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Thai-Cocktail-Bulli

Frank Leube lebt in Thailand und baute dort einen alten Bulli zu einer Cocktailbar um. Der 48-jährige ehemalige Baufacharbeiter aus Chemnitz fand den verwahrlosten Bulli im Herbst 2010 und hat mit ihm viel erlebt. In zwei Berichten schildere er seine Erlebnisse bei der Restaurierung und dem Umbau des Gefährts zu einer Cocktailbar. Das sei alles nicht so einfach gewesen, bilanziert er. Und zitiert seine Thai-Freune mit ihrem Motto Mai-bpen-rai" (zu deutsch: kein Problem).

 ©Frank Leube

Auf VW-Bulli.de hatte ich die Geschichte von der „Sambar“ von Frank Sistig gelesen, der mit sehr viel Engagement einen alten T1 zu neuem Leben erweckt und in eine Cocktailbar umgebaut hat. Jetzt gibt es eine Fortsetzung in Sachen Bulli-Cocktailbar. Denn so ungefähr zur gleichen Zeit - nur ein paar tausend Kilometer weiter entfernt, in Thailand - hat mich der gleiche Virus gepackt.

Nach mehreren Urlauben war ich in Thailand „hängengeblieben“. Dort fand ich an der Hauptverbindungsstraße von Bangkok in Pattaya, einen runtergekommenen T1. Doch die Karosserie machte keinen schlechten Eindruck, nur wo war der Motor? "Mai-bpen-rai" (zu deutsch: kein Problem), sagte mir ein thailändischer Mechaniker. Und so stürzte ich mich ins Abenteuer. Der alte VW Bus wurde dann irgendwie in die Werkstatt gebracht und Mr. Pittaya begann das Getriebe herzurichten, Aufhängung und Antrieb zu erneuern und so weiter.

 ©Frank Leube

Ich wollte mit meinem Projekt so schnell wie möglich fertig werden und begann mit vollem Einsatz, den Motorraum hübsch zu machen. Bevor die Karosserie umgebaut wurde, kam mir noch irgendwie der Gedanke, alle Scheiben auszubauen und das Fahrzeug in eine nahegelegene Sandstrahl-Werkstatt zu bringen - ein paar Tage später bekam ich das "nackte" Gefährt wieder. Zum Glück ist ja mein Nachbar auch noch Lackierer, und so wurde alles gleich mal grundiert. Irgendwoher wurde dann ein Künstler hergeholt, der sage und schreibe eine Woche lang die Karosserie zurechthämmerte und Schweißarbeiten durchführte. Im Anschluss daran brachten wir das Gefährt in eine "Spezialwerkstatt", wo die Umbauten zum Öffnen des Daches und der Fensterfront durchgeführt werden sollten. Es war irgendwo buchstäblich im Nichts, am Rande von Pattaya, und die Jungs waren mit Sicherheit alles andere als Kfz-Mechaniker. Es standen jedoch einige andere Kutschen da, die gar keinen schlechten Eindruck machten. So entschied ich mich dazu, der "Spezialwerkstatt" mein Vertrauen zu schenken, und ich verbrachte dort am Ende sechs Wochen.

 ©Frank Leube

Ich tat, was ich konnte, und war die meiste Zeit damit beschäftigt, den thailändischen Jungs zu erklären, wie ich alles haben wollte und wie alles sein sollte. Nach dieser "Spezial-Kur" ging es dann wieder zurück zum Lackieren. Man machte sich daran, die Karosserie schön glatt zu machen. Dann bekam der Bulli exotische Farben. Ach ja, da war doch noch was! Alles, was im Bereich des Fahrwerks war, musste ja auch noch "geklempnert" werden. Da war zum Glück Khun Daeng, ein junger Kerl, der wirklich was drauf hatte. Und ich hatte natürlich trotzdem immer was zu meckern. Dafür durfte ich dann den Unterboden schön schwarz machen.

Nach vielen Wochen war dann die Zeit endlich gekommen, um alles in einem einheitlichen Weiß zu lackieren. Nachdem ich neue Scheiben aus Bangkok mitgebracht hatte, wurden auch diese "fachmännisch" eingebaut. Die Zeit für den guten Khun Pittaya war nun gekommen, um den alten Motor wieder gebrauchstüchtig zu machen.

Erste Tests ergaben: Nicht wirklich gut. Und so wurde der Motor erst einmal komplett in seine einzelnen Bestandteile zerlegt, dann mit neuen Teilen bestückt und wieder zusammengebaut. Unter Anleitung meines Meisters bauten wir dann die Kabelbäume ein. Das Armaturenbrett wurde wieder hübsch gemacht, und ein paar kleine Extras kamen natürlich auch noch dazu.

