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Wie man zu über 1100 Modell-Bullis kommt

Christian Friedrichs besitzt eine sagenhafte Sammlung von Modell-Bullis. Hier erzählt er uns, wie es zu seiner Leidenschaft kam. "Schuld" daran, dass er mehr als 1100 Modell-Busse besitzt, ist übrigens seine Frau.

T1a, Sondermodelle (1), T1b. ©Christian Friedrichs

Liebe Bulli-Freunde,

wie ich zu über 1100 Modell-Bullis kam? Tja, wie soll ich das erklären? In einem Satz zusammengefasst könnte man sagen: Meine Frau ist an allem schuld... Aber das so pauschal zu formulieren, würde ihr sicherlich Unrecht tun, also muss ich doch mal etwas weiter ausholen.

Ich bin 29 Jahre alt und komme aus einem kleinen Dorf im Landkreis Gifhorn. Das ist in der Nähe von Wolfsburg, und so überrascht es auch nicht, dass mein Vater für Volkswagen arbeitet.

 ©Christian Friedrichs

Damit war eine natürliche Nähe zu VW schon mal gegeben, schließlich kam damit in meiner Kindheit auch keine andere Automarke auf den Hof.

Natürlich waren auch die kleinen Autos in meiner Kindheit ein wichtiges Element, von Siku oder Matchbox meist.

T1b. ©Christian Friedrichs

Heute werde ich gelegentlich etwas traurig, wenn ich daran denke, wie ich diese Autos damals behandelt habe, wenn ich manche Sammlerpreise sehe, aber wer weiß als Kind schon, was Geld ist, und dass man das mal braucht.

 ©Christian Friedrichs

Dann kamen die kleinen Sammelautos.

Bei uns im Dorf gab es ein Geschäft, das neben vielen anderen Dingen auch Spielzeug verkaufte. Damals (wenn man 1992 schon so nennen kann) gab es dort auch tatsächlich noch Modellbahnen und das entsprechende Zubehör. Da kaufte ich mein erstes Wiking-Auto, einen roten Golf 2, und damit fing es an.

T1b, T2 (1), T2 bis T3 (2). ©Christian Friedrichs

Bei dem einen blieb es natürlich nicht, und so sammelten sich bis zum Beginn der Pubertät etwa 100 Modelle verschiedener Marken und Hersteller an – eine VW-Bus-Fokussierung gab es damals noch nicht. Als Kind wurden diese Autos auch noch bespielt, auf eigens dafür gebauten Straßen aus dem Modellbahn-Zubehör, was auch nicht jedes Modell überlebt hat.

 ©Christian Friedrichs

Mit der Pubertät und dem gesteigerten Interesse an Mädchen fand ich das Modelle sammeln irgendwann „uncool“, und sie hingen nur noch an der Wand und vermehrten sich nicht mehr. Als ich dann bei meinen Eltern ausgezogen bin, wanderten sie gar in ihre Packungen und kamen in einen Karton im Keller. Damit waren sie zunächst ganz aus dem Blickfeld verschwunden, bis meine jetzige Frau und damalige Freundin bei mir einzog und die Modelle im Keller fand. „Die sind doch zu schade zum Verstecken, häng sie doch wieder auf“, waren damals ihre Worte. Das tat ich dann, und da waren sie wieder.

T3 (1), T3 bis T4 (2). ©Christian Friedrichs

Da ich mittlerweile nicht mehr auf dem Dorf, sondern in der Großstadt Hannover wohnte, und zwischenzeitlich jemand eBay erfunden hatte, waren meine Möglichkeiten, meine Sammelleidenschaft wieder auszuleben, nun ganz anders. Es kam eine Modellbahn dazu (die ich als Kind auch schon immer mal haben wollte), und die Modelle fingen auch wieder an, mehr zu werden.

 ©Christian Friedrichs

Dann, im Jahr 2009, wir kamen aus dem Urlaub in den BeNeLux-Staaten, sagte meine Frau zu mir, als sie mal wieder auf die Modelle blickte: „Warum fängst du nicht eine VW-Bus-Sammlung an?“ Ich weiß nicht, ob sie sich da ganz im Klaren war, was sie da gesagt hatte, aber damit war der Bann gebrochen.

T4 (1), T4 bis T5 (2). ©Christian Friedrichs

Der VW Bus hatte mich schon immer gereizt. Mein Vater, der VW-Arbeiter, hatte drei hintereinander: Erst einen T3 Baujahr 1990 (Sonderausstattung; Kühlbox, Kassettenradio mit einem Lautsprecher vorn) danach zwei T4 Sondermodelle Allstar. Da wir damit viele schöne Urlaubsreisen durch Schweden (seitdem habe ich einen starken Zug in Richtung Norden) mit dem Wohnwagen gemacht haben, waren diese Bullis quasi mein sommerliches Zuhause.

 ©Christian Friedrichs

Im Zivildienst hatte ich dann einen T4 als Dienstwagen, TDI mit 105 PS, und bei der Dorffeuerwehr durfte ich hin und wieder einen T3 als Einsatzfahrzeug fahren (der aber auch schon mal ausgegangen ist – ein Bulli steht halt nicht gern rum...).

Einen eigenen Bulli habe ich nie besessen, und da ich weder reich bin noch schrauben kann, wird sich daran wohl auch demnächst nichts ändern.

Jedenfalls begann nach dem Anstoß durch meine Frau eine Sammelleidenschaft, die schon fast eine Sammelwut war. Ich zog durch alle Modellgeschäfte, plünderte eBay und Modellbahnbörsen und kaufte mir jedes Modell, das ich sah, noch nicht hatte und mir leisten konnte.

Wichtig war und ist mir bei den Modellen nur, dass sie mir gefallen müssen (da ich das Militär nicht so mag, habe ich wenige Bundeswehr-Bullis, obwohl es davon relativ viele Modelle gibt).

 ©Christian Friedrichs

Und so geht es bis heute weiter. Fast schon gierig warte ich auf die Neuerscheinungen der Modell-Hersteller, es ist schon eine Sucht geworden. Aber ich habe mich eingeschränkt: Es muss nicht mehr unbedingt jedes Modell sein. Jetzt suche ich mehr die Schätzchen, die Besonderen, die Sondereditionen und limitierten Auflagen. Und es kommen nicht mehr pro Monat 100 Stück dazu, aber um die zehn sind es schon meist noch.

Auf Auslandsreisen schaue ich meist nach einem landestypischen Bulli, Polizei, Feuerwehr oder eine lokale Firma, doch der Markt wird eindeutig von Deutschland dominiert. Schon allein aus Platzgründen kann ich nicht mehr so exzessiv sammeln, denn neben den Bullis haben sich auch noch an die 800 andere H0-Modelle angesammelt... Das Kleine fasziniert mich halt! Und die Kleinen haben auch noch ein paar große Brüder...

 ©Christian Friedrichs

So kamen insgesamt über 2000 Modellautos zusammen. Der VW Bus ist dabei nun der Mittelpunkt geworden, aber wenn ich einen schönen Käfer sehe, komme ich auch daran nicht vorbei. Oder einen interessanten LKW. Oder ein anderes schönes Modell...

Viele Grüße an alle Bulli- und Modell-Bulli-Fans!

Christian Friedrichs

Christian Friedrichs/Gerhard Mauerer