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VW Bus und Transporter - Vom Samba-Bus zu California, Multivan und I.D.Buzz

Die Neuauflage von Randolf Unruhs Werk "VW Bus und Transporter" ist erschienen. Heiko Wacker hat es gelesen und erklärt, warum dieses Buch für jeden Bulli-Fan ein Gewinn ist.

 ©Motorbuch Verlag Stuttgart

Langweilig war die Geschichte des VW Bulli nie, ganz im Gegenteil! Vom rundlichen Lastenesel des Wirtschaftswunders über die kantigen T3 bis hin zum flammneuen VW T6.1 hat der große VW eine ganze Menge erlebt. Und es bleibt auch zukünftig spannend, wenn sich die Ahnenlinie des legendären Nutzfahrzeugs in Richtung E-Antrieb oder T7 aufsplittet. Jetzt gerade werden die Weichen gestellt für die nächsten Jahre und Jahrzehnte.

Selbst für Kenner der Automobilhistorie ist die bis in die 1940er-Jahre zurückreichende Geschichte des „Typ 2“ ein kaum je in Gänze zu erfassendes Feld. Zu viele Sondermodelle des T4, zu viele technische Eigenarten der der Ära der Hecktriebler gab es in der Vergangenheit, als dass man je wirklich alles wissen könnte.

Genau das macht es aber auch so schwer, eine gute „Auto“-Biographie zum Bulli zu schreiben, hat man sich doch viel zu rasch in Nebenschauplätzen verstrickt, so dass das große Ganze aus dem Blick gerät. Und wer knackhart reduziert, der läuft schnell Gefahr, in der Banalität unterzugehen. Die Generationen des Bulli schlicht auf die Position des Motors zu reduzieren (erst hinten, dann vorne, bald wieder hinten), das greift zu kurz – um es mal übertrieben auf den Punkt zu bringen.

Und damit wären wir bei der Neuauflage von Randolf Unruhs Werk „VW Bus und Transporter“, welches in diesen Tagen erschien, und damit genau richtig für lange Schmökerabende. Denn die wird man brauchen angesichts dieses fast schon monumentalen Werks, das exakt den richtigen Mittelweg findet zwischen chronologischer Stringenz und inhaltlicher Tiefe: 400 Seiten zu 40 Euro sind ein faires Angebot. Und ein neues Cover gab es auch noch für die Neuauflage: Jetzt mit T3 California statt mit T1.

Dabei merkt man, dass Randolf ein ganz großer Kenner der Materie ist: Seit Jahren, Jahrzehnten gar gehört er zum innersten Zirkel deutscher Nutzfahrzeugjournalisten, und hat die Geschichte des Bulli über Jahre hinweg persönlich begleitet. Seine unzähligen Artikel in der Fachpresse sind Beweis genug eines enormen Wissens, das nun eben in einer bis in die Jetztzeit erweiterten Neuauflage seines Buchs mündet.

Streng chronologisch spürt er dem Phänomen Bulli nach: Von den ersten, noch hastig zusammengeschwarteten Prototypen auf Käferbasis bis hin zum E-Bulli reiht sich Baujahr auf Baujahr, und das in spannend zu lesender Art. Natürlich geht es immer wieder um die Technik, werden Änderungen am Ventiltrieb oder stärkere Lichtmaschinen erwähnt. Doch bettet Randolf die geballte Ladung Technikgeschichte sowohl in die Geschehnisse vor wie auch hinter den Werkstoren ein.

Diese Einbeziehung des historischen Kontextes macht das Buch zu einem ganz besonderen Geschichtswerk: Wer hier mehr über den Bulli lernen will, der lernt – heidewitzka – mal eben auch mehr über die Weltgeschichte oder die Geschehnisse im Land. Bei all dem die richtige Mischung zu finden, das war sicher nicht leicht. Aber es gelang – auch in der in Umfang deutlich gewachsenen Neuauflage, die freilich noch den ein oder anderen Umbruchfehler aufweist.

Garniert hat Randolf sein Buch mit unzähligen Abbildungen: Manches Motiv kennt man, viele jedoch sind Ergebnis einer jahrelangen Sammeltätigkeit des Autors, wobei es weniger um schiere Ästhetik ging, sondern um das Vermitteln von Fakten. Wer Bulli-Silhouetten mit Palmen und Sonnenuntergängen will, der wird hier nicht wirklich fündig. Wer jedoch ein Faible für die Fakten hat, sehr wohl: Schnittzeichnungen zu Fahrwerksänderungen, zu den ersten Allrad-Prototypen der 1970er-Jahre oder zum Fundament des E-Baukastens bieten pralle Wissensvermittlung. Ganz davon abgesehen, dass auch immer wieder besondere Ereignisse innerhalb des Konzerns berücksichtigt werden, auch die Einführung neuer Modelle wie des LT, des Crafter oder des Amarok kommen zur Sprache. Vielleicht sollte man sich deshalb gerade jetzt, wo die Karten neu gemischt werden, oder die Zusammenarbeit mit Ford grundsätzlich viele Dinge, wie eben den Amarok, in Frage stellt, mit der Geschichte des Bulli beschäftigen.

Die war nämlich, und das zu zeigen gelingt diesem Buch, das in keinem Regal eines echten Bulli-Fans fehlen darf, niemals langweilig. Ganz im Gegenteil! Und jetzt scheint sie sogar richtig fetzig zu werden. Wir sind gespannt – und Randolf Unruh sicherlich auch. Er als Chronist der Ikone wird sicherlich am Ball bleiben.

Randolf Unruh: VW Bus und Transporter. Vom Samba-Bus zu California, Multivan und I.D.Buzz. Motorbuch Verlag Stuttgart 2019 (überarbeitet und erweiterte Neuauflage), 399 Seiten, 500 Abbildungen, 230 x 265 Millimeter, gebunden, ISBN 978-3-613-04201-8, 39.90 Euro.

Heiko P. Wacker