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Taubenblauer Traum

Der T1-Bulli ist 59 Jahre alt und doch intakt wie ein Neuwagen. Seinen Bus aus dem ersten Produktionsjahr hat Axel Struwe so schön restauriert, dass ihn Volkswagen Mitte Oktober 2009 für fünf Monate nach Wolfsburg holt. In die Ausstellung des zur EXPO gegründeten Autostadt-Erlebnisparks.

Foto: Axel Struwe

"Der Bulli fährt, aber ich nutze ihn nicht – in der Fahrerkabine ist es bei laufendem Motor so laut, als würde man mit einem Traktor ohne Ohrenschützer in einer Garage herum fahren", sagt Axel Struwe. Diesen Lärm will er sich beim Fahren nicht antun.

Vier Jahre Planung und Arbeit hat er in den VW-Bus Typ T1 aus dem Jahre 1950 gesteckt. Jetzt ist der original taubenblau lackierte Wagen einer von etwa fünf Bullis dieses Jahrgangs, die überhaupt noch fahrtüchtig sind. "Meiner ist trotzdem ein reines Ausstellungsstück."

Foto: Axel Struwe

Und was für eines. Nach einem ersten Preis für die beste Bus-Restauration bei einem VW-Veteranentreffen in Hessisch Oldendorf wurde Volkswagen, Europas größter Autobauer, auf Struwes T1 aufmerksam und holt ihn für fünf Monate in die Wolfsburger Autostadt.

Im über 25 Hektar großen Erlebnispark wird der Konzern den wohl am besten erhaltenen Bulli dieses Alters ab Mitte Oktober im Nutzfahrzeuge-Pavillon neben den aktuellen Busmodellen ausstellen. Als Urahn, mit dem die Bulli-Tradition ihren Anfang nahm.

Foto: Axel Struwe

"Es ist schon verrückt, dass sich VW meinen Bus ausleiht, weil sie selbst keinen mehr von 1950 haben", sagt Axel Struwe nicht ohne Stolz. Er ist Werbefotograf und das Restaurieren von Oldtimern nennt er "einfach nur mein Hobby".

Für dieses Hobby hat er eine eigene Werkstatt, in der Dutzende Karosserieteile und Autoreifen aufgestapelt sind.

Seit 2001 werkelt er in diesem großen Stil, hat sich sieben alte VW zugelegt. Manche sind schon fertig restauriert, manche in Arbeit.

Foto: Axel Struwe

Der VW-Bulli sei ihm vor sechs Jahren einfach so über den Weg gelaufen, beim Surfen im Internet. "Als ich ihn in Holland besichtigt habe, ging eine Tür nicht auf, weil sie verzogen war; die andere fiel hingegen sofort aus dem Rahmen", erzählt er von seiner ersten Begegnung mit dem damals ziemlich rostigen Bus.

"Für 9.000 Euro habe ich ihn bekommen – ein echtes Schnäppchen." Ein Wertgutachten bestätigt, dass der Bulli seit der Restaurierung 120.000 Euro wert ist. Als der T1 vor 59 Jahren als Neuwagen vom Band rollte, kostete er 6.000 D-Mark. Das entsprach eineinhalb Jahreslöhnen eines Arbeiters.

Foto: Axel Struwe

2.000 Stunden schraubte und schweißte Axel Struwe an seinem Schmuckstück herum.

Nach einem original VW-Ersatzteilebuch von 1951 suchte er fehlende Teile im Internet, ließ sich diese sogar von Sammlerfreunden aus den USA zuschicken.

"Diese hier" – Struwe zeigt auf die beiden kleinen roten Rücklichter aus Glas – "haben allein 2.000 Euro gekostet – sie wurden nur 1950 hergestellt und waren sehr schwer zu bekommen."

Foto: Axel Struwe

Er hat Türen und Motor ausgetauscht, einen neuen Seitenspiegel angebracht. Trotzdem bestehe sein Bulli noch zu 70 Prozent aus Originalblech. Und die Rekonstruktion des Autos war dem Hobby-Restaurator nicht genug: "Der T1 galt als Lastesel der Nation, das typische Handwerkerauto der fünfziger Jahre."

Deswegen ließ Struwe "Volkswagen Ersatzteile-Dienst" auf den Kastenwagen lackieren. Hinter den Türen zum Laderaum hat er Kisten und Kartons aufgestapelt, kleine Kanister für Öl und Benzin.

Einige davon sind Sammlerstücke. Die Kartons hat der Hobby-Restaurator selbst auf alt getrimmt: "Ich habe sogar die alte VW-Banderole eingescannt und ausgedruckt, damit es echter aussieht."

Foto: Axel Struwe

Er ist überhaupt ein Sammler. Nicht nur von alten VW, passenden Ersatzteilen und Devotionalien. Eine große Esso-Leuchtreklame, ein alter Cola-Automat, vergilbte Fotos von Oldtimern, Bücher, Seitenspiegel, zieren seine Werkstatt.

Vor ihr steht sein VW-Camper, Baujahr 1960. Natürlich auch haarklein und nur mit Originalteilen restauriert. "Mit dem bin ich gerade aus dem Urlaub zurück gekommen. Vom Gardasee."

Dieser Artikel erschien zuerst am 3. Oktober 2009 in der Neuen Westfälischen Zeitung und wurde mit freundlicher Genehmigung der Redaktion bei VW-Bulli.de veröffentlicht.

Franziska Höhnl