Zurück

Ratgeber: Unfall mit Anhängerkupplung

Wer eine Anhängerkupplung am Auto hat, kann Vorteile haben, wenn ihm einer hinten drauf fährt. Doch wie sieht es im Inneren der Anhängerkupplung aus?

 ©Gina Sanders Fotolia

Als Rammbock sollte niemand seine Anhängerkupplung missbrauchen. Viele Menschen vertrauen aber zumindest auf ihren passiven Schutzwert – etwa dann, wenn ein unvorsichtiger Verkehrsteilnehmer an der Ampel oder beim Parkvorgang dem „geheiligten Blech“ zu nahe kommt. Der harte Stahlhaken kann ganz schön austeilen ohne äußerlich selbst Schaden zu nehmen. Doch unter der harten Schale kann es ganz anders aussehen.

Von einer Anhängerkupplung ist in der Regel nur der massive Kugelkopf sichtbar. Je nach Konstruktionsprinzip – abnehmbar, schwenkbar, starr, Anhängebock – ist dieser direkt mit einer Traverse unter dem Fahrzeug verschraubt oder verschweißt bzw. per Steckverbindung über eine flexible Aufnahme verbunden. Kommt es zu einem Heckaufprall, bekommen alle verbundenen Komponenten die Wucht der Kollision zu spüren. Somit können praktisch überall Brüche, Risse und Verformungen auftreten, warnt Rameder, Europas größter Anbieter von Anhängerkupplungen.

Die Kugel muss beim Anhängerbetrieb große Kräfte aufnehmen, ohne dabei im Hinterwagen zu irgendwelchen Verwindungen zu führen. Wie immer die Befestigungspunkte gewählt werden – in vielen Fällen muss der Autofahrer damit rechnen, dass sein Auto sich im Falle eines Heckaufpralls anders verhält als ohne Kugelkopfkupplung. In vielen Fällen wird das Heck steifer, was für bei unfallbeteiligte Fahrzeuge und ihre Insassen negative Folgen haben kann. Dabei geht es nicht allein um die in den Vorderwagen des Auffahrenden eindringende Kugel bei starren Systemen. Der Aufprall wird härter, der Schaden kann deswegen größer werden.

Selbst nach Bagatell-Unfällen sollte eine Anhängerkupplung fachkundig untersucht werden. Auch die Elektrik sollte geprüft werden, denn Steckdose und Kabel könnten ebenfalls etwas abbekommen haben. Bei höheren Aufprallgeschwindigkeiten oder ungünstigem Unfallwinkel sollte die Anhängerkupplung vorsorglich sogar ganz getauscht werden. Dies gilt selbst dann, wenn äußerlich keine Beschädigungen zu erkennen sind: Denn unbemerkte Haarrisse oder eine verschobene Geometrie können beim Ziehen eines tonnenschweren Anhängers zum Sicherheitsrisiko werden.

Eine Materialprüfung inklusive exakter Vermessung wäre alternativ zwar technisch möglich, stünde jedoch in keinem passenden Verhältnis zu den Kosten. Ein „Herumdoktern“ mit Einzelteilen empfiehlt sich bei der Reparatur ebenfalls nicht. Lediglich ein intakter Elektrosatz kann am Fahrzeug belassen werden.

Die Kosten für die neue Anhängerkupplung werden bei einem unverschuldeten Unfall von der gegnerischen Versicherung ersetzt – es kommt dabei aber immer auf den konkreten Einzelfall und das vorliegende Unfallgutachten an. Denn leider gibt es auch da so manchen Haken.

ampnet/Sm