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T2-Restaurierung im Doppelpack

Am Jahresende 2015 veröffentlichte Heiko P. Wacker ein Buch, das sich intensiv mit dem Thema „VW-Bus-Restaurierung“ auseinandersetzt. Er stellt zwei Ansätze gegenüber, wie sie unterschiedlicher auf den ersten Blick vielleicht nicht sein könnten.

 ©Verlag

Auf der einen Seite steht „Emil“- ein T2, der von seinem Besitzer Olli bis ins kleinste Detail ohne Kompromisse aufgearbeitet wurde. Kein Zeit- und Finanzlimit stand dem Projekt im Weg, – alles sollte am Ende perfekt sein. Auf der anderen Seite stellt Heiko P. Wacker seinen eigenen T2 den er „Der Kleine Bruder“ getauft hat (und das, wo er doch mitsamt Reimo-Hochdach gar nicht klein daherkommt…) vor. Hier wurde Wert darauf gelegt, den Bus zu restaurieren und in einen (natürlich TÜV-zertifizierten) technisch einwandfreien Zustand zu versetzen, dabei aber vor allem die Finanzmittel nicht über Gebühr zu strapazieren.

Heiko P. Wacker will bewusst keine Reparaturanleitung oder ein Schrauberhandbuch veröffentlichen. Er zeigt in seinem Buch, dass es auch mit überschaubaren Mitteln gelingen kann, einen kultigen Bulli herzurichten und das damit verbundene Lebensgefühl zu genießen. Vor allem denen, die Angst vor den ausufernden Kosten einer perfekten Restaurierung haben und sich ein Projekt wie „Emil“ nie zutrauen würden, weist er einen Weg, auch anders ans Ziel zu kommen.

Sehr deutlich macht der Autor aber zu Recht, dass die Restaurierung eines VW-Busses immer ein gewaltiges Stück Arbeit ist und man sicherlich ein gewisses Know-how oder/und sehr gute Freunde haben muss, wenn ein Projekt wie „Der Kleine Bruder“ gelingen soll.

In den ersten Kapiteln des Buches gibt der Autor einen kurzen historischen Überblick über die Entwicklung des VW-Busses. Vom T1 bis zum aktuellen T6 werden alle Generationen kurz vorgestellt. Ebenfalls erfährt der Leser, wie es zum Buch kam. Die perfekte Restaurierung von „Emil“ hatte Heiko P. Wacker seinerzeit für die Zeitschrift „Motor Maniacs“ in einer achtteiligen Serie begleitet und veröffentlicht. Diese Serie bildet für das vorliegende Buch die Grundlage immer dann, wenn es um die Fortschritte am 72er Westalia-Bus „Emil“ geht. Alle Arbeitsschritte am „Kleinen Bruder“ (einem 77er Kombi mit Campinghochdach) werden nun hinzugefügt und gegenübergestellt. Eben um „all jenen, die vor Emils Perfektion zurückschrecken, die Scheu zu nehmen…“.

Damit der Leser der Restaurierung von Anfang an lückenlos folgen kann, beschreibt Heiko P. Wacker im Folgenden die Wege, die die beiden T2 genommen haben, bis die Instandsetzungsarbeiten von ihren jeweiligen Besitzern in Angriff genommen wurden. Und weil nach der Lektüre dieser Geschichte der geneigte Leser wahrscheinlich sofort alle umliegenden Scheunen in Augenschein nimmt und auf diversen Internetplattformen nach einem geeigneten Bus sucht, gibt’s im nächsten Kapitel eine eindringliche Kaufberatung getreu dem Motto: „D’rum prüfe wer sich ewig bindet, ob sich nicht doch noch Rostfraß findet…!“

Ab jetzt wird’s dann arbeitsintensiv. Sehr detailliert, immer wieder mit einem Augenzwinkern und mit vielen kleinen Anmerkungen, die den Leser zum Schmunzeln bringen, werden die einzelnen Restaurierungsschritte Kapitel für Kapitel dokumentiert. Von der Demontage des Fahrzeugs, über die Bearbeitung der Bleche, die Rostvorsorge, die Lackierung bis hin zur Überarbeitung des Fahrwerks und der Innenausstattung nimmt Heiko P. Wacker seine Leser mit in die Werkstatt. Über 150 Seiten auf denen man sowohl bei den Arbeiten an „Emil“ als auch am „Kleinen Bruder“ mitfiebert und am Ende jedes Kapitels die spannende Frage stellt: „Und wie geht’s weiter?“ Letztendlich schwitzt man geradezu mit den beiden Besitzern, wenn es an die ersten Startversuche und die erste Fahrt im endlich fertigen Bulli geht.

Wenn Heiko P. Wacker am Ende des Buches dann von „Emils“ großen Reise nach Elba berichtet und mit einem offenen Ende die weiteren gemeinsamen Reisen der beiden T2 in Aussicht stellt, möchte man fast seufzen: „Wie schön…!“

Standen sich hier zunächst zwei völlig unterschiedliche Restaurierungskonzepte gegenüber so eint das Ergebnis beide am Ende des Buches: Tolle Bilder, entstanden bei einer gemeinsamen Fotosession.

Es bleibt festzuhalten, dass Heiko P. Wacker mit seinem Buch ein schönes, sehr gut lesbares Werk präsentiert. Das ist sicherlich auch der Tatsache geschuldet, dass hier einer schreibt, der selbst die Finger in Öl und Rostlöser gebadet hat. Lebensnah und direkt wird nichts geschönt und nichts vergessen. Nach der Lektüre sollte jedem bewusst sein, welchen Aufgaben er sich stellt, wenn er die Restaurierung eines Bullis in Angriff nehmen will. Ob der ein oder andere dann vielleicht abgeschreckt ist, oder doch eher zu einem „irgendwie wird’s gehen“ tendiert – das sei hier jedem Leser selbst überlassen. Die letztgenannten werden vom Autor mit dem Satz: „Deinen Bus – den gibt es schon. Du musst ihn nur finden!“ angespornt.

Für das neue Buch gibt es von mir das uneingeschränkte Prädikat absolut lesens- und empfehlenswert!  

Hier geht es noch zu einem Video zum Restaurierungsprojekt.

Wacker, Heiko P.: Das Bulli Projekt, T2-Restaurierung im Doppelpack – Low Budget trifft auf Perfektion, Huber Verlag Mannheim, 2015 ISBN: 978-3-927896-68-0

Markus Schumacher