T1-Traum begleitet Porsche-Fans

Wie ein treuer Schäferhund begleitet ein blauer T1-Samba viele Ausfahrten des Porsche356 Clubs Rhein Nahe. Hier erzählt Markus Berg, wie sich seine Frau Miriam und er ihren Traum  von zwei Klassikern erfüllten und über den Bulli zu einem Porsche kamen.

Der Traumbus

 ©Berg

"Das erste Rendezvous begann 2003 auf dem „Maikäfertreffen“ in Hannover. Dort faszinierte uns ein perfekt restaurierter, weiß-türkiser VW Bus T1 Samba.  Wegen der schon damals hohen Preise für solche Sambas blieb uns nur ein Foto. Seit damals hing es an unserer Pinnwand.

Einige Jahre später verliebte sich meine Frau auf einer Oldtimer-Ausstellung in ein Porsche 356 Cabrio und suchte fortan nach einem solchen Auto im Internet. Da ich wusste, dass solche Autos wahre Geldgräber sein können, unterstützte ich sie erstmal nicht. Aber wie Frauen so sein können, überredete sie mich zum Kauf und zur Restaurierung des Autos, was sich dann als sehr zeitintensives und bis dato andauerndes Projekt entpuppte.

Stammtisch-Runde mit 356ern

 ©Berg

Ein Klassiker kommt selten allein

Über diesen Porsche kamen wir in Kontakt mit dem „356 Stammtisch Rhein-Nahe“. Wir fanden dort sofort Anschluss an eine tolle Gruppe netter Menschen jeden Alters und unternehmen seitdem viele schöne Ausfahrten und Treffen miteinander.  Da wir diese bisher immer als Einzige mit unserem wassergekühlten Porsche unternahmen (der 356 ist ja noch nicht fertig), war ich nie richtig glücklich und es musste eine Lösung gefunden werden.

Was passt besser zu einem alten 356 als ein alter T1 Bus? Unser Blick fiel wieder auf das Samba-Foto vom Maikäfertreffen. Entschlossen gingen wir auf die Suche und erlebten zum Teil Unglaubliches: Angebliche Originale, die sich als Brasilianer herausstellten, fehlende M-Plaketten, Schrottkisten, die auf Super-Fotos ganz gut dargestellt worden waren und es wurden Autos angeboten, die es gar nicht gab.

Das Interieur

 ©Berg

Erst ein Jahr später fanden wir einen echten deutschen Export-Bus in Original Farbkombination (leider aber nicht türkis). Er hatte einen Schweizer Fahrzeugbrief und die Geburtsurkunde besagte, dass er 1964 in Deutschland gebaut und nach New York ausgeliefert worden war. Wir hatten die Begutachtung nach § 23 StVZO und nach §21 StVZO, sowie die Unbedenklichkeitsbescheinigung des Zolls. Trotz all dieser Unterlagen wollte uns die Zulassungsstelle den Bus nicht anmelden.

Internationale Fahndung

Da das Auto 2012 in der Schweiz abgemeldet, aber seitdem noch nicht in Deutschland angemeldet wurde, verlangte die Zulassungsstelle, dass ich alle Besitzer der letzten fünf Jahre nachweisen müsse. Wie sollten wir die finden, wir hatten ja keinerlei Unterlagen. Da bekamen wir Herzklopfen, hatten wir vielleicht einen Bus gekauft, den wir nicht zulassen konnten?

Exklusiver Kamerawagen - ideales Filmpodest

 ©Jaissle

Wir forschten im Internet, angefangen bei dem Besitzer aus dem Brief, der sehr nett, hilfreich und froh war, dass sein Bus noch existierte. Er erzählte, wie er den Bus 2008 in Kalifornien gekauft und in die Schweiz importiert hatte. Dort ließ er das Auto in einer auf Bullis spezialisierten Oldtimerwerkstatt umfangreich restaurieren. Doch 2012 musste er sich schweren Herzens von dem Bus trennen, der Kaufvertrag war noch im Archiv und er konnte ihn uns weiterleiten.

Der nächste Besitzer war ein Autohändler und Sammler alter Fahrzeuge. Auch er konnte uns noch Verträge von 2016 zukommen lassen. Den danach folgenden Schweizer Käufer konnten wir nicht ausfindig machen. Erst eine Suche im Schweizer Todesanzeigenportal brachte uns weiter, er war in 2016 verstorben. Da wir die Zollpapiere hatten und somit den Beweis, dass der Verkauf und die Einfuhr nach Deutschland fast zeitgleich von statten gegangen waren, musste die Zulassungsstelle akzeptieren, dass der Bus nicht gestohlen worden war und uns das amtliche Kennzeichen aushändigen.

Immer im Mittelpunkt: Der Samba, hier auf Schloss Sigmaringen.

 ©Berg

Botschafter für Freunde

Nun konnten wir zu unseren Bulli-Ausfahrten starten, die seither riesigen Spaß machen und auch die Menschen, die wir unterwegs treffen, zu Peace-Zeichen und sogar zu La Ola-Wellen hinreißen lässt.

Ein Highlight war natürlich unsere Ausfahrt mit dem 356 Stammtisch an den Bodensee und ins schweizerische Thurgau. Um zu zeigen, dass wir zum Porsche Stammtisch und den 356 gehörten, beklebten wir den Bus mit unserem Logo, was unseren Stammtischkoordinator sehr erfreute. Der Samba bildete den Abschluss der Kolonne und das Team im Führungsfahrzeug wusste, wann immer wir im Rückspiegel auftauchten, dass noch alle zusammen sind. Einige Beifahrer nutzten die gute „Schussposition“ und filmten oder fotografierten bei geöffnetem Faltdach die Clubautos während der Ausfahrt.

So ist unser Samba zum Mitglied und Werbeträger unseres Stammtisches geworden und wird uns noch auf einigen Ausfahrten begleiten. Eines wurde uns bei all unseren Ausfahrten, auf Oldtimertreffen und Classic-Ausstellungen bewusst: Wo ein alter Porsche steht, trifft man meist auch einen Bulli!

Werbung für den Stammtisch

 ©Berg

Die 356 Stammtische

Im Porsche 356 Club Deutschland e.V. haben sich Liebhaber der Porsche-Modelle 356, 550 und 904 zusammengeschlossen. Sie verfolgen hauptsächlich das Ziel, diese Fahrzeuge zu erhalten und zu pflegen. Darüber hinaus verbinden touristische, sportliche und gesellschaftliche Veranstaltungen sowie Fahrsicherheitstrainings die Mitglieder untereinander. Besonderen Wert legt der Club auf den guten Kontakt zum Porsche-Werk, der ständig gepflegt wird. Zwölf regionalen Stammtische arrangieren zumeist im monatlichen Rhythmus Stammtischrunden, bei denen neue Gesichter jederzeit gerne gesehen sind. Über das ganze Bundesgebiet verteilt haben sich kleinere Gruppen gebildet, die regelmäßig aktuelle Informationen austauschen und sich gegenseitig bei bestimmten Problemen zur Seite stehen. Durch diese Kontakte entstehen oft langjährige Dauerfreundschaften.

Markus Berg und Ernst Bauer