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Wenn die Werkstatt wie "Heimat" ist

VW-Bulli.de Herausgeber Ernst Bauer hat eine VW-Werkstatt seines Vertrauens. Als er kürzlich die 170 Kilometer zur Werkstatt im Schwarzwald fuhr, entdeckte er auch so einige VW-Schmankerln, über die er hier berichtet.

Des Marders Werk.

 ©Ernst Bauer

Hallo Bulli-Freunde,

"wenn die Werkstatt wie "Heimat" ist" - nein, wir meinen damit nicht, dass das Auto mehr in der Werkstatt steht als draußen. Hier gesteht VW-Bulli.de-Herausgeber Ernst Bauer, weshalb er immer mal wieder 170 Kilometer weit fährt, wenn an seinem Volkswagen etwas nicht in Ordnung ist.

Alte Liebe rostet nicht. Dieses Sprichwort kam mir in den Sinn, als ich mal wieder in der VW-Werkstatt meines Vertrauens war. Bei meinem (inzwischen sechsten!) Tiguan war der Service fällig und zudem der TÜV nach drei Jahren oder 36.000 Kilometer Fahrleistung. Das lässt sich planen und deshalb verbinde ich solche Termine mit Kurzferien im Hochschwarzwald. Hier blieb ich vor 13 Jahren mal mit einem Touran hängen und man hat mir schnell geholfen. Die Ursache damals: Ein Marderbiss hatte ein Kabel zerfleddert und das Auto konnte nicht mehr starten.

Bulli-Kühlschrank in der Werkstatt.

 ©Ernst Bauer

Inzwischen habe ich viel über diese niedlichen Nager gelernt und auch einige Texte dazu geschrieben. Ich weiß, dass manche Autoversicherer und auch ein Autoclub sich finanziell beteiligen und ich glaube auch noch immer daran, dass es Ingenieuren aller Marken gelingen möge, Kabel, Schläuche und derlei Leckerbissen so zu verbrämen, dass den Nagern die Lust ausgeht.

Die Wirtin des Gasthauses Blume in Lenzkirch-Kappel kennt die Sorgen mancher Gäste: „Unseren Autos, die hier sommers wie winters draußen stehen, machen sie nix. Aber wenn ein anderes Auto kommt, in dem schon mal ein Marder hauste und seinen Geruch hinterlassen hat, dann wollen die ihr Revier ausbauen…“

Wenn das stimmt, woran ich kaum zweifle, denn Katrin Kramer ist eine lebenserfahrene Frau, dann sollte der Hochschwarzwald-Tourismus mal einen Appell an die Heimat-Marder loslassen. Denn das, was die tun, ist wenig touristenfreundlich.

T2 in der Werkstatt

 ©Ernst Bauer

Wäre ich jetzt nicht zum Service gefahren, hätte es böse Folgen gehabt. Doch der Kundendienst-Spezialist entdeckte, was der DEKRA-Prüfer nicht bemängelt und wohl auch nicht gesehen hat. Das Druckrohr zum Turbolader war ziemlich tief betroffen und musste erneuert werden. Schaden rund 140 Euro.

Ich vermute mal, dass der Marder (eine Marderin wird wohl kaum ihr Revier ausweiten wollen…) ein ganz toller Typ sein muss. Denn was in der Teileliste von VW als Druckrohr benamst wird, ist nichts anderes als ein – mit Gewebe verstärkter – armdicker, gebogener Schlauch. Und dass er den Typ-Typen in Wolfsburg mal zeigen wollte, dass er sehr wohl zwischen Rohr und Schlauch unterscheiden kann…

Zurück zur alten Liebe: In der Wartepause wegen der zusätzlichen Reparatur zeigte mir der Serviceberater einige Raritäten. Denn der Chef des Autohauses Wittmer („die Autofamilie in Titisee-Neustadt und Lenzkirch“) hat ein Herz für Oldtimer. In der Werkstatt wird derzeit ein rot-weißer T2 auf Kundenwunsch von Grund auf restauriert, ebenso ein Brezel-Käfer. Und weil man hier auch Bulli-affin ist, steht im Show-Room ein Retro-Bulli-Kühlschrank als Sonderedition von Gorenje und für Campingfreu(n)de gibt es von Volkswagen Lifestyle das kultige T1-Zelt sowie ein T1-Kinderzelt.

Tank und Bauschaum am T2.

 ©Ernst Bauer

Und dann habe ich in der letzten Ecke der Werkstatt noch einen T2 entdeckt, - beziehungsweise das, was der Rost noch übriggelassen hat. Das Auto haben sie in Belgien entdeckt, es kommt aber aus Kalifornien. Heilig’s Blechle, - daran gibt es einiges zu tun, wie die Fotos zeigen. Doch die Abteilung Karosserie und Lack wird es schon richten. Und wenn dann auch noch ein neuer Tank montiert ist, braucht es auch keinen Bauschaum mehr – wie ihn die Vorbesitzer zum Abdichten großzügig reingedrückt hatten.

Wenn unser Redaktions-Bulli mal wieder Mucken oder Macken hat, vertraue ich ihn gerne den geschickten Monteuren in der 950-Meter-Höhenluft an. Und allen Lesern, die uns gelegentlich fragen, wo eine gute Werkstatt ist, die T1 oder T2 fit macht, können wir nun auch eine Adresse vermitteln.

von Ernst Bauer