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Viel Arbeit, aber auch viel Spaß: Jörgs T4, Baujahr 1996

Für ihre Hochzeitsreise kauften sich Jörg und Nadine Kunefke 2018 einen T4, der bereits einiges an Campingausrüstung an Bord hatte. Wie so oft stellten sich schnell unentdeckte Mängel heraus. Doch Jörg packte an, und die Hochzeitsreise sowie etliche weitere Urlaube wurden zu vollen Erfolgen.

Hochzeitsreise 2018 in Norwegen.

 ©Jörg Kunefke

Hallo Bullifreunde!

Am Anfang stand der Satz: "Das macht mit 'nem VW Bus bestimmt mehr Spaß als mit 'nem Skoda Octavia..." Im April 2018 haben meine Frau Nadine und ich geheiratet und wollten unsere Hochzeitsreise im Sommer durch Norwegen machen. Die Reise war eigentlich schon geplant, als ich obigen Satz ganz unbedacht im Februar 2018 losließ. Es folgten viele Stunden in diversen Fahrzeugbörsen, die darin endeten, dass wir im Mai einen T4 Multivan Classic mit Campingausstattung fanden. Seine Eckdaten:

Baujahr 1996

2,5 TDI, 102PS; ACV-Motor

Kilometerstand bei Kauf: 416.000

2-Zonen-Klimaautomatik

Farbe: tornadorot

Vejers Strand, Dänemark, 2018.

 ©Jörg Kunefke

Die Campingausstattung sah wie folgt aus:

Ein B2B-Sitz war durch einen Küchenschrank ersetzt worden, der mit einer Spüle und Zehn-Liter-Frischwasser-/ Abwassertank ausgestattet war. Unter dem Beifahrersitz war bereits eine 80Ah-Batterie mit Trennrelais und 230V-Wechselrichter. Dazu gab es einen 12V-Kühlschrank, der zwar nicht für Frischfleisch geeignet, aber zumindest für etwas Aufschnitt und Käse für zwei Tage ausreichend war.

Die Ausstattung war insofern ideal für uns, da das Notwendigste für unsere geplante Reise bereits eingebaut war, der Bus aber nicht wie zum Beispiel ein California fast ausschließlich als Camper nutzbar war, sondern immer noch sechs vollwertige Sitzplätze bot.

2019 in Schweden, Öland, vor Schloss Borgholm.

 ©Jörg Kunefke

Der Bus hatte noch zwei Monate TÜV und eine Bewertung von Classic-Data über 8400 Euro. Laut Verkäufer waren 2016 für knapp 6000 Euro bei einem Karosseriebetrieb der Boden und die Schweller komplett überarbeitet worden.

Weiter gab es einen "TÜV-Vorab-Check", der lediglich ein paar Kleinigkeiten wie ungleichmäßige Bremswirkung, Ölverlust oder einen beschädigten Außenspiegel als Mängel aufwies.

Ich bin gelernter Kraftfahrzeugmechatroniker, die Mängel sollten also keine unüberwindbaren Hindernisse darstellen.

Rost am Schweller vorne links.

 ©Jörg Kunefke

Die Freude am neuen Bus währte leider nicht lange. Auf dem Foto sieht man beispielhaft, wie es um die Karosserie teilweise wirklich stand: Der Schweller vorn links war von oben und unten durchgerostet. Der Dichtungsflansch der Schiebetür war weggerostet und am schlimmsten hatte es das Radhaus hinten links erwischt: hier klaffte nach ein paar Hammerschlägen ein riesiges Loch. Vom Verkäufer gab es keinerlei Reaktionen mehr...

Bis zu unserer geplanten Reise im August verging seitdem quasi keine freie Minute mehr, die ich nicht in, an oder unter dem Bus verbrachte. Die Schweißarbeiten hat eine befreundete Werkstatt (Fa. Mobidee in Borgholzhausen) erledigt. Die mechanischen Schwachstellen erwiesen sich auch als deutlich umfangreicher als ursprünglich angenommen. Dafür hatte der TÜV kurz vor unserer Abreise lediglich eine nicht funktionierende Scheibenwaschdüse zu bemängeln...

Im Herbst 2019 auf dem Weg ins Salzburger Land.

 ©Jörg Kunefke

Der Urlaub in Norwegen war ein riesen Spaß, die Arbeit hatte sich eindeutig gelohnt.

Und es folgten neben mehreren kleinen Trips Urlaube an der Nordsee, in Österreich und in Schweden.

Kürzlich habe ich einen gut erhaltenen Fahrradträger für die Heckklappe erstehen können. So können wir - hoffentlich - in diesem Jahr mit Fahrrädern nach Zingst an die Ostsee und auf große Sommertour durch Schottland fahren. Wo es uns sonst noch so hintreibt, warten wir mal ab...

In Österreich nahe Telfs 2019.

 ©Jörg Kunefke

Kleinere Roststellen habe ich im Laufe der letzten Monate übrigens immer mal wieder gefunden. Für das nächste Jahr ist eine richtige Aufarbeitung des Bodens geplant. Dazu wird der Bus wahrscheinlich zum Trockeneisstrahlen gebracht und möglichst der ganze Gammel entfernt, geschweißt, neu versiegelt, etc. Ziel ist auf jeden Fall das H-Kennzeichen. Damit wäre er hier zu Hause in guter Gesellschaft: Seit 2018 fährt mein 88er Golf 2 GT auch als Oldtimer :-)

Aktuell hat der Bus übrigens 438.000 Kilometer auf dem Tacho. Bis auf eine Kleinigkeit (gelöster Ladeluftschlauch) waren wir mit ihm stets pannenfrei unterwegs! Die Campingausstattung unterliegt auch ständigen Um- und Nachrüstungen: Nach einigen Problemen mit der Elektrik habe ich diese neu verkabeln müssen. Der kleine Kühlschrank wurde durch eine Waeco Kühlbox ersetzt. Durch den Einbau einer elektrischen Kochplatte haben wir zwischenzeitlich auch die Wohnmobilzulassung erlangen können.

MfG Jörg

von Gerhard Mauerer