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Travelling off the road – 20 Reiseberichte, die Lust aufs Losfahren machen

So ganz zart und sachte scheint die Pandemie ihren Würgegriff um das Dasein der Reisenden ein wenig zu lösen, ein Glück. Ein noch größeres Glück ist es aber, dass keine Pandemie der Welt das Träumen zu verhindern vermag. Findet zumindest unser Mitarbeiter Heiko P. Wacker, der mal wieder am Träumen, sorry am Schmökern war.

 ©Motorbuch Verlag Stuttgart

Dieser Tage feierte Michael J. Fox seinen 60. Geburtstag, herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle auch von unserer Seite! Wer in den 1980er-Jahren als Teenager unterwegs war, kennt ihn wohl eher als „Marty McFly“, die Trilogie „Zurück in die Zukunft“ machte ihn über Nacht berühmt. (Im Jahr 1998 macht er seine Parkinson-Erkrankung öffentlich, seine Schauspielkarriere hat er inzwischen leider auch beendet.) Legendär hierbei: Dr. Emmett L. „Doc“ Brown, wunderbar verschroben dargestellt von Christopher Lloyd. Der spricht am Ende des ersten Teils, kurz nachdem er die Mülltonne in der Einfahrt umgedengelt hat, jenen legendären Satz: „Roads? Where we‘re going, we don‘t need roads.“ Dann klappt er die Spiegelbrille runter – und lässt den zur Zeitmaschine umgebauten DeLorean abheben. Links im Bild parkt derweil ein T2a unter den Bäumen, aber das ist eine andere Geschichte.

Genau dieser Satz fiel mir ein, als ich „Travelling off the road – 20 Reiseberichte, die Lust aufs Losfahren machen“ in die Finger bekam, das war mitten im Lockdown. Gleich vorneweg: Es geht weder um Zeitmaschinen noch um fliegende DeLoreans – sondern um das sehr irdische Vergnügen, einfach loszufahren, hier stehen Reisen jenseits befestigter Straßen auf Offroad-Routen und Tracks im Fokus. Afrika ist natürlich gesetzt, aber auch Albanien. Schottland – Achtung Kratzergefahr am Lack – oder Skandinavien, Portugal, Griechenland oder Pakistan sind auch mit im Fundus jener Erzählungen passionierter Offroader, die eine ganze Menge zu berichten haben.

Dabei braucht es nicht zwingend ein Expeditionsmobil im mittleren sechsstelligen Bereich, hierfür reicht auch schon ein Low-Budget-Bulli, kurzfristig gezimmert aus einem gebrauchten T4 Syncro ohne weitere Modifikationen. Das Abenteuer schaut nämlich hier wie dort sehr zuverlässig durch die Tür. Und dass man mit dem VW California auch problemlos den Polarlichtern nachjagen kann, gerne auch im arktischen Winter, das beweist der Herausgeber des Buchs mit seinem eigenen Beitrag zum Wintercamping auf den Lofoten. Was Michael schreibt, das kann ich nur bestätigen, ich durfte es vor vier Jahren auch erleben – aber unsere Leser kennen die Geschichte ja bereits: www.vw-bulli.de/geschichten/mit-dem-t6-california-noerdlich-des-polarkreises.

Okay, das war ein eher kurzer Trip, andere leben über Wochen oder gar Jahre „an Bord“, immer noch gierig nach fremden Kulturen und Landschaften, Lust machen die 20 zusammengetragenen Reiseberichte, die abgerundet werden durch sinnige Tipps zur jeweiligen Destination wie auch zum Reisegefährt. Denn ganz egal, ob man nun in Europa, in Afrika, in Zentralasien oder in südamerikanischen Salzpfannen unterwegs ist, die Mühle sollte in jedem Fall ebenso fit sein für den Trip wie der Mensch am Volant. Dass der Titel auch die jeweiligen Fahrzeuge und ihre Besitzer vorstellt, aber auch nicht mit Insider-Informationen zu den einzelnen Ländern geizt, das rundet das reich bebilderte Buch gelungen ab. Übrigens: Je Geschichte kostet es einen Euro, die Tipps gibt’s sozusagen gratis obendrauf.

Die wichtigste Info wiederum verteilt sich gleichmäßig auf allen 235 Seiten: Leute, genießt das Leben, genießt das Reisen, Aufschieben bringt nix. Noch ist das Zeitreisen nämlich nicht erfunden!

Michael Scheler (Hrsg.): Travelling off the road – 20 Reiseberichte, die Lust aufs Losfahren machen. Motorbuch Verlag Stuttgart 2021, 235 Seiten, Broschur, 378 Bilder, Format: 170 mm x 240 mm, ISBN: 978-3-613-50914-6, 19.95 Euro.

von Gerhard Mauerer