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Tief atmen statt Wut schnauben

Mit bewährten Ratschlägen aus der Praxis der Verkehrspsychologie hat sich jetzt der TÜV Süd in der Dauerdiskussion um den täglichen Stress im Berufsverkehr zu Wort gemeldet. In Deutschland seien mindestens sieben Millionen Pendler mit dem eigenen Auto unterwegs, um zur Arbeit zu kommen. Das führe vor allem in Städten und Ballungszentren zu hohem Verkehrsaufkommen.

 ©resterampe pixabay

Neben dem Berufsverkehr belasten den TÜV-Erkenntnissen zufolge auch am Wochenende der Freizeitverkehr zunehmend die Straßen. Wer beruflich viel Zeit im Auto verbringe, müsse Stress aushalten können. „Gerade wenn es bei Einfädelspuren eng wird oder Termindruck besteht, liegen bei manchen Autofahrern die Nerven blank. Dann kommt es auch mal zu aggressivem Verhalten, das manchmal bis zur Nötigung geht. In Zeiten höherer Verkehrsdichte ist Rücksichtnahme mehr denn je gefordert“ sagen die Fachleute vom TÜV-Süd. 

Lässt der Autofahrer seiner Wut über den Stau freien Lauf, so endet dies oft in riskanten Fahrmanövern. Damit gefährdet man andere und sich selbst. Nötigung ist kein Kavaliersdelikt, es droht sogar der Führerscheinentzug. Rücksichtloses Spurwechseln, dichtes Auffahren, Abdrängen oder abruptes Ausscheren aus dem langsam fließenden Verkehr sind einige Beispiele für aggressives Fahrverhalten. 

Nach einer in der ZEIT veröffentlichen Studie sind in Deutschland sind elf Millionen Arbeitnehmer mindestens 30 Minuten einfach unterwegs zur Arbeit. Davon nutzen etwa zwei Drittel der Pendlerinnen und Pendler das eigene Auto. Ein ganz wichtiger Grund: Berufstätige Paare finden selten zwei passende Jobs in Wohnortnähe. Dadurch steigt die Zahl der Pendler und damit das Verkehrsaufkommen. „Es ist für viele eine belastende Situation, morgens im Stau zu stehen und nur langsam vorwärts zu kommen. Männer fallen hierbei häufiger durch aggressives Verhalten im Straßenverkehr auf. Die Zahl der Frauen, die nach einer Nötigung zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) müssen, ist vernachlässigbar gering“, so Andrea Häußler, Mitglied der Geschäftsführung der TÜV SÜD Life Service GmbH.

 ©ADAC

Was tun, wenn die Ungeduld wächst?

Wer gestresst ist, sollte reagieren, bevor er aggressiv wird. Hilfreich ist eine regelmäßige und tiefe Bauchatmung. Das entspannt und lenkt ebenso ab wie positive Gedanken. Die Expertin rät, die Kraft der schönen Gedanken zu nutzen. „Erinnerungen an den letzten Urlaub, an einen netten Spaß unter Kollegen oder an das lobende Gespräch mit dem Chef – dies alles hilft, um sich von dem Stau abzulenken.“ Warum die Zeit nicht für sich nutzen? Ein privates Telefonat über die Freisprechanlage, die Lieblingsmusik hören oder einem interessanten Podcast oder Hörspiel lauschen. Es gibt einige Dinge, für die tagsüber nicht viel Zeit bleibt und so die Warterei im Stau sinnvoll genutzt werden kann.

Auch einen Zeitpuffer einzuplanen ist hilfreich. Fahrer sollten sich klarmachen, dass sie die Situation aktuell nicht ändern können. Eine Verspätung zu einem Termin kann auch per Handy schnell kommuniziert werden und den Stress des Zuspätkommens mindern, - allerdings nicht während des Fahrens…

Hilfe von Verkehrspsychologen

Fällt ein Fahrer mehrmals durch aggressives Fahrverhalten auf, bleibt es nicht ohne Folgen. Im schlimmsten Fall kommt es zum Entzug des Führerscheins und zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU). Für Verkehrsteilnehmer, die ihren Fahrstil nicht unter Kontrolle bekommen und daher Punkte im Fahreignungsregister haben, stehen zum Punkteabbau bundesweit  Verkehrspsychologen zur Verfügung. Für ein rücksichtsvolles Miteinander auf immer belebteren Straßen können alle Verkehrsteilnehmer ihren Beitrag leisten.

 

von Ernst Bauer