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Winterreifen: auf Nässe besser als auf Schnee

Der neueste Test des ADAC stärkt eine alte Erfahrung: Bei Winterreifen kommt es nicht nur auf die Gummimischung an. Weil sie ein grobstolliges Profil haben, bremsen sie auf Nässe besser als auf Schnee. Wer ganz sicher fahren will, vergrößert einfach den Abstand. Oder reduziert das Tempo.

Continental Van Contact Winter

 ©ADAC

Ein knallbunter VW T6 Multivan war das Referenzauto für die Fahrzeuggattung Vans. Mit ihm wurden u.a. im finnischen Ivalo Fahr- und Bremsversuche gemacht. Das erstaunliche Ergebnis, jetzt in der letzten Ausgabe der ADAC-Motorwelt abgedruckt: Kein Winterreifen der Dimension 205/65 R 16 C, zugelassen für maximal 190 km/h als 107/105 T, schaffte ein „Gut“.

Auf den Plätzen eins, zwei und drei landeten in dieser Reihenfolge der Continental Van contact winter,(Note3,0), der Pirelli Carrier-Winter (3,3) und der Michelin agilis alpin (3,4) . Bei der Beurteilung der Reifen nach ADAC-Kriterien wird deutlich, wie unterschiedliche Anforderungen zu einem Plus oder Minus führen.

Beispiel Continental: Bestnote auf trockener und nasser Fahrbahn, aber relativ schwach auf Eis und beim Verschleiß.

Beispiel Pirelli: Gut auf trockener Fahrbahn, geringer Spritverbrauch, aber im Vergleich zu den Besten schwächer auf Nässe.

Beispiel Michelin: Bestnote beim Verschleiß, besonders gut auf Schnee, aber relativ schwach auf trockener Fahrbahn.

Pirelli Carrier-Winter

 ©ADAC

Für den Verbraucher und möglichen Kunden ergeben sich nur magere Hinweise. Die Orientierung wird schon allein deshalb schwierig, weil kein Mensch voraussagen kann, welche Fahrbahn- und Wetterzustände zwischen Oktober und Ostern eintreten werden.

Legt man besonderen Wert auf optimales Fahr- und Bremsverhalten wird man von einem Reifen, der besonders gut auf Schnee ist, nicht enttäuscht sein. Doch wie oft in der Saison kommt der Normalfahrer wirklich auf puren Schnee? Viel häufiger rollt er über trockene, oder matschige Straßen. Bei einer typischen Fahrt im schneereichen Süddeutschland, etwa vom Allgäu oder Hochschwarzwald bis in die Region Stuttgart kann man nahezu alle denkbaren Fahrbahnzustände antreffen. Und auf teilweise geräumten Autobahnen kann rechts noch Schnee liegen und links schon aufgetauter Matsch, also fast pure Nässe.

Michelin agilis alpin

 ©ADAC

Unter dem Aspekt der Verkehrssicherheit spielt der Anhalteweg die entscheidende Rolle. Interessant ist der Vergleich der Bremsstrecken aus 80 km/h. Sieben von fünfzehn getesteten Reifen landeten mehr oder weniger weit nach der Durchschnittsmarke 44,4 Metern. Zwischen dem besten (Goodyear) und dem schlechtesten (BF Goodrich) klafft (bei den Nässe-Kriterien) eine Lücke von mehr als zehn Metern.

Nun argumentieren Reifenverkäufer gerne mit dem Bremsweg und auch die Erfahrung auf der Straße zeigt, dass die meisten Auffahrunfälle nicht aus markant überhöhtem Tempo resultieren, sondern ihre Ursache im etwas zu geringen Abstand hattem. Zumindest gilt dies für die leichteren Auffahrkarambolagen,als deren Folge oft schwerere Massenunfälle entstehen, weil für alle Nachfolger der Anhalteweg immer kürzer wird.

Egal, mit welchen Reifen man winters unterwegs ist: Es ist wesentlich einfacher und zudem deutlich sicherer, den Abstand deutlich zu vergrößern. Wie die aktuellen Tests dokumentieren,liegt der Bremsweg der Winterreifen auf Nässe im Mittel bei 44,4 Metern. Zwischen zwei Leitpfosten am Rande der Autobahnen beträgt die Strecke normalerweise 50 Meter. Da müsste es doch möglich sein, immer ein bis zwei Pfosten Abstand zu halten, anstatt mit der Schnauze am Heck des Vorausfahrenden zu kleben…

von Ernst Bauer