Die Fahrerkabine bekam dann ein "Rundum-Lederdesign" und schlussendlich ging es in die "Schönheitsfarm" zum Aufpolieren.

 ©Frank Leube

Mittlerweile habe ich auch alle notwendigen Papiere bekommen, um so hoffentlich die recht lästigen Polizeikontrollen in Thailand zu überstehen. Am 20. Februar durfte mein "Weißer Engel" dann seine erste große Fahrt nach Bangkok zum alljährlichen VW–Treffen machen.

 ©Frank Leube

Ein Jahr später schickte Frank Leube uns ein „update“. Seine Bar ist fertig geworden, und seit September 2011 mixt er in Pattaya aus dem T2 heraus Cocktails für Thais und ausländische Gäste. Hier sein zweiter Bericht:

„Es ist schon ein Weilchen her, da hatte ich euch meine Geschichte, in Thailand einen T2 in eine Cocktail-Bar umzubauen, beschrieben

Vor einem Jahr war ich also vor allem damit beschäftigt, das Innenleben des Busses herzurichten. So viele Dinge mussten auf wenigen Quadratmetern untergebracht werden: Eisbox, Wassertank, Aufwaschbecken und ein Counter zum Herrichten der Drinks waren ein Muss. Dann sollte auch noch ein Fernseher und ein kleines Soundsystem inklusive einer schönen Lichtanlage für nachts installiert werden.

 ©Frank Leube

In meinem Kopf war schon alles fertig. Doch wo würde ich all das notwendige Equipment herbekommen? Die passende Eisbox zu finden war schon eine Herausforderung an sich. Nicht zu groß und auf keinen Fall zu klein durfte sie sein. Der Zufall hat es dann gerichtet, denn ich fand schließlich unweit von Pattaya einen passenden Shop und auch eine „Eisfee“…

So ganz in schlichtem Weiß konnte der VW Bus aber nicht bleiben. Wieder verbrachte ich  schlaflose Nächte, um ein ansprechendes Design für die Karosserie zu entwerfen. Mit einigen Prints und meinen Ideen im Gepäck besuchte ich schließlich ein "Design Office", und so entstand ein, wie ich finde, optisch passender Riesen-Sticker für den VW Bus.

 ©Frank Leube

Nicht schlecht, dachte ich, und suchte dann nach einer Firma, die einen derartigen Sticker auf ein Fahrzeug bringen kann. Ich fand einen entsprechenden Laden, und das Management versprach: In zwei Tagen Arbeit sollte alles getan sein.

Da waren sie also wieder, die „Profis“, und statt zwei Tagen verbrachte ich satte drei Wochen da, um alles in einer halbwegs sauberen Qualität zu bekommen. Am Ende ist dann wie immer alles gut, und da war er wieder der bekannte Spruch „mai-bpen-rai“, alles kein Problem. Und wirklich schick präsentierte sich der T2.

 ©Frank Leube

Ob ihr es glaubt oder nicht, in Thailand braucht alles den richtigen Segen, egal was man starten möchte. Vielleicht nicht unbedingt wegen des schnellen Reichtums, ganz egal, wichtig ist es jedenfalls, sich bei einer "monk ceremony", also einer Mönchs-Zeremonie Glück für sein Unternehmen zu sichern. Und das machte ich dann natürlich auch. Am Abend gab es dann eine „thank you party“ für die vielen Helfer und meinen Freund Khun Pittaya.

Ach ja, da war ja noch das Wichtigste. Wo bekomme ich denn einen Standplatz oder eine geeignete Location her, wo ich meine Cocktails anbieten kann? Nachdem ich mein "work permit", die Arbeitserlaubnis, in der Tasche hatte, sollte es eigentlich gleich mit der Arbeit losgehen. Erst dann wurde mir klar, wie schwierig es ist einen guten Platz zu finden.

Am 16. September 2011 war es dann endlich soweit. Abends fand in einem "Sea Food Restaurant" direkt an der Jomtien Beach Road in Pattaya meine Eröffnung statt. Seit nunmehr fünf Monaten erfreuen sich Thais und ausländische Gäste am Abend im Talay Zaab an feurigem Thai Food in Kombination mit eisgekühlten Drinks "made by frank".

Vielleicht ist ja mal jemand von euch in Pattaya, dann schaut gerne bei mir auf ein Gläschen vorbei!

Frank Leube