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Runde Sache: Die TÜV-Plakette wird 60

Farbig und kreisrund klebt sie auf dem hinteren Nummernschild als Siegel für die Sicherheit der 2020 rund 67 Millionen in Deutschland zugelassenen Fahrzeuge. Man nennt sie TÜV-Plakette, obwohl das Wort nicht draufsteht. Jetzt wurde sie 60 Jahre alt. Man sollte einiges über sie wissen.

„Die Plakette ist seit 60 Jahren ein bekanntes und sichtbares Symbol für das hohe Niveau der Verkehrssicherheit von Pkw, Motorrädern, Lkw und Bussen. Sie zeigt: Das Fahrzeug ist vorschriftsmäßig und verkehrssicher“, sagt Jürgen Wolz, verantwortlich für die Fahrzeugüberwachung bei TÜV SÜD. Seit 1961 erinnert die Plakette Fahrzeughalter an den anstehenden Termin für die periodische Hauptuntersuchung, die eine der tragenden Säulen des sicheren Straßenverkehrs ist und einen wichtigen Betrag dazu leistet, dass hierzulande Jahr für Jahr weniger Menschen im Straßenverkehr verunglücken.

Nicht nur der Mensch am Steuer soll Bescheid wissen, auch die für Sicherheit und Ordnung im Straßenverkehr Zuständigen können sekundenschnell erfahren, ob mal wieder eine Hauptuntersuchung (HU) fällig ist. Egal, ob vom langsam vorbeifahrenden Streifenwagen aus oder parallel zur Kontrolle der Parkuhren – ein gezielter Blick aufs Nummernschild verrät quasi alles.

Autos mit gelber Plakette sind in diesem Jahr fällig. Die zeigen auch die beiden Ziffern 2 und 1 im kleinen zentralen Kreis des Aufklebers. Angeordnet wie die Ziffern einer Uhr stehen sie aber nicht für die Stunden, sondern für den jeweiligen Monat, in dem die Plakette ihre Gültigkeit verliert. Steht beispielsweise oben (statt der 12 an einer Uhr) eine 9, bedeutete dies September. Wer dann genauer hinschaut, bemerkt am linken Kreisrand einen schwarzen Fleck – und der ist in diesem Fall auf Höhe der 9 einer Uhr zu sehen, genauer gesagt zwischen 8 und 10. Man kann also auch ohne Adleraugen erkunden oder entziffern, wem die Stunde geschlagen hat.

Apropos Farbe: Wer in diesem Jahr ein neues Auto oder Motorrad (usw.) zulässt, wird eine grüne Plakette erhalten, denn damit muss man erst nach drei Jahren wieder zur Technischen Überwachung (TÜ). Die macht nicht nur der TÜV, sondern auch andere, amtlich anerkannte Prüf- und Sachverständigen-Organisationen wie DEKRA, GTÜ oder KÜS. Ansonsten ist der Regelabstand zur nächsten Plakette zwei Jahre. Ausnahmen gelten für Neuwagen(erst nach 36 Monaten) und Wohnmobile über 3,5 Tonnen (alle 12 Monate). Geprüft wird, ob sich das Auto in technisch einwandfreiem Zustand befindet oder Mängel aufweist.

Um die Jahre immer eindeutig unterscheiden zu können, gibt es nur sechs amtliche Farben und deren Wechsel ist stets gleich. Auf Blau folgen Gelb, Braun, Rosa, Grün und Orange.

Schönheitsfehler - aber kein Ablehnungsgrund für TÜV und Co.

 ©eba

2018 traten in Deutschland 28,4 Millionen Fahrzeuge zur Hauptuntersuchung an. Bei knapp einem Drittel gab es Beanstandungen, im Durchschnitt waren es 2,65 Mängel je beanstandetem Auto. Bei Pkw betrafen die Mängel meistens die lichttechnischen oder andere elektronische Anlagen. Noch vor zehn Jahren war der gefürchtete Rost ein massiver Kritikpunkt - und bot den Prüfern auch häufig genug Anlass, die begehrte Plakette zu verweigern. Dabei ging es weniger um Schönheitsfehler. Dieser 28 Jahre alte Golf mit Rostschaden an der Heckklappe erhielt 2017 nochmals einen TÜV, - und zugleich den Hinweis, an "tragenden Teilen" der Karosserie gäbe es erste erstnzunehmende Rostschäden. Der Empfehlung des DEKRA-Prüfers folgend kam das Auto zum VW-Händler, der mit geringem Aufwand wieder für Sicherheit sorgte. Jetzt kann das Auto sogar ein H-Kennzeichen erhalten.

Dass mit TÜV-Plaketten auch massenhaft geschummelt oder gar betrogen wurde, zeigen nicht nur etliche Gerichtsverfahren gegen bestechliche Prüfer und ihre Helfershelfer. In der Szene wird die teilweise Unterwanderung der Prüfszene durch Kriminelle und ihre mafiösen Strukturen argwöhnlisch beobachtet.

eba mit Material von TÜV, DEKRA und ADAC