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Abstand ist Anstand

Bei jedem dritten Unfall war nach den Messungen des Statistischen Bundesamtes ein zu geringer Sicherheitsabstand die entscheidende Ursache. Bei jedem zehnten Unfall mit Personenschaden war es ebenso. Abstand halten gilt nicht nur wegen Corona, sondern ist schon jahrzehntelang eine der vielen Vorschriften der Straßenverkehrsordnung (StVO). Allerdings hat der § 4 StVO eher grundsätzlichen Charakter, wenn dort formuliert wird, dass der Abstand zu einem vorausfahrenden Fahrzeug in der Regel so groß zu sein hat, um auch dann hinter diesem halten zu können, wenn es plötzlich gebremst wird. Dass diese Regel keinen konkreten Abstand benennt, liegt daran, dass der jeweils richtige Abstand direkt abhängig ist von der gefahrenen Geschwindigkeit.

 ©GI

Ausreichender Sicherheitsabstand ist nicht erst seit Corona von erheblicher Bedeutung. Im Straßenverkehr gehört genügend räumliche Distanz zum vorausfahrenden Fahrzeug zu den elementaren Sicherheitsvorkehrungen, um Unfälle zu vermeiden. Deshalb zählen die Regelungen zum Sicherheitsabstand in der Straßenverkehrsordnung (StVO) zu den wichtigsten Vorschriften, wenn es um die Sicherheit im Straßenverkehr geht. Zur Einhaltung von ausreichend Mindestabstand legt § 4 der Vorschrift grundsätzlich fest, dass der Abstand zu einem vorausfahrenden Fahrzeug in der Regel so groß zu sein hat, dass auch dann hinter diesem gehalten werden kann, wenn es plötzlich gebremst wird. Dabei wird im Gesetzestext allerdings nicht konkretfestgelegt, welcher Abstand zum Vordermann einzuhalten ist. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Umfang des richtigen Sicherheitsabstands von der gefahrenen Geschwindigkeit abhängt.

Schon in den Fünfzigerjahren trainierten die Fahrlehrer und etwas später auch die Kollegen der Bundeswehr eine Art Faustformel. So entstand der Begriff vom halben Tachoabstand. Bedeutet: Wer in der Stadt die vorgeschriebenen maximal 50 km/h fährt, sollte 25 Meter Distanz zum nächsten vorausfahrenden Auto halten. Bei Landstraßengeschwindigkeit 100 müssen 50 Meter Abstand eingehalten werden. Alles darunter ist zu eng!

Mal abgesehen davon, dass der Vordermann noch genderfrei ist, - Schätzen kann fehlen. Wie eng darf man in Tempo 30-Zonen aufrücken ? Wemes schwerfällt, die Distanz nach vorn richtig abzuschätzen, der kann sich auf Autobahnen und Landstraßen an den Leitpfosten neben der Fahrbahn orientieren: Sie sind in der Regel im Abstand von 50 Metern aufgestellt. Deshalb können sie als Referenz zum Abschätzen des Sicherheitsabstands dienen.

Moderne Autos verfügen häufig über entsprechende Assistenzsysteme, die den Fahrer warnen, sobald der Abstand nach vorn zu gering wird. Dann ertönt ein akustisches Signal und/oder ein visueller Warnhinweis erscheint im Display. Weitergehende Abstandstempomaten bremsen das Fahrzeug sogar selbsttätig ab, wenn man dem Vordermann zu sehr „auf die Pelle rückt“. So sollen diese Systeme den Fahrer entlasten und Auffahrunfälle verhindern. Abstandsassistenten nach dem aktuellen Stand der Technik können das Fahrzeug übrigens nicht nur abbremsen, sondern bei Bedarf auch beschleunigen, etwa wenn sich ein Stau auflöst. Diese Systeme erkennen automatisch alle kritischen Situationen und reagieren darauf mit Abbremsen oder gegebenenfalls wieder Gas geben.

Verkehrssicherheitsexperten warnen Autofahrer allerdings davor, sich „blind“ auf diese unterstützenden Systeme zu verlassen. Denn sollte der Fahrerassistent versagen, wird letztlich immer noch der Fahrer für mögliche verursachte Schäden verantwortlich gemacht.

Auch zu Fußgängern, Radfahrern und Elektro-Kleinstfahrzeugen (wie E-Scootern) haben Kraftfahrer einen seitlichen Mindestabstand beim Überholen bzw. Vorbeifahren von innerorts mindestens 1,5 Metern und außerorts mindestens 2 Metern einzuhalten. Grundsätzlich haben sich in der Rechtsprechung folgende Werte zum seitlichen Sicherheitsabstand durchgesetzt: Dieser sollte zu einspurigen Fahrzeugen mindestens eineinhalb Meter betragen, zu zweispurigen Fahrzeugen einen Meter und zu Linien- und Schulbussen zwei Meter.

Die ganze Theorie läuft jedoch leider allzu oft ins Leere: Gerade auf Autobahnen sind die heimlichen Verursacher vieler Unfälle unter den Dränglern zu finden und dort sollte man sie auch suchen. Sie nutzen jede Lücke zwischen friedlich rollenden Autos und vernichten damit die Sicherheitszone. Wenn es danach kracht, sind sie meist über die Berge und schon wieder weiter vorne. Wer dann nicht rasch genug den ursprünglichen Abstand wieder herstellt, - den beißen die Hunde…

von Ernst Bauer