Zur Liste

Ich geh mal geschwind ans Nordkap Teil 2

Einmal von Südwestdeutschland zum Nordkap und zurück. In sieben Tagen, gespickt mit einigen Abenteuern und Missgeschicken. Christian Seiß erzählt von einem Husarenritt, den er vor etlichen Jahren unternahm. Hier ist Teil 2 des Berichts.

 ©Christian Seiß

Wer den ersten Teil des Berichts verpasst hat, kann ihn hier lesen.

Tag 4: Nordkapp!!!!!

Also erstmal der Reihe nach: Gegen 6 Uhr wieder raus aus dem gemütlichen Schlafsack. Ohne Frühstück wech, da der Asphalt ruft. Sollen heute ja nur um die 380 Kilometer bis zum Kapp sein. Da lohnt es sich ja fast net mal den Diesel anzuwerfen. Tue es aber doch.

Hier in Finnland endlich die ersten Elche und Rentiere gesehen. Coole Viecher, stehen neben der Straße und fressen gelangweilt...

Die finnischen Straßen sind schon der Wahnsinn – Schnurgerade, aber ein auf und ab, dass ich mich zwischen 50 und 105 km/h bewege.

 ©Christian Seiß

Langsam kommen die ersten schneebedeckten Gipfel in Sicht. In mir rumort es vor Aufregung. Dann endlich der Tunnel, leckfett, geht’s da abwärts, und nach der halben Strecke, 3,5 Kilometer geht’s so steil wieder bergauf,  dass ich gerade so im zweitten Gang mich hochkämpfe.

Auf der Nordkapinsel ist es nicht besser. Da gibt es Steigungen... Die haste nicht gesehen! Muss den Bus fast hochprügeln, hätte doch weniger einpacken sollen...

Und dann endlich das Ziel in Sicht!!!! Die Zahlstelle ist nicht besetzt – super – wieder Geld gespart. Aber irgendwie bin ich bis auf zwei bis drei andere der einzige hier.

 ©Christian Seiß

Dann schnell umziehen (lange Unterhosen und Pullover – nein gleich besser zwei) und los zur Kugel.

Kein Schwein da, was sich auch den Rest des Tages nicht ändern sollte. Kugelrennen und Kugelknuddeln. Eine Last löst sich von mir und mit einem Male werde ich ruhig und gelassen. Jetzt kann der eigentliche Urlaub beginnen!!!!!

Innen im Touristencenter ist ein Kino – ein super Film übers Nordkap zu den verschiedenen Jahreszeiten. Der Film ist so gut, dass ich ihn mir drei Mal anschauen muss – jeweils immer alleine – war ja klar. Ist ja keiner hier außer mir.

Treffe einen persischen Pizzabäcker aus Österreich, der Deutsch spricht (was für eine tolle Kombination) und freunde mich mit ihm an. Er hat nur einen Renault Espace, kaum Platz. Lade ihn zu mir ein, zusammen Fotos machen, rumschlendern, kochen, Bier trinken usw.

Die Nordkaphalle ist immer noch leer und ziemlich schnell lerne ich alle Mitarbeiter persönlich kennen. 23 Uhr – hell wie am Tag aber langsam mal eine Runde an der Matratze lauschen.

 ©Christian Seiß

Tag 5:

Nordkap – mal um 1 Uhr aufgestanden – immer noch taghell. Echt der Wahnsinn!!! Irgendwie einsam hier!

Gegen 8 Uhr aufgewacht und angezogen, der Windschatten und die gute Isolierung des Womos haben es gar nicht mal so kalt werden lassen!

Meinen Nachbarn aufgeweckt und zum Frühstück eingeladen. Apfeltee (Mann, schmeckt der gut) und diverse Spezialitäten von meinem Nachbarn, Kaffee gekocht und Essen von ihm. Essen uns die Wampe voll, danach Verabschiedung, aber ich kann nicht weg. Im Schnee versunken aber dann komme ich doch raus.

Gemütlich los, Nordkap-Tunnel wieder runter und hoch – arrghhhhh. Der arme Diesel...

 ©Christian Seiß

Fahrt entspannt, wechselnde Landschaft und an nem Rastplatz mal raus für kleine Jungs. Motor lasse ich laufen, damit sich der Diesel ein bisschen beruhigen kann.

Als ich im Häusle bin, höre ich wie der Motor leiser wird. Ich renne raus und der Bus rennt – äähhhh rollt weg. Rückwärts nen Abhang runter und kommt an nem Zaun zum Stehen. Eine Stoßstangen-Ecke kaputt und Auspuff abgebrochen – kerniger Sound jetzt.

Sollte man fast so lassen – muss mal den TÜV fragen. Stimmung jetzt natürlich getrübt wegen Schaden – deswegen an diesem Tag kein Sammeln von Eindrücken. Obwohl – Hammerfest war ganz net.

Fahre weiter, nix dunkel, merke gar nicht, wie die Zeit verfliegt. 2 Uhr morgens oder so die Fähre genommen – ich der einzige drauf. Dann Parkplatz mit Womos entdeckt und mich eingereiht. Schlafen.

 ©Christian Seiß

Tag 6:

Gegen 9 Uhr aufgewacht. Toilette, waschen und los. Die Lofoten ausgelassen, weil net so Lust vom Vortag. Aber schöne Straßen hier- ständiges auf und ab und sehr kurvenreich. Interresante Landschaft in der ich öfter mal anhalten muss, um die Eindrücke auf mich wirken zu lassen.

Auf der Karte ist ein Fjord eingezeichnet, also hin. Auch wieder Tunnel (Tunnelblick?). 6 Kilometer und bergab, sodass ich bei 130 ausgekuppelt langsam auf die Bremsen gehe. Mir graut's schon vor der Rückfahrt, vierter Gang, dritter Gang oder gar zweiter Gang?

Fahre den Fjord eine Zeitlang entlang mit – Fjorde sind zwar fantastisch anzusehen – nerven aber gewaltig, wenn man an ihnen entlang fahren muss.

 ©Christian Seiß

Rückweg, Tunnel im dritten und vierten gepackt. Schon faszinierend, was das Motörchen so leistet.

Abends gegen 18 Uhr Schlafplatz gesucht und Campingplatz zwecks Duschen aufgesucht. Klar, dass die Dusche am anderen Ende vom Campingplatz war...

Dann Essen kochen, abwaschen und kurz mit Alex im Internet chatten. Er will mir noch ne Mail mit ein paar Tipps schicken. Net so lang, da ich heut etwas zeitiger zurück sein will wegen Geburtstagsparty meiner Schwägerin. Gönne mir Bier, aber nur 4 Becher oder so.

 ©Christian Seiß

Tag 7:

Ein Tag, der einfach begann aber sehr ereignisreich enden sollte...

Gegen 6 Uhr aufgewacht und frisch gemacht auf dem Campingplatz. Nebenbei Reiseroute von Alex verinnerlicht und losgetigert.

Nach Trondheim auf die E39, doch Schrecken und nerv – mehrere Mautstationen, die mir die Kronen durch die Hände fließen lassen.

Dann noch einige Fähren auf dem Weg. Glaube Alex wollte innerhalb kürzester Zeit mein Urlaubskonto plündern.

Kristiansund lasse ich aus, fahre direkt über Molde nach Andalsnes. Die Trollstiegen sollen ja der Oberhammer sein – aber leider geschlossen.

Also vom Navigationsgerät Alternativroute berechnen lassen. Es führt mich ein Stück weiter in einen Wald steil bergauf. Erster Gang.

Nach 20 Kilometern Offroad treffe ich auf einer Anhöhe einen Elektromonteur, der sagt, dass alles zugeschneit ist – fahre weiter und drehe um.

Beim Zurückfahren wieder durch zwei Schneewehen durch und in einen Graben abgerutscht. Natürlich kein Handyempfang in dieser Tundra hier.

 ©Christian Seiß

Fröeda oder Frodo versucht mich rauszuziehen. Keine Chance.

Bus fühlt sich recht unbeeindruckt und hängt mit gut 30 Grad Seitenneigung im Graben. Bei 35 Grad fällt er um!!!

Fahre mit ihm zu einem Bauernhof – mit den alten Bauern ratscht er ne Zeitlang, Ihr Pickup-Geländewagen schafft es auch nicht. Der Sohn kommt mit Trator.

Spektakulär zieht er mich wieder raus. War echt überzeugt, dass er umfliegt und mein Urlaub zu Ende ist.
Weiterfahrt bis zur nächsten Fähre und wieder Bergpass vor mir – ist auch gesperrt. Gut 300 Kilometer Gebirgsstraße umsonst und viele Fähren auf der weiterne Fahrt würden anliegen.

Ergo – Schnauze voll – Entschluss für Rückmarsch antreten. Fahre bis 3 Uhr morgens mit einem Zwischenstopp und komme zuhause an.

Aber erst ist noch folgendes passiert: Tatsächlich 5 Kilometer vor der Haustüre ist mir der Keilriemen der Wasserpumpe gerissen. Kein Problem, liegen immer welche in der Sitzbank auf Vorrat drin. Also ADAC gerufen – gewartet…… Und er kam auch "sich die Hände reibend". Ich frag noch so – "Na, was freust Dich denn so?" Er meint nur "Super, endlich mal wieder ein Auto zum Schrauben." Ich so "Nee sorry, machst mir bitte nur den Riemen hier rein? Ich könnte es vielleicht auch, bin aber nach gut 14 Stunden Fahrt etwas zu fertig dafür." Er noch so im Spaß: "Das grenzt ja schon fast an Betrug, ein Bulli-Fahrer der wegen sowas den ADAC ruft…. grummel, na gut." Er hat dann noch 10 Euro und zwei Tafeln Ritter Sport bekommen und war wieder "friedlich".

von Gerhard Mauerer